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| Mi-Sa 11.30-14.30 Uhr u. ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 18-45 €, Menüs: 99 € |
Der Goldene Stern im bayrisch-schwäbischen Rohrbach, was im Wittelsbacher Land und mit dem Auto etwa eine Viertelstunde östlich von Augsburg liegt, ist ein Musterbeispiel dafür, wie anspruchsvoll und gleichzeitig zugänglich ein Landgasthof heute sein kann. Und wie zeitgemäße Gastronomie auch jenseits der Zentren erfolgreich funktioniert: das Lokal ist grundsätzlich sehr lang im Voraus ausgebucht! Denn in dessen geschmackvoll modernisierten und atmosphärisch verjüngten, aber immer noch sehr gemütlich, ländlich und traditionell wirkenden Gasträumen wird ein breitgefächertes Publikum mit unterschiedlichsten gastronomischen und kulinarischen Wünschen adäquat bedient. So können hier vom unkomplizierten Mittagstisch mit ofenfrischem Schweinebraten (vom Steinacher Stroh-Wellness-Schwein!) mit Kartoffelknödel und Spitzkrautsalat bis zum bodenständigen Fine-Dining mit dem voll gourmettauglichen „Heimkost-Menü“ sehr viele Gastbedürfnisse erfüllt werden.
Und zwar in allen Bereichen auf überdurchschnittlich hohem Niveau, wenngleich die neuerdings 7 Pfannen als Bewertung schon in erster Linie im Menü wiederzufinden sind, während viele der à la carte angebotenen Gerichte eher eine halbe bis ganze Pfanne darunter angesiedelt sind – was aber natürlich immer noch mehr als bemerkenswert ist. Dass wir hier dennoch keine Mischkalkulation veranstalten, sondern für die Bewertung ausschließlich das (mittlerweile immer verfügbare!) Gourmetmenü heranziehen, ist Ehrensache. Denn entgegen den Gepflogenheiten vieler anderer Guides, die solche niedrigschwelligen Konzepte, bei denen ganz selbstverständlich Bodenständiges neben Exklusivem angeboten wird, offenbar als zu wenig elitär oder gourmetspezialisiert erachten, spielt das für uns keine Rolle. Außerdem: in den meisten dezidierten Fine-Dining-Lokalen gibt es heute auch nur ein einheitliches Menü, das für die Bewertung herangezogen werden kann. Somit ist es nur konsequent, das in solchen Fällen auch so zu machen…
Doch zurück zum Goldenen Stern, bei dem das in allen Genres durchgängig hohe Niveau einerseits daraus resultiert, dass Inhaber und Küchenchef Stefan Fuß sehr viel Wert auf Produktqualität legt und mit seinen meist regionalen Partnern seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet – andererseits wird Traditionelles aus der bodenständigen Ecke wie beispielsweise das schon legendäre Böfflamot vom „Wittelsbacher Ox“ der Hofmetzgerei Ottillinger mit kaltgerührten Preiselbeeren, Creme von geröstetem Knollensellerie, glasiertem Gemüse und Brezenknödel mit derselben Sorgfalt und Expertise zubereitet wird wie die Kreationen aus der Sparte „Neo-Gasthaus“.
Da gibt’s dann zum Beispiel Dinge wie ein Duett von gegrilltem Saiblingsfilet und Tintenfisch mit wildem Brokkoli, Micro-Erbsen und Erbsencreme, Fregola Sarda mit eingelegten Tomaten und Beurre blanc. Was bei den Gängen vom Menü mittlerweile sehr gut gelingt, ist bei manchen der à la carte angebotenen Gerichte aus dem kreativeren Bereich noch klein wenig der Knackpunkt: die Teller können konzeptionell etwas überladen und unübersichtlich wirken, weil darauf zu viele Komponenten zusammenkommen. Da wäre dann weniger oft noch ein bisschen mehr.
