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| Mo u. Di u. Fr u. Sa ab 17 Uhr, So ab 12 Uhr durchgehend, Mi u. Do Ruhetag |
| Hauptgerichte: 36-44 €, Menüs: 75-105 € |
Während der vergangenen erfolgreichen dreieinhalb Jahre im Tonihof in Eschenlohe hatten sich Thomas Albrecht und seine Frau Daniela in der Region schon einen guten Namen gemacht. Nun sind sie mit ihrer Speisemeisterei by Thomas und Daniela einen Schritt weiter gegangen – in die ehemalige Linde in Partenkirchen. Das 200 Jahre alte Traditionshaus wurde behutsam renoviert: Kachelboden, Holzvertäfelung und gemütliche Sitzbänke strahlen weiterhin rustikalen Charme aus. Ein neues Beleuchtungskonzept und mit Samt bezogene Sessel sorgen für einen modernen Touch, was zusammen ein gewisses Wirtshaus meets Fine Dining ergibt.
Und genau dafür steht auch die kreative Küche von Thomas Albrecht, die so geerdet wie gewitzt ist und viele Erwartungen erfüllt. Die Gerichte auf der bewusst klein gehaltenen Karte können einzeln bestehen, lassen sich aber auch zu einem äußerst fair kalkulierten Menü kombinieren. Beim „Essen bei Freunden“ ist man hier mit allen per Du und hört immer wieder gerne: „Lasst’s euch schmecken!“
Bei unserem Antrittsbesuch im neuen Refugium kam nach Brot und Bärlauchcreme als Gruß des Wirtshauses ein „bayerischer Burger“ en miniature: ein Stück Leberkäse mit Zwiebelcreme in einem luftigen Blätterteig-Bun. Bei den Vorspeisen hatten wir lange hin- und her überlegt: klassisch französisch mit einer Pâté en croûte? Das alte Handwerk begegnet einem schließlich nicht mehr alle Tage. Aber auch nicht das ostdeutsche Traditionsgericht Senfei – Thomas Albrecht stammt aus Dresden! – hier mit Kaviar upgegradet.
Wir haben uns in der Menüfolge für Letzteres entschieden und es nicht bereut, denn der altväterliche DDR-Klassiker war modern dekonstruiert und mit Onsen-Ei und Chawanmushi gewissermaßen internationalisiert. Unter einer Art Eierstich mit ordentlicher Senfnote und etwas Kaviar on top versteckte sich ein wachsweiches Eigelb, dazu eingelegte Senfkörner und kleine Kartoffelwürfel – fertig war das runde Wohlfühlgericht!
Auch die Jakobsmuschel mit Karotte bot mehr als sie versprach, wenngleich die Coquille selbst nicht gerade ein großes Prachtexemplar war, sondern eher klein, aber trotzdem fein, außerdem gut gegrillt und behutsam gewürzt. Aus der Karotte aber wurde alles herausgekitzelt: im Ganzen war ein Mini-Exemplar so gegart, dass es noch leichten Biss hatte. Auf der Jakobsmuschel lag außerdem knuspriges Karottenstroh, drumherum kreiste ein Karottenpüree mit Erbsen, das wiederum von einem Pesto aus dem Karottengrün und Kräuteröl eingefasst wurde. In der Summe ergab sich ein schönes Erlebnis von süßlichen, nussigen und etwas herberen Tönen.
Der Hirsch im Hauptgericht wurde auf zweierlei Art interpretiert, nämlich zum einen in einer Mini-Cocotte als Ragout mit Champignons und Preiselbeeren, deren Süße auch in die Sauce abstrahlte. Auf dem Hauptteller gab es zum anderen eine dichte, herzhafte Jus, in der ein Stück vom Hirschrücken lag, das ganz klassisch gegrillt, butterzart und saftig war. Es wurde ganz traditionell und unaufgeregt von einer große längliche Nocke fluffigem Kartoffelstampf begleitet und außerdem von gebratenen Kräuterseitlingen und Macadamia-Splittern – alles handwerklich und geschmacklich äußerst gelungen und (abgesehen von der Verlegenheits-Deko Erbsenkresse) absolut stimmig.
Das Dessert schließlich mit den Komponenten Zwetschge und Salzkaramell präsentierte sich erstaunlich komplex und ohne Abstriche rundum stimmig: ganze eingelegte Stücke, als Mousse und Ragout in einer Tarte, darüber weiße Schokolade als Creme und ein leicht ätherischer Schaum, unterstützt durch dehydrierte Orangenstücke. Dazu krachten karamellisierte Nüsse und auch eine dunkle Hippe lieferte auf dem Tarte-Turm mit Sahne-Baiser auf sehr geschmeidiger Salzkaramellsauce noch etwas Knuspriges. Und das war interessanterweise gar nicht so süß und schwer wie gedacht – so auch der dazu empfohlene Portwein „Six Grapes Reserve“ von Graham‘s.
Überhaupt sind die angemessen präsentierten Weine der Speisemeisterei in gerade mal dreißig Positionen klug zusammengestellt, sodass passend zu den Speisen auch hier jeder Gast ein genussfreundliches Angebot für sich finden sollte. Wer es vorneweg, zwischendurch und überhaupt etwas prickelnd exklusiver mag – es gibt auch Champagner von Bollinger und einen Paul Roger 2015 Vintage Brut. Oder einfach nur gutes Bier von Hacker Pschorr. Wir feiern dieses sympathische Wirthaus-deluxe-Konzept mit seinem sehr herzlichen und kundigen Service mit 6 Pfannen!
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