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| Täglich ab 18 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 31-51 €, Menüs: 99-135 € |
Die Münchner Dependance der von Tim Raue als Impresario konzeptionell geführten Colette-Brasserien unter den Dächern der exklusiven Tertanium-Seniorenresidenzen, liegt im Glockenbachviertel, das an gastronomischer Betriebsamkeit wahrlich keinen Mangel hat. Und um sich in diesem Umfeld deutlich zu profilieren und den in allen drei Colette-Outlets in Berlin, München und Konstanz bis hin zur Karte identischen Stil zu repräsentieren, bietet das Team hier in einem modernen, stilvollen Bistro-Ambiente ein ambitioniertes Küchenniveau. Zwanzig Gänge in vier Kategorien gibt es, aus denen sich der Gast zu einem vergleichsweise günstigen Preis ein viergängiges Menü nach eigenem Gusto zusammenstellen kann.
Der Begriff „Brasserie“ sollte dabei nicht zu der Erwartung verleiten, es gehe hier allein um französische Klassiker. Denn gerade in jüngerer Zeit traten asiatische Akzente stärker hervor, wie man sie vom illustren Patron kennt und schätzt, der es bravourös beherrscht, seine markante eigene Handschrift auf unterschiedlichste Küchenstile anzuwenden und somit allen möglichen bestimmten Genres den gewissen Tim-Raue-Touch zu verleihen. Um diesen Eindruck genauer einzuordnen, stellten wir unser Menü mit möglichst breiter Produktstreuung zusammen und begannen nach den obligatorischen scharfen Cornichons nebst sehr gutem Weißbrot Brot mit einem Rindertatar, also mit einem Gericht, das in einem solchen Kontext gleich Auskunft darüber gibt, wie viel klassische Substanz und wie viel stilistische Handschrift die Küche anstrebt.
Tim Raues Münchner Statthalter, Chefkoch Julien Tan und sein Team, schickten eine optisch markante Version, die fast vollständig unter einem leuchtend grünen Lauchchip verborgen lag. Darunter ruhte ein eher mild, aber mit etwas Cognac auch durchaus markant abgeschmecktes Tatar von weicher Textur auf marinierten, gewürfelten Shiitake-Pilzen, während Chili und eine (leider kaum wahrnehmbare) Erdnussnote als feines Crumble auf dem Chip für Würze sorgen sollten. Die Nocke Laucheis, der aromatisch auffälligste Begleiter des Tellers, schmeckte erkennbar nach grünem Apfel, was dem Ganzen zwar eine belebende Frische gab, den eigentlichen Charakter des Lauchs aber eher umspielte als vertiefte.
Aufgeräumter wirkte anschließend der Teller um einen angegrillten und ausgehöhlten Maiskolben, der mit einer Farce von Hummer und Kalbsbries gefüllt war. Die Idee besaß zweifellos Reiz, doch die aromatische Trennschärfe der beiden edlen Produkte gewann dadurch nur bedingt. Auf einer recht massigen Artischockencreme und geschmorten Artischockensegmenten platziert, verlor der Gang mit zunehmender Dauer an Prägnanz, zumal die Chiliwürze hier deutlich stärker ausfiel als im Gang zuvor und die ohnehin nicht ganz leichte Anlage des Tellers zusätzlich nach vorne rückte.
Im Hauptgang nahm die Küche Bezug auf einen klassischen Salade niçoise und entschied sich dazu, eine großzügige Tranche vom Yellow Fin Tuna nur sehr knapp zu braten, wodurch der typische, mineralische Eigengeschmack des Fischs erfreulich präsent blieb. Auf zwei Romanablättern fanden sich mit Paprika, Olive und grünen Bohnen die naheliegenden Begleiter, Kapern und Sardellen saßen direkt auf dem Fisch, dazu kam Artischocke in cremiger Form und als getrockneter Chip für etwas Biss. Gerade weil dieser Teller am wenigsten auf demonstrative Verfremdung setzte und die einzelnen Elemente in ihrer Funktion klar lesbar blieben, war er für uns die stimmigste und stärkste Darbietung unserer Kostproben.
Der eigenen Stilistik treu bleibend, umhüllte die Küche zum süßen Abschluss eine Kugel gehaltvolles Valrhona-Schokoladeneis mit einer „Panierung“ aus knusprigen Reispops und Schokolade, nahm dem Produkt damit aber auch einen Teil seines eigentlichen Schmelzes und seiner klaren Noblesse. Eine üppige Menge knuspriger Kataififäden lenkte den Blick und nicht zuletzt den Gaumen zusätzlich vom Schokoladenkern weg. Gelungener erschien uns der Einfall, ein begleitendes Brombeerkompott mit Purple Curry, jener Gewürzmischung auf Basis von Hibiskusblüten, originell anzuschärfen, weil hier Frucht, Säure und Würze tatsächlich in ein nachvollziehbares und ausgewogenes Spannungsfeld gebracht wurden.
Wer vor allem gehobene kulinarische Unterhaltung auf den Tellern sucht, dürfte das Colette derzeit zufriedener verlassen als Gäste, denen geradlinig ausformulierte Kreationen und unverstellte Produktwirkung wichtiger sind. Doch damit keine Missverständnisse aufkommen: alle Kostproben waren durchweg originell und auch schmackhaft, schossen unserer Ansicht nach aber bisweilen mit etwas selbstzweckhaft wirkender Architektur auch schon mal übers Ziel hinaus.
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