Beim Menü verhält sich das automatisch anders, weil da erstens die Portionen viel kleiner sind und der Chef und sein Team durch die Anzahl der Gänge und den Kleinigkeiten vorweg dem Gast automatisch eine höhere Bandbreite an Eindrücken zuteilwerden lassen und zeigen können, was sie auf der Pfanne haben. Und das ist eine ganze Menge! Und das Schönste: nichts wirkt überambitioniert oder fehl am Platz, alles passt sehr gut hierher. Mit viel Regionalkolorit und Augenzwinkern wurde letztes Mal beispielsweise zum Start des Menüs erst mal souverän der Übergang zwischen Landgasthof und Fine Dining glattgezogen und mit à la Carbonara zubereiteten Kässpatzen in der Eierschale sowie einer delikaten „Brotzeit“ aus selbsthergestellten Wurst- und Schinkenspezialitäten, säuerlich eingelegtem Gemüse und aufgeschlagener Butter mit Kernöl zu weit überdurchschnittlichem Sauerteigbrot herzhaft Bodenständiges in stark verfeinerter Fassung aufgetischt.
Ein zartkrosser Riegel von geröstetem Walnussbrot mit cremigem Topping von Stör, Nüssen, Senfsaat und frisch geriebenem Meerrettich repräsentierte ebenfalls herzhafte Regionalika in eleganter Ausführung, während ein kleines Bao Bun, gefüllt mit Garnele, mariniertem Fenchel und Sesammayonnaise, die weltläufige Seite der Küche demonstrierte. Wie souverän Stefan Fuß und sein Team auch in anderen Aromenwelten als den heimischen unterwegs sind, bewies auch der zur Vorspeise so ein bisschen à la Ceviche zubereitete Waller, der in größeren, wunderbar reinaromatischen, festfleischigen Würfeln seine Qualität und Frische voll ausspielen durfte. Und zwar zusammen mit Minigurken, Tropfenpaprika, eingelegten roten Zwiebeln und jodig-mineralischer „Plankton-Mayonnaise“ in einer überraschend ausgewogenen Tigermilk, was eine sehr attraktive, leicht und frisch aber doch auch vollmundig schmeckende Vorspeise abgab.
Zupackendes in eleganter Ausführung präsentierte dann wieder die rosasaftigen Scheiben vom Brisket, also gesmokter Kalbsbrust, die zusammen mit kleinen Stücken von Senffrüchten, dünnstrefig geschnittenem knackigem Spitzkohl und krossen Kartoffelcroutons auf einer moussigen Creme von Bratkartoffeln angerichtet waren. Aber auch der als „Eichelfest“ annoncierte Hauptgang rund um ein prächtiges Stielkotelett vom eichelgemästeten iberischen Schwein aus heimischer Zucht, das mit à la Pastrami gepökeltem und geräuchertem Knollensellerie, kleinen, festen, aromatischen Pfifferlingen und sautierten Radieschen kombiniert wurde. Ein kleines Highlight war die à part dazu servierte cremige Polenta mit Ochsenmark-Semmelbröseln und schmelzigen Hartkäse-Flocken. Auflockernden Ausgleich zum würzigen Grundton des Gerichts brachten nicht nur im Umeboshi-Stil eingelegte Pflaumen, sondern auch die ganz hervorragende Sauce, eine eher helle Jus mit eleganter alkoholischer Note (Sherry?) und gut eingebundener Säure. Vor allem diese sehr komplexe, tiefenscharfe Sauce zeigte, wie sich die Küche im Laufe der Jahre nochmal weiterentwickelt hat.
Als kleine Erfrischung vor dem eigentlichen Dessert etwas überdimensioniert war das fruchtige Intermezzo mit Sorbet und auf der Kakigōri-Maschine frisch am Tisch vom Eisblock geschabten Grantité, während der eigentliche Nachtisch rund um Kokoseis und Baiser, Karamell und Brombeere mit eingelegten Beeren und Coulis, saftigen Kuchenbrocken sowie dünnen Plättchen aus Kürbiskernöl-Schokolade mit Kürbiskernen wieder ein perfekt proportionierter Beitrag war. Einer, der das letzte schlagende Argument für die Aufwertung auf 7 Pfannen gab!
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