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| Täglich von 13-15.30 Uhr u. ab 18.30 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 23-42 €, Menüs: 54-75 € |
Die Konstellation Vater und Sohn ist in Spitzenküchen eine gar nicht so seltene. Anders sieht es bei Mutter und Sohn aus – und das ist auf der Schloßanger Alp in mehrfacher Hinsicht eine Besonderheit. Schließlich war Barbara Schlachter-Ebert, die dort seit vielen Jahren die Kulinarik prägt, die erste Frau im Kreise der Jeunes Restaurateurs, und ihr Sohn Bastian Ebert ist ihr nach Spitzenstationen im In- und Ausland mittlerweile als Mitglied dieser ambitionierten Köchevereinigung gefolgt. Seit Anfang 2022 sorgen die beiden hier gemeinsam für eine alpine Küche auf hohem Niveau, und das nicht nur sprichwörtlich, weil die Schloßanger Alp auf 1130 Höhenmetern liegt…
Weil hier, umgeben von spektakulärer Landschaft, sowohl Hausgäste als auch Ausflügler und Wanderer verköstigt werden, ist das Angebot dementsprechend breit aufgestellt. Von Allgäuer Kässpätzle über klassisches Wiener Schnitzel mit Röstkartoffeln und Gurkensalat, bis hin zum Zwiebelrostbraten mit Schupfnudeln und Gartenkarotten reicht das Programm einerseits. Andererseits gibt es aber zum Beispiel auch sehr weltläufige Gerichte eine moderne Variante von „Vitello Tonnato“, für die frischer Thunfisch mit Kalbscreme liiert und mit Wakame-Alge und Wasabischärfe in Richtung Fernost gedreht wird. Oder es repräsentiert schon mal eine Languste mit hausgemachter Tagliatelle-Pasta, Tomaten, Petersilie und Senfsaat die mediterrane Aromenwelt.
Die größten Stärken der Küche liegen nach unseren Erfahrungen aus den letzten Jahren aber irgendwo dazwischen, wo die traditionelle Alpenküche auf maßvoll moderne Ideen trifft, wo Bodenständigkeit mit einem Hauch von Exklusivität und frischen Ideen aufgepeppt wird, es aber eben gerade nicht zu beliebig-weltläufig zugeht. In stark verfeinerten und mit heimischen Produkten wirklich kreativ variierten Heimatgerichten könnte das Potential liegen, hier etwas wirklich Eigenständiges und Interessantes zu etablieren, was es hierzulande nach wie vor nur sehr selten gibt.
Das Setting im Restaurant mit weitläufiger Terrasse und Blick auf die Burgruine Falkenstein und die Berge ist Alpe-gerecht mit viel hellem Holz und liebevollen Deko-Details ausgestattet und wurde im Rahmen der umfassenden Renovierungs- und Erweiterungsarbeiten im Hotelbereich unlängst auch wieder einem Facelift unterzogen. Zu diesem Setting passt perfekt eine kleine Jause mit Brot, Butter und Pfeffersalami als erster Snack.
Das feine Händchen von Barbara Schlachter-Ebert und Bastian Ebert für herzhafte kleine Fleischgerichte wie Landschwein-Ravioli mit Rettich und Spinat, aber auch die attraktive maritime Palette von Calamaretti bis zum nach Ike-Jime-Art geschlachteten Wolfsbarsch, machen die Wahl schwer. Zumal die beiden auch attraktive vegetarische Gerichte im Repertoire haben, wie beispielsweise eine Vorspeise mit bunter Bete, Apfel und Dill: Rote und gelbe Bete in verschiedenen Größen und Formen, sehr hübsch auch mit rosafarbenen Hütchen angerichtet. Der annoncierte Dill war hier nicht wie die Kapuzinerkresse nur als Deko, sondern auch als sehr würzige und luftige Mousse in Blumenform eingesetzt. Ausgestochene Apfelkugeln gaben zur kompakt erdigen Süße der Bete etwas Säurefrische und in zwei Mayotupfern blitzte ein Hauch Wasabischärfe auf – von beidem hätte es als Auflockerung der erdigen Süße sogar ruhig noch etwas mehr sein dürfen.
Eine Wucht war zuletzt das Iberico-Schwein: zwei mit Kartoffelstroh gekrönte, sehr schön kross gebratene und trotzdem im Kern noch sehr schön saftige Filets. Ähnliches galt für die herzhaften Speckkroketten, die außen schon mehr als dunkelgold und knusprig, aber innen noch herrlich fluffig waren. Als Untergrund hatte das schwungvoll fast im Halbkreis angerichtete Arrangement eine Creme, die zu einem größeren Teil rote Paprika als Basis hatte, aber mit Haselnuss den herben Momenten auch etwas Lieblichkeit entgegensetzen konnte. Grüne Bohnen quietschten dazu knackig frisch, eine Jus auf der Creme rundete das Gericht harmonisch ab.
Man kann das Mahl mit vier ausdrucksstarken Käsesorten von Jamei Laibspeis‘, die mit Liebstöckel-Pesto serviert werden, herzhaft abschließen, oder es mit einem Dessert wie dem von Erdnuss, Karamell und Passionsfrucht umspielten Schokoladenbrownie süß und international angehen. Gerne aber auch klassisch alpin mit Grießflammeri und Zwetschgenröster, ebenso cremig und luftig wie dicht und fruchtig, mit etwas Sablé-Crumble verfeinert. In Kombination mit intensiv nussigem Haselnusseis, Spuren von Vanillesauce und Waldbeeren, die ein paar kleine, aber wichtige Säuremomente beitragen, ein attraktiver Schlusspunkt.
Im Keller lagern mehr als 550 Positionen aus allen (Preis-)Lagen und auch offen werden mitunter schöne Angebote gemacht, wie zum Beispiel spezielle Cuvées von Thomas Seeger. Wenn Gastgeber Bernd Ebert selbst im Haus ist, werden diese dann auch garantiert sehr engagiert und kenntnisreich nähergebracht – bei unserem jüngsten Besuch erlebten wir das diensthabende Serviceensemble jedoch nicht so sattelfest, wie man es hier eigentlich erwarten kann und wir das aus der Vergangenheit auch kennen.
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