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| Täglich von 12.30-16 Uhr u. ab 18 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 29-36 €, Menüs: 49-59 € |
Den hohen kulinarischen Anspruch des exklusiven Wellnesshotels Birkenhofs hat in den vergangenen Jahren vor allem das Gourmet-Restaurant Eisvogel überregional bekannt gemacht. In der direkt nebenan gelegenen Turmstube geht es zwar deutlich bodenständiger zu, aber die Leidenschaft für gute Produkte und handwerkliches Kochen ist auch hier spürbar. Dass man auch in der Turmstube einen Anspruch hat, der über das Gutbürgerliche hinausgeht, zeigte bereits ein Amuse-Gueule aus Wasabimousse mit Gurken-Avocado-Tatar und Yuzu-Estragon-Vinaigrette. Überzeugen konnte vor allem die gute Harmonie aus Frische und Säure. Lediglich die überaus akkurat golfballgroße Mousse geriet sehr steif und hätte sich mit ein paar Milligramm weniger Geliermittel vermutlich besser in das sommerlich-leichte Bild eingefügt.
Auch die Vorspeise verströmte den Sommer. Ein Zander vom nur 15 Kilometer entfernten Teichgut Mulzer wurde mit al dente gekochter Quinoa zu einem Tatar zubereitet. Herum drapierte die Küche ein sehr akkurat angerichtetes Mosaik aus Gurken- und Rettich-Kügelchen, Lachskaviar, grüner Mayonnaise und einer kräutrig schmeckenden grünen Sauce. Die Aromen griffen sehr gut ineinander und schufen am Gaumen ein Wechselspiel aus vegetativen, getreidigen und im positiven Sinne fischigen Aromen. Auch hier empfanden wir den Geliermitteleinsatz ein wenig zu intensiv, dieses Mal im Fall der grasig-kräutrigen Sauce. Vermutlich ist diese nicht mehr fließende, sondern streichbare Textur für die hübsche Erscheinung notwendig, sorgte am Gaumen aber für ein etwas zu massiges Mundgefühl. Alles kein Drama und weit von verunglückt entfernt, aber trotzdem ließ uns das Gefühl nicht los, als würde die Optik hier der maximalen Entfaltung am Gaumen im Wege stehen.
Sommerlich präsentierte sich auch der Hauptgang, in dessen Zentrum gebratenes Angusrind stand. Sowohl die Fleischqualität als auch die Zubereitung waren makellos. Als Gericht, das eher mediterrane Bistro-Küche als Steakhäuser zum Vorbild hatte, wurde das Fleisch eher medium als zwanghaft medium rare gebraten und mit einer recht dominanten, aber im Kontext gut harmonierenden Senf-Schalotten-Kruste überbacken. Auch der dazu servierte Spinat mit einer großzügigen Knoblauchwürzung sowie eine „Pesto-Jus" auf Rinderfondbasis mit vielen frischen Kräutern zeigten in Richtung Süden. Fast schon folgerichtig wurden à part zwei Parmesan-Ravioli von italienischer Qualität serviert. Rundum wohltuend.
An einem kleinen, aber recht simplen Beilagensalat mit Kirschtomaten und Paprika war ebenfalls wenig auszusetzen; jedoch können wir uns auch hier einen Form-follows-Function-Einwand nicht verkneifen: In der viel zu kleinen Schüssel sah der hoch aufgetürmte und mit frischen Sprossen getoppte Salat zwar prächtig aus, verteilte sich beim Essen aber unschön auf dem Tisch – und das ist weder praktisch, noch sieht es nach der zweiten Gabel prächtig aus.
Der mit Abstand stärkste Gang bei unserem jüngsten Besuch war das Dessert, das mit einem cremigen, eindringlichen Safraneis, einem Buttermilch-Kalamansi-Sud und Thai-Basilikum-Öl gleich mehrere Überraschungsmomente eingebaut hatte, die bei den sehr geradlinig gekochten Vorspeisen und Hauptgängen manchmal untergingen. Verbesserungspotential sehen wir auch beim Brot. Für sich genommen hätten wir das nicht angemerkt, aber da wir nebenan im Eisvogel in den Genuss erstklassigen Brotes des Bäckers Arnd Erbel gekommen sind und wissen, welche Güte nur eine Tür weiter bereitliegt, wirken die beiden laschen Brötchen ein wenig zu sehr nach Frühstücksbuffet und Tagungshotel – und diesen Anspruch verfolgt der Birkenhof ja ganz offensichtlich nicht.
Unterm Strich kann man in der Turmstube bestens einkehren und wird nicht nur als Hotelgast zwischen Spa und Golfen hervorragend versorgt. Kennt man den Eisvogel und überhaupt die große kulinarische Kompetenz, die im Haus vorherrscht, könnte man sich allerdings auch für die Turmstube noch ein wenig mehr Grandezza oder Feintuning auf den Tellern vorstellen. Doch so oder so können wir dem attraktiven „Zweitrestaurant“ des Birkenhofs auch dieses Jahr wieder grundsolides 6-Pfannen-Niveau attestieren.
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