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Fotos: Hygge

Hygge

im Hotel Landhaus Flottbek
Baron-Voght-Str. 179
22607 Hamburg
040-82274160

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Täglich ab 16 Uhr, kein Ruhetag
Hauptgerichte: 26-48 €,
Menüs: 45-96 €

Das zum Landhaus Flottbeck in der beschaulichen Peripherie des Hamburger Westens gehörende Hygge präsentiert sich auf einer großzügigen Gesamtfläche mit langer Bar und lässigem Loungebereich als unkompliziertes Nachbarschaftslokal. Eines mit sehr zugänglichem kulinarischem Programm, aber mit hohem Eigenanspruch. Was in den programmatisch hyggelig eingerichteten ehemaligen Stallungen des früheren landwirtschaftlichen Gehöfts an sieben Tagen in der Woche ab 16 Uhr von Küchenchef Thomas Nerlich und seinem Team im Rahmen einer umfangreichen, aber auch nicht zu großen Speisekartenauswahl geboten wird, ist unkomplizierte Feinschmeckerküche auf beachtlichem Niveau.  

Dass die Kreationen oft nicht so aufwendig gebastelt und detailgenau daherkommen wie in anderen, ähnlich hoch bewerteten Restaurants, welche dann aber meist nur an wenigen Abenden in der Woche ein einziges Menü ohne Auswahlmöglichkeit anbieten, tut der Sache keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil, denn dieses „uninszenierte“, entspannte Konzept, das dem Gast maximale Freiräume lässt und ihn trotzdem anspruchsvoll bewirtet, ist in unseren Augen deutlich attraktiver als das fünfhundertste Fine-Dining-Kammerspiel mit Copy-and-Paste-Küche vom Reißbrett für den Michelinstern.

Man kann hier, wenn man mehr als zwei oder drei Sachen essen will und schlankere Portionen wünscht, ebenfalls einer Menüempfehlung folgen, die in vier oder fünf Gängen angeboten wird und optional auch eine Weinbegleitung umfasst. Man kann aber auch munter und quer durch die Karte à la carte bestellen: die Karte ist nicht nach Vorspeisen und Hauptgerichten sortiert, sondern nach Kategorien wie „Aus dem Wasser“, „Fleisch“ oder „Farm & Acker“, unter denen dann sehr viele Gerichte auch in klein oder groß angebotenen werden. Mehr Freiheit und Flexibilität kann man sich als Gast kaum wünschen.

Und das zahlt sich aus. Sowohl für die Betreiber, denn das Hygge ist selbst unter der Woche und am späten Nachmittag stets gut besucht, aber auch für die Gäste, denn die Speisekarte ist hier so animierend, dass es schwerfällt, sich auf weniges zu fokussieren. Nach sehr gutem Sauerteigbrot und gesalzener Butter starteten wir zuletzt mit in Saft von Roter Bete gebeiztem Loch Duart Lachs, der in zwar knalligem Dunkelrot aber aromatisch wunderbar klar und frisch als fingerdicke Tranchen auf dem Teller lag. Und zwar getoppt mit knackigem Forellenkaviar und umgeben von einem „Tatar“ von Fenchel und Gurke, süßlich-fruchtig aufgelockert von Birnenscheiben und krautig-ätherisch akzentuiert von Fenchelgrün. Kein Hokuspokus, schnörkellos gegenständliche Produktküche von makelloser Art.

Und das waren im Grunde auch die qualitativ überdurchschnittlichen gebratenen kanadischen Jakobsmuscheln, die schön festfleischig und nussig auf einem zwar perfekt beschaffenen, aber aromatisch etwas undefinierten Muschelrisotto thronten. Dekoriert mit alles andere als bloß dekorativem Fenchel – dünn gehobelt, mariniert, knackig – und frischem Dill, der zwar geschmacklich alles sehr gut ergänzte, aber als recht langes Gestrüpp unnötig grob daherkam. Das hätte man auch ohne Pinzette und Tupfer ein bisschen feinsinniger umsetzten können. Und im Grunde sind es meist auch nur Feinheiten, die der Küche des Hygge zu einer höheren Bewertung fehlen. Am Beispiel der Spargelcremesuppe mit Nussbutterbröseln und Onsenei war das etwa der arg sahnemilde Geschmack des schaumig aufgemixten Süppchens und der nicht ganz optimale, partiell noch recht flüssige Garzustand vom Eiweiß.

Besonders lieben wir die Hygge-Küche für solche unkonventionellen Schmankerl wie den gerösteten Kalbsmarkknochen, der mit Kalbskopfwürfeln und kleinen Bries-Stücken sowie Morcheln, Erbsen und Erbsencreme köstlich beladen auf einem Holzbrett aufgetischt wurde. Und hier passte dann auch die sonst nicht nur inflationär, sondern auch völlig beliebig eingesetzte Afillakresse mal richtig gut, die den knackigen und cremigen Erbsen noch eine weitere, frischere Facette zuspielte.

Wir lieben die Küche des Hygge aber auch für solche Hauptgerichte für zwei und mehr Personen wie zuletzt das in einem großen eisernen Bräter auf viel Schmorsud mit Röstgemüse servierte Ossobuco vom Wiesenkalb. Begleitet von à part im Schälchen aufgetragenem Zitronenrisotto und Parmesantagliatelle hatte die zart und saftig fast von selbst vom Markknochen fallende Spezialität der lombardischen Küche nur den einen Schönheitsfehler, dass die darüber verteilte Gremolata wohl auch eine ganze Zeitlang im Ofen verbracht hatte, wo sie entsprechend trocken wurde und ihre aromatische Wirkung damit verpufft war.

Wer sich mit seinen Mitstreitern am Tisch nicht auf ein solches gemeinsames Gericht einigen kann, hat mit original Wiener Schnitzel nebst Bratkartoffeln, Rahmgurkensalat und Preiselbeeren oder rosa gebratenem Maibockrücken mit Rhabarberjus, Sellerie und Kartoffel-Speckstrudel veritable Alternativen. Auch Fischgerichte wie die in Kräutern gebratenen Steinbeißerbäckchen mit Kräuterpesto, Tomatenjus und gelbem Tomatensugo oder ansprechende vegetarische Optionen.

Und wer nach einer opulenten Bestellung so gesättigt ist, dass selbst Vanille-Crème-Brûlée mit frischen Erdbeeren und Erdbeersorbet oder Milcheis mit Cookiecrumbles und Salzkaramell keine Option mehr darstellen, kann sich auch nur eine Nocke hausgemachtes Eis oder Sorbet gönnen. Wer auch zum Schluss noch was Herzhaftes mag, kann mit Allgäuer Alpkäse „UrEiche“ des hervorragenden Produzenten Jamei Laibspeis aus Kempten glücklich werden.

Dass mit Lennart Wenk ein kompetenter und sehr erfahrener Sommelier das attraktive, international sortierte Weinangebot kuratiert, ist ein weiterer Pluspunkt für dieses sympathische Gasthaus. Dass es trotzdem auch gute alkoholfreie Alternativen gibt und die Preise von Speis und Trank moderat sind, gleich noch einer.

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