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Fotos: Helbigs Gasthaus

Helbigs Gasthaus

im Hotel Auberge de Temple
Hauptstr. 2
63867 Johannesberg
06021-4548300

aktualisiert: 06 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa von 12-13.30 Uhr u. ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 27-46 €, Menüs: 48-127 €

„Genuss, Kunst und Kultur in der Auberge de Temple“ – das ist schon seit der aufwändigen Grundsanierung des im Ortskern gelegenen Hauses im Jahr 2012 das von Patron Günther de Temple stetig verfolgte Credo. Folglich bringen die mit großformatigen Kunstwerken akzentuierten Gasträume genauso weltläufigen Flair ins beschauliche Örtchen am Rande des Spessarts, wie die regelmäßig stattfindenden künstlerischen und kulinarischen Events, die mittlerweile kulturelle Fixpunkte in der Region sind.

In dieser inspirierenden Umgebung fühlen sich nun auch schon seit neun Jahren Gastgeberin Nicole Helbig und Küchenchef Ludger Helbig erkennbar wohl. Die schon vor einigen Jahren getroffene Entscheidung, die strikte Trennung von Gourmet- und Gasthausabteilung aufzuheben, lieferte da naturgemäß nicht nur räumliche, sondern auch konzeptionelle Konsequenzen – sorgte aber insgesamt für noch mehr Akzeptanz seitens der Gäste, die nun eben gerne auch einmal den ein oder anderen Gang aus dem Gourmetprogramm ordern, ohne sich gleich der ganz großen kulinarischen Oper widmen zu müssen. Denn auch wenn man in bester gutbürgerlicher Tradition selbstverständlich Klassiker wie ein Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln und Gurkensalat in verfeinerter Variation bekommen kann, ist das Helbig’sche Tableau in Summe international-weitläufiger und vor allem im bis zu sechsgängigen Genussmenü anspruchsvoller und hochwertiger bestückt.

Auch wenn Ludger Helbig im Gegensatz zu seiner Anfangszeit gerade mit den Gewürzen seines kürzlich überraschend verstorbenen Mentors Ingo Holland nicht mehr ganz so mutig ans Werk geht, sind es dennoch ganz klar die Kreationen eines mit den Jahren gereiften Cuisiniers, der seine Wurzeln in der französischen Küche nicht verleugnen will und punktuell immer noch gerne (nur eben behutsamer!) orientalisch-exotisch akzentuiert. So zum Beispiel schon zu Beginn mit einer von geräucherter Paprika angespitzten Creme zum hausgebackenen, rösch-krustigen Kartoffelbrot oder umamiwürziger Miso-Mayonnaise zum gebeizten Lachs, der nebst leicht knackigem Linsensalat heuer rundum stimmig das Genussmenü einläutete.

Dieses begann dann mit der ersten Vorspeise allerdings unerwartet unrund, da zu qualitativ guten, schön bissfesten Langustenschwänzen das Begleitprogramm nicht ganz ausgewogen geriet. Kam die einfassende Kopfsalatcreme noch schön „grün“ und mit cremigem Mouthfeeling daher, wäre ein intensiverer Kontrast zur plakativ laktischen Buttermilch-Vinaigrette wünschenswert gewesen. Vielleicht schon durch den annoncierten gerösteten Mohn, der aber nur optisch, aromatisch aber kaum wahrnehmbar blieb und auch das eindimensional süße und wenig fruchtsäuerliche Podest aus Granny Smith Apfel, auf dem das Ganze ruhte, rundete letztlich eher eckig und kantig ab.

Ebenfalls nicht auf dem gewohnten Niveau bewegte sich die zwar perfekt auf den Punkt gebrachte, gekonnt colorierte Steinbutt-Tranche, die aber, wie auch alle anderen Komponenten des Tellers, fast schon puristisch ohne jede inhaltliche Erweiterung in Szene gesetzt wurde. Denn sowohl praktisch ungewürzter und dadurch sehr blasser sautierter Blattspinat ließ den erhofften aromatischen Akzent vermissen als auch der ausdruckslose Austernschaum oder die bloße Textur liefernden und ansonsten geschmacksneutralen Dinkelkörner, die in der recht säurestraffen aufgeschäumten Beurre blanc eine Randnotiz blieben. Das ist „nah“ am jeweiligen Produkt, könnte man sagen, aber eben ganz ohne die markanten Akzente mit kulinarischem Mehrwert, die wir hier in den Vorjahren eigentlich immer notieren durften.

Und genau die setzte Ludger Helbig dann aber als prompten Gegenbeweis in den Hauptgängen rund um Kalb und Kaninchen, von denen jeder für sich zeigte, dass der diesmal etwas schwächere Eindruck nur der Momentaufnahme geschuldet sein wird und der Chef natürlich nichts verlernt hat. Schon die zart geschmorte Kaninchenkeule im Gasthausmenü, die mit feinem Aroma glänzen durfte und mit cremiger, nur dezent knofeliger Bärlauchpolenta, leicht bissfestem Kohlrabi, Frühlingszwiebeln, Beurre blanc sowie perfekt reduzierter Jus durchaus auch im Gourmetabteil hätte Platz nehmen können, lieferte den Beweis, dass das Team selbstverständlich weiterhin auf hohem Niveau kochen kann. Auch das Kalbsgericht mit à point gebratenem Filet und gebackenem zartem Bries unter knuspriger Panierung unterstrichen dies deutlich. Die mit bitter-scharfem Kaffeecurry keck angespitzten blanchierten Blumenkohlröschen, die neben einer Blumenkohlcreme den Gemüsepart übernahmen, ließen den Helbig’schen Sinn für Würze und Kontrast klar erkennen und auch der Crunch von Piemonteser Haselnüssen sowie die waldig-erdigen, schön eigenaromatischen Buchenpilze fügten sich sehr stimmig ins Gesamtbild.

Die Rhabarbervariation „Auberge style“ stellte im Abschluss unverblümt den Charakter der natursauren Stängel in den Vordergrund und brachte ihn aber nuanciert auf den Punkt. Vor allem die Abstufung der Säuregrade bei Flan, Sorbet und Creme sowie das perfekt ausgependelte Verhältnis von Säure und Alkohol in dem am Tisch angegossenen, mit Limette aromatisierten Sekt-Sud, brachten schnörkellosen Genuss ohne Verrenkungen und sorgten für einen gelungenen Abschluss.

Eine feste Größe ist weiterhin Gastgeberin Nicole Helbig, die die kleine Servicebrigade souverän anführt und auch in Sachen Wein eine kompetente Ansprechpartnerin ist. Vor allem die ein oder andere persönliche Empfehlung aus der schwerpunktmäßig mit deutschen Tropfen bestückten Karte führt zu Genuss auch abseits des Mainstreams.

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