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| Do-So ab 18 Uhr, Mo-Mi Ruhetag |
| Hauptgerichte: 32-75 €, Menüs: 78-147 € |
Das kleine Gourmetrestaurant im Feriendomizil von Familie Roussel hat sich sukzessive weiterentwickelt, seit es von Junior Thierry Roussel und dessen Partnerin Jane Kölchens im Jahr 2019 neu eröffnet wurde. Und das nicht nur optisch und in seiner gesamten Ausstattung, sondern auch gastronomisch und kulinarisch. Die Gastgeberin kümmert sich sehr aufmerksam, fachlich versiert und sympathisch unverkrampft zusammen mit einer Mitarbeiterin um die Gäste und bringt auch Wein-Expertise mit, während ihr Lebensgefährte, nur von einer Küchenhilfe unterstützt und damit fast in einer One-Man-Show, für das mittlerweile sehr hohe Niveau des Menüs verantwortlich zeichnet.
Dass sich die maximal siebengängige Speisefolge, die nach vorheriger Absprache auch vegetarisch sein kann, über die letzten Jahre hinweg relativ statisch präsentiert und uns mittlerweile nicht wenige Gerichte identisch oder nur leicht abwandelt schon öfter begegnet sind, wollen wir aktuell nicht zu hoch hängen. Jedenfalls konnten wir gerade auch daran sehr gut erkennen, wie sich diese Gerichte im Detail von Jahr zu Jahr verbessert haben, um wieviel präziser der junge, ambitionierte Chef mittlerweile handwerklich und kompositorisch auf weiterhin sehr klassischem französischem Fundament arbeitet.
Schon die fünf synchron aufgetischten, fast ausschließlich vegetarischen Kleinigkeiten zum Aperitif machten nicht nur optisch einen sehr feinsinnigen und präzisen Eindruck, sondern auch geschmacklich: knusperdünne Tartelettes, eines mit Auberginentatar und Rettich und eines mit Rote-Bete-Sphäre, zugespitzt von Himbeeressig, ein Tapiokachip mit Süßkartoffelcreme und Vadouvan, ein mit geräucherter Forelle, ihrem Kaviar und Nashibirne gefüller Croustade-Zylinder und eine Creme vom Portobello-Pilz mit Trüffel. Alle Aromen und Konsistenzen waren hier sehr gut herausgearbeitet und aufeinander abgestimmt. Genau wie beim über die Jahre immer weiter verfeinerten Signature-Küchengruß, einer vegetarischen Foie gras mit Portweinzwiebeln auf Brioche-Boden.
Auf die Spitze getrieben wurde das Maß an handwerklich elaboriertem Feintuning und Vielschichtigkeit dann bei der Vorspeise, in deren Zentrum ein mit N25-Kaviar getopptes und mit kleinen Würfeln von grünem Apfel vermengtes Jakobsmuscheltatar (beste Ware aus Dieppe!) von einem mit Algencremetupfen applizierten Ring aus Krustentiergelee eingefasst war. In den Zwischenraum hatte der Chef Leche de tigre gegossen und außenherum einen marmorierten Buttermilchsud, beide mit feinen Säuren, die hier für ein sehr dynamisches und elegantes Geschmacksbild sorgten.
Trotz viel Gestaltungs- und Präsentationsfreude ist das von verspielter Firlefanz-Küche weit entfernt. Zumal schon mit dem nächsten Gang des Menüs wieder jener Purismus Einzug hielt, den wir schon aus den vergangenen Jahren kannten – nur eben in den Details noch feiner und präziser ausgearbeitet. Die festfleischige Obsiblue-Garnele etwa war in mundgerechte Stücke segmentiert und zusammen mit winzigen knackigen Satudenselleriewürfeln für einen subtilen Textur- und Frische-Akzent auf einer warmen Vinaigrette und unter einem Schaum von französischer Ananastomate angerichtet. Das hatte in der minimalistisch nur auf Hauptprodukt, Sauce und einem Hauch von Gemüse fokussierten Art fast schon etwas von Heinz-Winkler-Küche.
Ganz ähnlich der propere Seeteufel vom kleinen Boot in beachtlicher Produktqualität, der auf seinem Rücken mit Stückchen von Salzzitrone und Fenchel sowie Sauce Rouille und Kräutern beladen auf einer milden Bouillabaissesauce schwimmen durfte. Und dergestalt nicht nur sehr hübsch anzusehen, sondern auch aromatisch gut abgestimmt war. Für eine noch höhere Bewertung könnte man sich zum Beispiel etwas mehr Druck hinter den schon sehr schmackhaft und natürlichen, aber oft etwas verhaltenen Saucen vorstellen. Denn auch die mit Kaviar von Stör und Lachsforelle sowie Schnittlauch vermengte Beurre blanc, die es im zweiten warmen Fischgang zu einem wieder ausgesprochen guten, kleinen Steinbuttfilet mit Kartoffelschuppen gab, präsentierte sich sehr rahmig-mild, hatte kaum Säurestruktur und wenig Weincharakter.
Und davon hätte im Grunde genommen auch die wohlgelungene Jus zur hervorragenden Challans-Entenbrust noch etwas mehr vertragen, die das saftig und zart auf den Punkt gebrachte Geflügel sehr harmonisch und in perfektem Maße reduziert, nur eben etwas akzentlos untermalte. Auf sehr gekonnte Art reduziert wurde auch dieser Hauptgang aufs Porzellan geschickt, nämlich ansonsten nur noch von einer länglichen Kartoffel-Galette begleitet, die jedoch mit orientalisch gewürzter Karottencreme, gepickeltem Radieschen, eingelegten Mini-Gemüsespitzen und Vogelmiere vielseitig appliziert war.
Ein tadelloses und auch raffiniertes Dessert war die mit weißer Schokolade umhüllte und mit Pistazienmousse gefüllte Praline, die mit einem Erdbeer-Hibiskus-Sorbet getoppt auf etwas Coulis von Erdbeere und Hibiskus in einem cremigen Ring aus dunkler Schokoladenganache daherkam. Einziger winzig kleiner Schönheitsfehler: die relativ dicke weiße Schokoladenhülle. Doch konnten diese Millimeter den Genuss ebenso wenig trüben wie unsere sonstigen kleinen konstruktiven Anmerkungen nicht der abermaligen Aufwertung auf mittlerweile verdiente 7 Pfannen im Wege gestanden haben.
In der Weinkarte findet man längst nicht nur die Rieslinge und Kerner des eigenen Weingutes, sondern auch viele fair kalkulierte Weine von Kollegen der Region und dazu manches von anderswo, jenseits der Grenze. Zum Beispiel aus der Champagne, wo Thierry Roussels Familie übrigens heute auch noch selbst Weinbergsfläche besitzt.
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