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| Mi-Sa ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Menüs: 120-186 € |
Das verkehrstechnisch günstig nah an der A1 und trotzdem ruhig und beschaulich am Orts- und Waldrand von Darscheid in der Eifel gelegene Genuss- & Businesshotel wird mittlerweile von Stefanie Becker und ihrem Bruder Florian Kucher in zweiter Generation geführt. Seit 1988 ist der Hotel- und Gastronomiebetrieb in Familienbesitz und die Eltern der beiden mischen auch noch fröhlich mit. Vater Martin Kucher leitet als passionierter Weinsammler und kundiger Sommelier den Service im Gourmetrestaurant, wo einem an jeder Wand die französischen Trophäen in Form geleerter Raritäten-Bouteillen oder abgelöster Etiketten schon vermuten lassen, dass hier auch noch viel Hochklassiges im Keller schlummert. Und der Blick in die mit Leidenschaft kuratierte Weinkarte schafft darüber Gewissheit.
Neben dem gastronomischen Prestigeobjekt gibt es mit „Kucher’s Weinwirtschaft“ auch noch ein engagiert bekochtes Landgasthaus, außerdem zeitgemäß eingerichtete Zimmer, Frühstücksraum, Saunabereich mit Freiluftterrasse, Weinlounge sowie Tagungs- und Veranstaltungsräume. Doch der Hauptanziehungspunkt für Gourmets ist das gediegen elegant eingerichtete und eben mit Weinflaschen- und Weinetiketten-Deko verziertes Abteil mit Glasfront zur Terrasse, wo man als Gast auf sehr bequemen Stühlen an sorgfältig eingedeckten Tischen sitzt und es mit einer klassisch französisch orientierten, aber auch sehr weltoffenen und kreativen Küche zu tun bekommt, die mittlerweile nur noch in Gestalt eines einzigen, von vier bis sieben Gängen offerierten Menüs zu haben ist.
Nach drei sehr kurzweiligen vegetarischen Kleinigkeiten vorneweg, einer Königinpastete mit Spargel und Parmesanschaum, einem raffinierten knusprig-schmelzigen Comté-„Doppelkeks“, gefüllt mit einer Lage Panna Cotta von rosa Pfeffer und Erdbeerchutney, sowie einem Bao-Bun mit Kimchi, Ingwer und Shiitake-Pilzen mit Teriyaki, startete das Menü in unserem Fall mit einer Ceviche-Interpretation von Gelblossenmakrele. Und die zeigte gleich mal eindrucksvoll, wie aufwendig, kleinteilig und variantenreich Florian Kucher mittlerweile auf manchen seiner Teller unterwegs ist. Der als zart säuregebeizte Tranchen und Tatar zubereitete Hiramasa-Kingfisch war umgeben von verschiedenen Spielarten aus grünem Apfel und Gurke wie Creme, Sud, mariniert, als Tapioka oder Sorbet, die zunächst sehr fruchtig und süß wirkten, aber schnell von gut entgegensteuernder Säure und sehr angenehmer grüner, von Jalapeno herrührender Schärfe ausbalanciert wurde.
Dass der kreative Chef auch seinen Sinn für zupackende, im besten Sinne plakative, farben- und aromenfrohe Kreationen nicht verloren hat, das verdeutlichte der mehrere Stunden sous-vide gegarte, dann knackig angegrillte und schließlich mit Tandoorisauce lackierte Nacken eines Joselito-Ibericoschweins, der mit verschiedenen Zubereitungsarten von Mais und Erdnuss umgeben war, unter anderem fluffiger Erdnuss-Polenta. Auch hier eigentlich wieder prominent viel Süße, die aber durch geräucherte und gesalzene Erdnüsse, den auch Gänseschnabel-Paprika genannten milden Biquinho-Chilis und den herzhaften Lack am Fleisch so konterkariert wurde, dass unterm Strich auch hier ein ausgewogenes Geschmacksbild stand.
Und das hatte zu hundert Prozent auch das Duett von Kaisergranat und Pulpo zu bieten, die außerdem beide von sehr guter Qualität waren, vor allem das zart knackige Krustentier. Hier kam Blumenkohl in verschiedenen Varianten als Mitspieler hinzu, alles so zubereitet und proportioniert, dass den maritimen Hauptdarstellern die Bühne überlassen wurde. Für die aromatische Prägung des Zwischengerichts war nicht nur das als länglicher Streifen über den Teller gelegte Bouillabaisse-Gelee verantwortlich, auf dem alle anderen Komponenten angerichtet waren, sondern auch eine mit Curry aromatisierte Mayonnaise. Ein dunkler Tomatenschaum brachte auch noch ein gewisses Maß an Süffigkeit und Umami ins Spiel, so dass sich auch hier alles zu einem gut ineinandergreifenden und sich gegenseitig gewinnbringend ergänzenden Ensemble summierte. Wenngleich man darüber diskutieren kann, ob die als relativ fester Geleestreifen etwas verhalten aromatische und haptisch spröde Bouillabaisse nicht in flüssiger Form attraktiver gewesen wäre…
Den wahrscheinlich stärksten Gang, den wir in all den Jahren, in denen wir das Gourmetrestaurant in Kuchers Landhotel nun schon besuchen, bis dato serviert bekommen haben, folgte aber mit dem Hauptgericht, das sich um die Leitprodukte Taube, Pistazie, Rote Bete und Radicchio drehte. Von der „Les Charmilles“-Premiumtaube gab es die sehr zarte und eigenaromatische Brust als eine Art Crépinette-Roulade mit einem Mantel aus Pistazienfarce und das Taubenklein als Füllung kleiner Rote-Bete-Täschchen in Form von Dim-Sum. Die Pistazie fand zudem ziemlich ausdrucksstark auch in einem fast schon marzipanartig nussig schmeckenden Baumkuchen-Stück statt, aber auch als Ölaugen in der mit Radicchiosaft reduzierten Jus. Bete und Radicchio vermählten sich zudem in einer Creme und eine Mini-Bete, sowie Kresse von Roter Bete und etwas marinierter Radicchio waren ebenfalls auf dem hübsch in ausschließlich Grün und Rot angerichteten Teller zu finden. Einzig die markanten Aromen des Bittersalats hätten nach unserem Gusto ruhig noch deutlicher herausgearbeitet werden können und mit mehr Bitterkeit auch noch wohlkalkulierte Ecken und Kanten ins Spiel bringen können – zum Beispiel in geschmorter Form. Doch auch so war das ein starker Menühöhepunkt!
Das Dessert allerdings zeigte, wo noch viel Potenzial zur Verbesserung liegt. Denn der hier als Kindheitserinnerung und Hommage an das beliebte „Solero“-Eis kreierte Nachtisch offenbarte als Savarin aus sehr hartem Vanilleparfait mit Pfirsichkern und einer sich uncharmant zäh und klebrig ziehenden Pfirsichglasur handwerkliche Schwächen – und bewegte sich trotz gefälliger Optik und gutem Geschmack unterhalb der 6-Pfannen-Marke.
Doch insgesamt, auch mit dem Ausreißer nach oben beim Hauptgang, war der Gesamteindruck wieder ausgesprochen positiv. Und sehr positiv erwähnt werden kann auch, dass der Senior-Chef trotz ausgeprägter Wein-Affinität auch ein Herz für die alkoholfreie Getränkebegleitung hat und spannende nullprozentige Mischgetränke wie Kombucha mit Karotte, Limette und Currykraut oder Tomatensaft mit Rooibusch-Tee kreiert, die auch viel Spaß machen.
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