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Fotos: Kucher's Gourmet Restaurant

Kucher's Gourmet Restaurant

in Kucher's Genuss- und Businesshotel
Karl-Kaufmann Str. 2
54552 Darscheid
06592-629

aktualisiert: 07 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 120-186 €

Ein ambitioniertes Restaurant wie dieses kann man in der heutigen Zeit auf dem Lande wahrscheinlich oft nur noch so führen wie hier, indem der Chef – in diesem Fall Florian Kucher – auch selbst die Küche leitet. Dann kommt es auch nicht so sehr drauf an, ob unter der Woche nun 15 Gäste im Gastraum des Gourmetrestaurants sitzen, oder nur ein oder zwei Tische besetzt sind. Doch das Ganze rechnet sich vermutlich auch deshalb, weil man im gleichen Hause auch auf sehr gutem Niveau einfacher essen und zudem angenehm übernachten kann.

Die Weinkarte ist eine der am besten Sortiertesten in ganz Rheinland-Pfalz – aufgebaut über Jahrzehnte hinweg durch den Seniorchef, der an diesem Abend auch aufmerksam den Service verrichtete. Bis weit ins 19. Jahrhundert zurück kann man sich hier durchtrinken, sofern man das nötige Kleingeld mitbringt. Ländliche Superschnäppchen sollte allerdings niemand erwarten – auch beim Essen nicht: sieben Gänge für 186 Euro stehen zur Disposition, das entspricht mehr oder weniger dem, was ähnlich gute Restaurants auch in den Städten verlangen.

Allerdings bekommt man hier auch einiges für sein Geld. Vorneweg zum Beispiel einen Radieschen-Macaron mit Wasabi-Kaviar, eine tolle Kombination aus leichter Süße, dezenter Schärfe und vegetabiler Frische, oder eine knusprige Teigtasche mit Parmesancremefüllung sowie Karamell-Popcorn. Auch die selbstgebackenen Brötchen – etwa mit Speck – waren sehr positiv hervorzuheben; dazu Kalamata-Olivenöl und Butter. Der Spargelschaum auf gerösteter Brioche mit Wildkräutercreme und Imperialkaviar war als Amuse-bouche noch vor dem offiziellen ersten Gang eine der besten Kombinationen des Abends: Frische, Salzigkeit, eine raffinierte Knuspernote… Da fanden viele Eindrücke originell zusammen.

Auch dass der Sockeye-Wildlachs als Tatar in einem von Aperol geprägten Geleemantel ein Gericht von der Stange wäre, kann keiner behaupten! Orange trug weitere Fruchtigkeit in diesen Gang, Karotte war als Röllchen und Creme für fruchtige Erdigkeit zuständig. Man kann nun diskutieren, ob der Fisch von den Zutaten etwas überdeckt wurde oder nicht (wir finden: nur ganz leicht), aber dass sich dieser Gang sehr gut mit einem der unzähligen Moselweine der Karte vereinen lässt, steht unumwunden fest.

Bei der „Label Rouge“ Wachtel war wiederum einiges an Süße zu spüren. Sie ging nicht von dem perfekt gegarten Fleisch aus, sondern von den zweierlei Sorten oranger und violetter Süßkartoffelcreme. Die Gewürzmischung Baba Ganoush in einer halbierten gebackenen Aubergine und eine Sauce auf Basis von Mandelmilch fügten dem Gericht zudem herbwürzige und cremige Eindrücke hinzu. Handwerklich war das tadellos, aber die Beilagen mit ihrer Süße dominierten den Teller doch ein bisschen zu sehr.

Der Atlantik-Hummer geriet danach so gut, wie das abseits des Meeres maximal möglich ist, die confierten Scheren hatten noch leichten Biss, also eine perfekte Konsistenz, auch das Schwanzstück war reinaromatisch, saftig knackig. Erbsengremolata brachte dem hervorragenden Krustentier eine schöne, merklich pflanzliche Würze mit, die Zucchiniröllchen zeigten Frische, Joghurtcreme und Holundergel respektive Tupfer von Holundersauce spendierten eine sehr gut zum Hummer passende, hier nur dezente süße Note, die nach unserem Gusto lediglich mit den Zucchini konterkarierte.

Windspiel-Gin, ein preisgekröntes Produkt aus der Region, wurde schließlich als Granité serviert und mit einem Basilikumeis sowie Segmenten der Salzzitrone ergänzt. Süße und dezente Salzigkeit sowie Säure vereinten sich hier zu einem hochklassigen geeisten Zwischengang, wie ihn die meisten Köche längst aus ihren Menüs verbannt haben. Eine adäquate Erfrischung vor dem Eifelrind „Surf and Turf“ auf Kucher-Art, das als mit Korianderlack lasiertes Rinderfilet von exzellenter Güte in Kombination mit Ebi-Kaltwassergarnelen, einer Misopraline, Miso-Gel, Pak Choi und Rettichröllchen mit Enokipilzen aufgetischt wurde. Letztere hätte man auch weglassen können, aber Garnelen und Fleisch korrespondierten zwischen milder Umami-Würze und den herben vegetabilen Aromen von Senfkohl und Rettich prima, stahlen sich kein bisschen gegenseitig die Show.

Ein Lolli von Weinbergpfirsichsorbet mit einem Mantel aus weißer Schokolade und Ingwergel war als Überleitung ins Süße nicht nur süß, sondern auch frisch und fruchtig. Das Hauptdessert aus Erdbeere und Ivoire-Schokolade (Cannellono und cremiger Quader im Schokomantel) war noch mehr auf der süßen Seite angesiedelt, aber dank Erdbeersorbet und einer Reduktion aus Balsamico ebenfalls ausgewogen und stimmig.

Insgesamt eine durchaus spannende, sowohl regionalbetonte als auch weltläufige Küche, intensiv und kraftvoll, die zuletzt nur hier und da (und nicht nur bei den Desserts) aufgrund etwas zu viel Süße ein wenig aus der Balance geriet. Doch das nur als konstruktive Anmerkung, denn davon abgesehen machte das Menü auch diesmal wieder auf hohem Niveau sehr viel Spaß.

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