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| Di ab 18 Uhr, Mi-So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 28-39 €, Menüs: 57-95 € |
Das Hotel Johanniter-Kreuz liegt nicht direkt am Bodensee, sondern idyllisch im Hinterland im Überlinger Ortsteil Andelshofen. Der Name erklärt sich dadurch, dass es sich im Kern um ein ehemaliges Gehöft aus dem 16. Jahrhundert handelt, mit einer Taverne, die Durchreisenden als Raststätte diente und dem Johanniter-Orden zugeordnet war. In manchen Teilen des heutigen Romantik-Hotels sieht und spürt man immer noch den historischen Charme, auch im À-la-Carte-Restaurant zwischen Fachwerk und Kamin. Und doch präsentiert sich das Johanniter-Kreuz mit lichtem Wintergarten und lauschiger Terrasse zugleich als moderner und stylisher Rückzugsort.
Seit vielen Jahren wird das Haus in vierter Generation von Andreas Liebich geführt, der eine regionale Wohlfühlküche mit internationalen Gourmetexkursionen etabliert hat. Dass hier die Tradition gepflegt wird, merkt man nicht nur an der „Regionalen Schmankerl“-Karte mit Salatvariation „aus dem Fischernetz“, Bauernvesper oder sauren Kutteln mit Brot, sondern auch an der obligatorischen Etagere, aus der unter Brot, Butter, Schmalz und Apéros bei unserem Start in den Abend besonders die Speck-Quiche hervorstach. Der enorm saftige Würfel unterstrich, wie sehr hier Wert auf solides Handwerk und herzhaften Geschmack gelegt wird. Auf der Hauptkarte dürfen Klassiker wie Bodenseehechtfilet und Wiener Schnitzel vom Milchkalbrücken nicht fehlen. Die modernsten und arriviertesten Gerichte aber, die sich auch einzeln und zum Teil als kleine Portion ordern lassen, findet man in den beiden Menüs.
Aus dem „Romantik Menü“ überraschte das Mosaik vom Kalb und Thuna schon mit seiner Optik. In Carpaccio-Art waren hauchdünne Scheiben von Fisch und Fleisch zu einem großflächigen Quadrat angeordnet, umrandet von einer Limonen-Crème-fraîche, die in Kombination mit Pistaziensplittern für süß-sauren Schwung sorgte. Kresse, ein halbierter Kapernapfel und ein Cremeklecks in der Mitte des Quadrats gaben zusätzlich einen attraktiven Push.
Die Vorspeise aus dem vegetarischen Menü überzeugte ebenso optisch wie geschmacklich – und doch fehlte uns in der cremigen Angelegenheit festere Textur, die das Gericht mit seinen ausgeprägten Aromen besser hätte zusammenhalten können. In der Mitte des tiefen Tellers thronte eine sehr fluffige Kugel Büffel-Burrata, drumherum gab es Grapefruit als Filets und Gel sowie große Kleckse einer sehr würzigen, aber eben auch fettigen Remoulade. Im Zusammenspiel mit der bitteren Säure sowie grünen Pfefferkörnern als Schärfekick funktionierte das zwar gut, hinterließ aber auf Dauer ein diffuses Gefühl im Gaumen.
Aus der klassischen Abteilung à la carte gefielen die mürben Hirschkalbmedaillons mit stark gebrannter Walnusskruste. Eine dunkle Jus und Pfifferlinge setzten erdige Kontraste zu den süßen Tönen einer geschmorten Pfirsichhälfte mit vielen Preiselbeeren. Für einen auch habhaften Ausgleich sorgten handgerollte Mohn-Schupfnudeln.
Eine mediterrane Ausrichtung hatte das Fischgericht aus dem Menü: Kompakt angerichtet waren eine röstwürzig gebratene Rotbarbe sowie Artischocken- und geröstete Pulpostücke in einer leicht sämigen Hummersauce – und brachten viel Geschmackstiefe auf den Teller. Nach strengen „Gourmetmaßstäben“ wäre das Spaghettini-Nest vielleicht verzichtbar gewesen – andererseits gab es (mutmaßlich mit geschmolzenem Parmesan) noch einmal herzhaftes Wohlgefühl dazu.
Das Dessert hatte mit seinen Blaubeeren in Variationen zu schwarzem Sesameis eine hübsche Optik in violetten Farbtönen zu bieten. Krachigen Crunch gab es durch große Honig-Sesam-Hippen, dazu erneut Pistaziensplitter und ein paar frisch-ätherische Impulse durch Minze in einer ansonsten recht fruchtig-süßen Verdichtung.
Die Weinkarte bietet zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis glasweise und als Flaschen viel Lohnenswertes vom Bodensee, öffnet sich aber auch für renommierte Weine aus dem europäischen Raum. Keine Frage: Das Johanniter-Kreuz ist und bleibt eine herausragende Adresse für Gäste, die etwas abseits vom Rummel am See den einen oder anderen schönen Abend genießen möchten.
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