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| Mo-Fr von 12-14 Uhr u. ab 19 Uhr, Sa u. So Ruhetag |
| Hauptgerichte: 58-96 €, Menüs: 77-315 € |
Das elegante Restaurant im luftigen Glaspavillon auf dem Dach des Mandala Hotels am Potsdamer Platz darf in diesem Jahr bereits seinen 25. Geburtstag feiern, was in dieser Klasse ohnehin eine halbe Ewigkeit ist und umso bemerkenswerter wirkt, wenn man bedenkt, dass Küchendirektor Michael Kempf, Küchenchef Joachim Gerner und Chef-Patissier Thomas Yoshida fast über die gesamte Zeitspanne hinweg ein Team bilden. Auch die Serviceleitung um Felix Voges und Manuel Finster steht für jene Kontinuität, die in der schnelllebigen Gastronomiewelt Eindruck macht und längst zu einem Teil der Identität dieses Hauses geworden ist.
Eine weitere Besonderheit ist, dass das Facil von Montag bis Freitag nicht nur an fünf Abenden, sondern zusätzlich auch mittags geöffnet hat. Neben dem regulären Gourmetmenü gibt es dann eine Lunchkarte, auf der zu einem attraktiven Preis à la carte gegessen werden kann, wobei man zwar leichte Abstriche bei der Exklusivität der Hauptzutaten macht, nicht aber bei deren Qualität und bei der handwerklichen Präzision, mit der das Küchenteam sie auf den Teller bringt. Originell geriet bereits die Einstimmung vorweg, bei der unter einer Haube aus Ayran-Kokos-Schaum mit zarter Säure, schmeichelnder Cremigkeit und leicht floralen Noten ein Papayasalat mit gerösteter Erdnuss und Granatapfelkernen lag, der die Sinne auf unaufgeregte, aber sehr wirkungsvolle Art schärfte.
Das eigentliche Menü begann mit einem herrlich festfleischigen Carabiniero, der flambiert, mit glasigem Kern und schönem Knack, sowie zusätzlich als Carpaccio des edlen Krustentiers zum Besten gegeben wurde. Begleitet wurde er von einem vielstimmigen, fast flirrenden Zitrusfeld aus Yuzukaviar, Blutorangengel und knackigem, ätherischem Fenchelsalat mit Limettendressing, während knuspriger Genmaicha-Reis mit markanter Röstnote noch einen zusätzlichen Akzent setzte. Das gewisse Etwas oder ein touch too much? Für uns tendierte es knapp zu letzterem.
Es folgte ein ebenso unorthodoxer wie eindrücklicher Kaviargang, bei dem eine Rote-Bete-Rolle mit feinem Knusper, gefüllt mit erdig-süßem Rote-Bete-Tatar und einer luftigen Mousse von geräucherter Sprotte, die Grundlage für eine satte, zart nussige Nocke Störkaviar bildete. Alium-Blüten und Hibiskusblütenstaub brachten dazu feine Würze und säuerliche Frische ein, ohne den eigenständigen Charakter des Gerichts – vor allem den des Kaviars – zu überdecken.
Der stärkste Gang unseres letzten Menüs waren die folgenden Erbsen, weil sie exemplarisch zeigten, wie hier aus Zutaten, deren Geschmacksbild aus dem Alltag vertraut ist, ein komplexes und dennoch unmittelbar zugängliches Gericht entstehen kann. Im Zentrum standen gegrillte Erbsen mit wunderbarer Süße und zartem Rauch, dazu Champignons in mehreren Erscheinungsformen, als Creme, als Fond, gebraten und hauchfein gehobelt. Das üppig cremige Eigelb war nicht gekocht, sondern gefroren, der Puffreis obenauf fügte sich als knuspriger Akzent diesmal stimmiger ein als zuvor beim Carabiniero. So entstand ein bemerkenswertes Ensemble aus Umami, Schmelz, Süße, Tiefe und zarten Aromen, komplex im besten Sinne, aber nie kompliziert.
Der Hauptgang ist traditionellerweise nicht unbedingt der Moment, in dem man besondere Überraschungen erwartet, im Facil aber kann man trotzdem eine erleben. Serviert wurde eine mutige Variante eines Confits, wie man es normalerweise eher aus der gehobenen bürgerlichen Küche kennt: eine süffige, mit Miso vertiefte Geflügelvelouté mit prägnanter Säure, darin schön zitronige Scheibchen von weißem Spargel und Würfel von confierten, hocharomatischen Entenkeulen. Warum die Morcheln knusprig waren und nicht mit ihrem fleischigen Biss glänzen durften, erschloss sich uns zwar nicht so ganz; als edler, substanzreicher Eintopf zum Löffeln war dieser Gang aber gleichwohl sehr gelungen.
Die Desserts sind im Facil immer ein Erlebnis für sich – so auch diesmal. Chef-Patissier Thomas Yoshida schickte zunächst ein Granny-Smith-Sorbet mit charismatisch herber Yuzuzeste, Fenchelsalat mit Anis und etwas Bronzefenchel, was dem Auftakt des süßen Finales eine ätherisch frische Kräuterigkeit gab. Das Hauptdessert erschien anschließend in zwei Teilen: à part ein Rhabarberkompott, das aus zwei Gründen bemerkenswert war, weil der eingedickte Saft vollständig ohne Süße auskam und nur etwas Vanille die charakteristische Säure des Frühlingsgemüses abpufferte, während die Würfelchen perfekt bissfest pochiert waren. Eine Nocke Basilikumeis steuerte Süße und Frische bei. Auf dem großen Teller folgte ein komplexes Arrangement, zu dem der Service eigens einen Bauplan reichte: im Zentrum ein Törtchen aus Zitronencreme und Buttermilchmousse, teilumhüllt von Basilikumcreme und getoppt mit einem Erdbeer-Balsamico-Drop sowie Rhabarberkaviar, dazu luftiger Joghurtsponge und knusprige gebrannte Mandeln, die dem Frühlingsensemble einen Hauch von Volksfestnostalgie verliehen. Lediglich der Mandelbiskuit-Boden aus gebrannten Mandeln wirkte für unser Empfinden etwas zu fest und war dadurch nicht ganz leicht zu essen.
All das erlebt man in der distinguierten Eleganz eines Grandhotels und ohne jenes vordergründige Storytelling, das nicht nur in Berlin die Spitzengastronomie noch immer vielfach prägt. Gerade diese unaufgeregte Seriosität, verbunden mit großer Konstanz und einer Küche, die ihre Produkte nicht inszeniert, sondern präzise zur Wirkung bringt, macht den besonderen Reiz des Facil aus.
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