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| Di ab 18 Uhr, Mi-Sa von 12.30-15.30 Uhr u. ab 18 Uhr, So von 12-13.30 Uhr, Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 27-46 €, Menüs: 48-127 € |
Die von Kunst und Stil geprägte Auberge de Temple mit ihrem nach der Gastgeberfamilie Helbig benannten Gasthaus und den ebenso individuell wie geschmackvoll gestalteten Hotelzimmern, ist seit Jahren eine zuverlässige Anlaufstation für Feinschmecker. Und zwar für solche, die für den kulinarischen Genuss nicht die große Inszenierung brauchen, und die beim Essengehen die Freiheit schätzen, das bestellen zu können, auf was man Lust hat.
So gibt’s hier – aber eben längst nicht nur! – ein besonders ambitioniertes Genuss-Menü, das man in drei bis sechs Gängen bekommt, daneben ein geringfügig bodenständiger und einfacher gehaltenes Gasthaus-Menü, sowie eine viergängige vegetarische Speisefolge. Zudem aber eben auch eine gute Auswahl an Einzelgerichten à la carte, die von Dingen wie Lachstatar mit Togarashi, Blumenkohlsalat, Teriyaki-Sauce und Shisokresse als Vorspeise bis zum Loup de mer auf Graupenrisotto mit gebratenem Romana-Salat und Zitronen-Beurre-Blanc als möglicher Hauptgang, ebenfalls einfallsreich und ambitioniert daherkommen.
Ludger Helbigs Faible für exotische Gewürze, der aus seiner prägenden Zeit bei Ingo Holland (Altes Rentamt und Altes Gewürzamt) herrührt und quasi das Markenzeichen seiner Küche ist, war zuletzt schon bei den pikant eingelegten Oliven zu schmecken, die es zusammen mit einem ebenfalls recht würzigen Quark zum Kartoffel-Krustenbrot gab. Dass er die Gewürzvielfalt sehr überlegt und keinesfalls plakativ einsetzt, konnte man hier auch schon erahnen. Und es wurde unterstrichen durch den orientalisch-warmwürzig aromatisierten Joghurt, der im Folgenden einer saftig-zarten, wohltemperiert auf den Teller gebrachten Geflügelterrine mit Falafel und Zuckerschotensalat prononciert das gewisse Etwas gab.
Auch die Tranchen des dunkelfleischigen, ringsum kurz und scharf angebratenen Yellow Fin Thunfischs, der mit ein paar Rübchen-Segmenten, Physalis, einigen Cremetupfen auf Mayo-Basis und Sesam-Buchweizenhippen ansonsten relativ schlicht arrangiert war, hatten einen besonderen Twist: Kaffee-Curry! Eine (ebenfalls vom Alten Gewürzamt) assemblierte Mischung aus geröstetem Kaffee und typischer Curry-Aromenvielfalt, die sowohl der spicy Vinaigrette als auch der Mayonnaise ihren Kick gaben. Nicht zu viel, aber eben auch nicht zu wenig!
Ein ausgewogenes Vergnügen war zudem das sehr vorsichtig mit verschiedenen markanten Gewürzen wie Kreuzkümmel betonte Linsen-Schaumsüppchen, in dem neben zusätzlichen Le Puy Linsen ein paar ebenso subtil mit Harissa angezündete Pulpo-Scheiben angerichtet waren. Letztere von ausgesprochener Zartheit und dennoch mit schönem Biss, also in einer Idealform, wie man die Tentakel des Kraken gar nicht so oft bekommt.
Der vielleicht klassischste Gang des letzten Genussmenüs war die frühsommerliche Melange aus weißem und grünem Spargel sowie frischen knackigen Erbsen, Zuckerschoten und Cashewkernen, mit dünnen Nudelblättern als offener Raviolo geschichtet und mit Parmesanschaum ebenso schmelzig wie feinaromatisch voluminiert. Wobei auch hier ein Hauch von roter pikanter Würze, die punktuell in den Tellerboden gestrichen war, die DNA der Küche aufblitzen ließ.
Als der beste, weil interessanteste und vielschichtigste Gang des Menüs, stach das Hauptgericht hervor. Es drehte sich um qualitativ sehr gute, in mehrfacher Hinsicht perfekt auf den Punkt gebrachte Taubenbrust in Kombination mit Baumkuchen, Rhabarber, Schwarzem Knoblauch und Granatapfelkernen. Letztere gingen eine mit Säure, Frucht, Süße und Würze sehr gut ausbalancierte dynamisch kontrastreiche Verbindung ein, die von einer maßgenau reduzierten Taubenjus kraftvoll und tief grundiert wurde. Damit bewegte sich die Küche dann schon eher am oberen Ende des 7-Pfannen-Levels.
Überdurchschnittlich gut waren auch die vielseitigen Komponenten der floral schmeckenden 65%igen ecuadorianischen „Esmeralda“-Schokolade, die hier als sehr saftiger und lockerer Biskuit, als glattschmelziges Sorbet, als Mousse, als Ganache und gebackene Stückchen aufgeboten waren. Hier empfanden wir einzig und allein die bunte Vielfalt an Frucht- und Beeren-Komponenten (Erdbeere, Passionsfrucht, Blaubeere, Brombeere…) ein ganz klein wenig kontraproduktiv. Das hätte man mit mehr Fokus auf nur eine Sorte oder Aromenfarbe, eventuell um eine kräuterwürzige oder ätherische Facette ergänzt, noch etwas pointierter gestalten können. Aber auch so war das ein eindrucksvoller Abschluss, der die Schokolade in vielen sehr gut umgesetzten Facetten in den Mittelpunkt stellte.
Ins Glas gibt’s auf Wunsch sehr gut ausgesuchte Weine zu jedem Gang, wie beispielsweise die Cuvée „Anna“ vom Weingut Seeger zur Taube. Aber auch verschiedenartige spannende alkoholfreie Getränke, die weit über die Palette der derzeit omnipräsenten Manufaktur Jörg Geiger hinausreichen.
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