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Fotos: Villino

Villino

Mittenbuch 6
88131 Lindau (Bodolz)
08382-93450

aktualisiert: 08 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 58-68 €,
Menüs: 110-188 €

Ausblick auf den nahegelegenen Bodensee gibt es in dem etwas versteckt außerhalb von Lindau gelegenen Privathotel zwar nicht – man kann sich aber trotzdem kaum eine schönere Kulisse vorstellen als das üppig begrünte Anwesen des Villino, insbesondere dessen Innenhof mit plätscherndem Brunnen und heiterer mediterraner Atmosphäre. Ein toller Platz, um die Küche von Toni Neumann und seinem zu Team in vollen Zügen zu genießen. Auch wenn man es ob des stimmungsvollen Ambientes, dem Namen Villino und klangvoller Menü-Titel wie „Cucina della Passione“ oder „Villino Tradizionale“ denken könnte, aber dezidiert mediterran ist der von ihm gepflegte Kochstil nicht – vielmehr holt sich der Chef seine Inspirationen ganz undogmatisch aus aller Welt.

Zum Auftakt wurde ein ausgewogen gewürztes Thunfischtatar mit feiner Textur unter einem intensiven, aber nicht zu dichten Parmesanschaum geschickt, dem Pinienkerne noch etwas knackige Textur verliehen. Erwähnenswert war auch die Schalotten-Portwein-Butter, die die hausgemachte Focaccia begleitete. Immer wieder sollte es dem Team im Laufe des Abends gelingen, mit vergleichsweise einfachen und unkomplizierten, aber dennoch sehr wirkungsvollen Kniffen das eine oder andere Ausrufezeichen zu setzen.

Dem in Deutschlands Gourmetrestaurants inflationären roh marinierten Hamachi rang die Küche eine durchaus unkonventionelle Facette ab, indem das mit Limettenschale aromatisierte und mit eingelegten Wakame-Algen und Kapuzinerkresse auf (aromatisch leider etwas blasse) gebeizte Tomaten drapierte Fleisch der Gelbschwanzmakrele auf einer Vinaigrette auf Basis von Feigenblattöl angerichtet war. Neben präsenter Säure spielte hier auch eine angenehme fruchtige Süße mit, die dieser leichten, frischen, transparenten Vorspeise zu einem ausgewogenen, harmonischen Finish verhalf.

Noch besser gefiel uns der puristische nächste Gang, bei dem eine schön knusprig angebratene, außen röstwürzige und innen glasig-rohe Jakobsmuschel in etwas dicker geschnittenen Scheiben auf ein Stück Fenchel drapiert war. Zuvor im Salzteig gebacken, begeisterte das Gemüse mit intensivem Eigengeschmack und harmonierte perfekt mit einer säuerlich zugespitzten geschmeidigen Grapefruitreduktion. Auch als Marinade für dünne Fenchelstreifen und als kleine Filetwürfeln war die bitterherbe Zitrusfrucht im Einsatz und sorgte in den unterschiedlichen Spielarten für ein erfrischend dynamisches Geschmacksbild. Der vielleicht beste Gang des Menüs!

Ein feines Händchen auch für herzhafte Aromen bewies das Team beim sous-vide gegarten und anschließend gegrillten Bauch vom Duroc-Schwein. Von der fruchtigen Frische verschiedener Texturen von gepickeltem Apfel aufgelockert, badete die saftig-schmelzige Tranche mit einem Rondell aus Blätterteig und Petersilienwurzel auf einer kräftigen reduzierten Jus.

Sorgfalt und Präzision ließ auch der gleichmäßig rosa gebratene, überraschend eigenaromatische Rehrücken im Hauptgang erkennen, der zu einem relativ unkonventionellen Wildbret arrangiert war. Ungewöhnlich nicht wegen gebratener Steinpilze, Brombeeren und Wurzelgemüsecreme, die man ja in Kombination mit Wildfleisch durchaus erwarten würde, wohl aber wegen Quinoa, geröstetem Amaranth und Algenstroh, die in dieser kompakt angerichteten und nach unserem Geschmack etwas sehr diffusen Melange ebenfalls zugegen waren. Die reduzierte Jus sorgte für einen tiefen, satten Background und hielt die Komposition zusammen, allerdings wirkte das Ganze nach unserem Geschmack in Summe etwas überladen und auch nicht ganz optimal proportioniert. Da wäre weniger nach unserer Auffassung mehr gewesen.

Deutlich schlanker und klarer strukturiert ging es schon wieder beim Pré-Dessert zu, einem fruchtigen Gelee mit Segmenten von Litschi und Erdbeere. Darauf thronte ein erfrischendes Champagnersorbet mit essbaren Blüten auf einer kandierten Erdbeerscheibe, so dass unterm Strich ein sommerlich-leichter und bekömmlicher Einschub stand. Beim nachfolgenden Dessert drapierte die Küche Scheiben von Nektarine und Pfirsich mit Geltropfen von Himbeere und Pfirsich rund um eine aromatisch recht zurückhaltende Vanillemousse, die aber mit umso ausdrucksstärkeren karamellisierten Pistazien als Topping aufwartete. Ein Himbeer-Prosecco-Eis rundete die farbenfrohe, sommerlich-leichte Komposition attraktiv ab.

Chefkoch Toni Neumann praktiziert hier also einen sehr weltoffenen Küchenstil auf klassischer Basis – ohne unverwechselbare Handschrift, aber mit einem sicheren Gespür für Aromen und Produkte und auf handwerklich hohem Niveau. Und auch das nicht nur sehr professionelle, sondern auch besonders herzliche Gastgebertum, das hier von Fischer seit Jahr und Tag gelebt wird, ist einer der Gründe, warum das Villino zu den besten Adressen im Bodenseeraum und weit darüber hinaus zählt.

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