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Fotos: Zucker - Restaurant in der Raffinerie

Zucker - Restaurant in der Raffinerie

Frankfurter Str. 2
38122 Braunschweig
0531-281980

aktualisiert: 04 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo-Sa von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, So Ruhetag
Hauptgerichte: 32-44 €, Menüs: 74-92 €

Bei diesem modernen, lichtdurchfluteten Lokal mit hohen Backsteinwänden handelt es sich nicht, wie der Name vielleicht suggerieren mag, um ein Süßspeisen-Restaurant, sondern um eines mit ganz normaler Küche. Doch das residiert in einer ehemaligen Zuckerraffinerie an der Frankfurter Straße, einem Industriedenkmal aus dem frühen 20. Jahrhundert, und ist eine schmucke Location mit viel Platz. Gerne wird es ob der repräsentativen Räume und der günstigen Infrastruktur seit jeher auch als Hochzeits- und Veranstaltungslocation mit gastronomischem Rundumservice gebucht – in der Hauptsache jedoch betreiben die Gastgeber Gesche Sonntag und Alexander Riehl hier ein in der Region beliebtes À-la-carte-Restaurant mit mehrheitsfähiger, aber durchaus anspruchsvoller Küche.

Ob die jüngste stilistische Entwicklung, hin zu einer auch im Menübereich deutlich klassischeren Ausrichtung, auf personelle Wechsel in der Küche zurückzuführen ist, oder andere Gründe hat, kann getrost dahingestellt bleiben – jedenfalls profitiert das Kulinarium sichtlich und schmeckbar davon. Wir haben hier schon länger nicht mehr so gut gegessen, wie in dieser Testsaison! Da es auch den Anschein macht, als ob Menü und à la carte in Sachen Eigenanspruch und Ausrichtung näher zusammengewachsen sind, dürfte es hinsichtlich der Bewertung auch keinen größeren Unterschied mehr machen, ob man die Einzelgerichte bestellt, oder sich die auf vier Gänge geschrumpfte Speisefolge vornimmt.

Dabei hätten wir den drei recht guten Aufstrichen, die nach dem Einchecken prompt auf dem Tisch standen, ein etwas attraktiveres Brot gegönnt. Und der mit seiner äußerst milden Füllung zwar aromatisch relativ ausdruckslose, wegen seiner sehr dünnen, elastisch-zarten Teighülle aber trotzdem delikate Raviolo auf Blumenkohlcreme als Gruß aus der Küche hätte uns noch besser gefallen, wenn an der begleitenden, subtil umamiwürzigen Schaumsauce kein Trüffelöl gewesen wäre. Alles andere aber war unterm Strich ziemlich erfreulich...

Künstliches Trüffelaroma steckte trotz des Einsatzes duftiger und sogar geschmackvoller echter Schwarzer Trüffel zwar auch in der Menüvorspeise um Ragout von der Oldenburger Ente mit Spinat, Kartoffel und Ei, doch war es so dezent und die dunkle Entenjus so ausgewogen kräftig, dass es fast kaschiert wurde und dem Genussfaktor dieses Soulfood-Tellers zum Löffeln kaum etwas anhaben konnte: Im Tellerboden festere Kartoffelcreme, darauf Cremespinat, zartes kleingewürfeltes Schmorfleisch von der Ente in tiefer Sauce, drumherum eine im Syphon zur Espuma aufgeschäumte Kartoffelcreme und on top zart fließendes Eigelb. Das hatte was!

Rein gar nichts zu kritisieren gab’s an der kraftvoll und natürlich nach Krustentier schmeckenden Hummerbisque, die in vertrauenerweckend hellbrauner Färbung und trotz rahmigem Schmelz mit erfreulich wenig Sahne oder Crème fraîche daherkam. Und in ihren Fluten qualitativ sehr propere Stücke von Hummer, Jakobsmuschel und Steinbutt nebst Karottencreme und glasierten Babykarotten mit sich trug.

Danach wunderte es dann schon weniger, dass auch der Hauptgang um ein mit wenig Farce in ein Wirsingblatt gewickeltes, sanft pochiertes und danach zwecks Aromengebung noch etwas auf der Wirsinghülle angebratenes Kalbsfilet ausgesprochen gut war. Das handwerklich prima umgesetzte und auch qualitativ überzeugende Fleisch wurde angenehm reduziert nur von etwas feinsäuerlichem Champagnerkraut im Zusammenspiel mit der unaufdringlichen Süße eingelegter schwarzer Walnuss und einem perfekt knusprig-fluffigen Kartoffelkrapfen begleitet. Grundiert von einem Saucenduett aus Kalbsglace und heller Schaumsauce war das ein richtig gutes klassisches Hauptgericht, das alleine man fast schon mit 7 Pfannen hätte bewerten können.

Etwas simpler und aromatisch „verschwommener“, aber trotzdem nicht minder gut umgesetzt, war auch der Nachtisch, ein kleines saftiges Stück Sachertorte mit Mousse und Rahmeis von Kaffeearoma sowie Orangenfilets und ein paar nussigen Crumbles. Den Service erlebten wir diesmal freundlich und engagiert und die Weinkarte listet weiterhin viele gute, schwerpunktmäßig deutsche und österreichische Gewächse zu moderaten Preisen.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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