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Fotos: Sanct Peter - Restaurant Brogsitter

Sanct Peter - Restaurant Brogsitter

im Historischen Gasthaus Sanct Peter
Walporzheimer Str. 134
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler (Walporzheim)
02641-97750

aktualisiert: 05 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do u. Fr ab 18 Uhr, Sa u. So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 33-62 €,
Menüs: 79-198 €

Wenn man das traditionsreiche Gasthaus Sanct Peter der Familie Brogsitter in Bad Neuenahr heute betritt, deutet im Grunde nichts mehr auf die große Flutkatastrophe hin, die 2021 das Ahrtal heimgesucht hatte. Es ist eines der ältesten Gasthäuser Deutschlands, dessen Geschichte bis 600 nach Christus zurückgeht – auch wenn das in der heutigen Form natürlich fast nur noch auf die Grundmauern des Stammhauses zutrifft. An dieses wurde für das Fine Dining Restaurant Brogsitter schon vor der Flut ein völlig neuer Anbau gesetzt, in dessen elegantem, klassischem Ambiente die in Weiß eingedeckten runden Tische in großzügigem Abstand voneinander aufgestellt sind. Ein traditionelles Gourmetrestaurant alter Schule mit einer ambitionierten und sehr niveauvollen Küche, die zu dem Rahmen passt.      

Die sich aber keinesfalls zu gediegen präsentiert! Denn schon an den unterschiedlich aromatisierten Buttersorten zum sehr guten Sauerteig-Topfbrot konnte man schmecken, dass Küchenchef Schöneich als Koch kein Leisetreter ist und ausdrucksstarke Aromengebung schätzt. Dass er trotzdem sehr feinsinnig arbeitet und es versteht, die starken Aromen in eine gute Balance zu versetzen, verdeutlichten die Apero-Snacks wie ein mit Rindertatar und Limonen-Crème-fraîche beladener Knusperzylinder, ein Fingerfood-Snack mit Röstbrot, Romescocreme und zweierlei Schinken, sowie eine Gänseleber-Praline mit Kirsche und Piemonteser Haselnuss. Mehr noch aber der kleine Küchengruß, bei dem ein Taschenkrebstatar in Krustentiergelee von Kokoscreme und Curryschaum mit leicht exotischem Twist eingefasst waren.

Ein eindrucksvolles Beispiel an Feinmotorik war dann auch die Vorspeise mit Balfegó-Thunfisch, bei der eine kreisrunde Scheibe vom roh marinierten Rücken, kurz angegrillte kleine Würfel, sowie eine mild geräucherte Thunfischcreme von rotem Shisogel, Salzpflaumenvinaigrette, verschiedenen Algen und eingelegtem Rettich mit unterschiedlichen Säuren, Frucht und Salzigkeit bespielt wurden. Und das auch wieder in allerbester Balance.

Ein ebenfalls sehr ausgewogenes Geschmacksbild, aber von deutlich herzhafterer und süffiger Art, brachte der folgende, in der gehobenen Gastronomie mittlerweile leider sehr selten gewordene Saint-Pierre mit. Der festfleischige Fisch kam saftig gebraten im Kreise von verschiedenen kunstfertig umgesetzten Komponenten aus Lauch und Kohlrabi sowie hauchdünnen Lardo-Crostini-Talern daher, wurde von einer markant herben Brunnenkressecreme akzentuiert, und von geschmeidig-schaumiger Champagner-Beurre-Blanc harmoniestiftend eingerahmt.

Der Kaisergranat aus Norwegen kam in überraschend festfleischiger, eher an Kaltwasser-Languste erinnernder Fassung, aber mit wiederum eher an hervorragenden Hummer erinnerndem süßlich-speckigem Geschmack daher. Und er wurde von Produktseite noch von einer Spitzkohlroulade mit pikant gewürzter Krustentierfarce sowie weißem Krustentierschaum unterstützt. Knackige Rauchmandeln und eine geschmeidige Rauchmandelcreme mischten sich da wieder recht markant, aber gut an den anderen Aromen andockend, ins Geschehen ein.

Die folgende Ballotine vom Stubenküken mit Gänseleberkern und Baumkuchenmantel zeugte einerseits von den ausgereiften handwerklichen Skills des Küchenchefs und seines Teams, andererseits auch in kompositorischer Hinsicht von deren klassischem Verständnis: mit Farce gefüllte Morcheln, eine mit Morchel aromatisierte reduzierte Jus, sowie eine schaumig aufgemixte Sauce Vin Jaune mit den typischen oxidativen Aromen des Gelbweins aus dem Jura, ließen keine Wünsche offen. Nur die etwas plump erdig-süß vorschmeckende, zudem leicht kleistrige Pastinakenmousseline störte nach unserer Auffassung ein ganz klein wenig die harmonische Balance.

Auch auf dem Teller des Hauptganges wirkte eine Komponente ein klein wenig drüber. Hier war es die doch recht heftige Rauchnote an den Selleriestreifen, die den herausragend guten, saftig-eigenaromatischen Rücken vom Limousin-Lamm mit einer sehr fein und filigran eingeschnittenen und aufgekrossten Fettkruste begleitete. Doch im Zusammenspiel mit einer weiteren Begleitkomponente mit spannendem Twist, nämlich einer mit Weinbrand, Limette und Vanille eingelegten und abgeflämmten Mini-Ananas mit Cashewnusscreme und der dezent mit Vadouvan abgeschmeckten Lammjus, ergab sich daraus ein durchaus sehr reizvoller, kreativer Akkord mit willkommenen Ecken und Kanten.

Ein Vordessert von bemerkenswerter ätherischer Frische war die Liaison von Basilikum-Eis, Buddhas Hand, eingelegten Perlen von grünem Apfel und Holunderblüte, während das Hauptdessert mit unter anderem Eis von Karamell und Miso, karamellisierter Banane sowie japanischem Butterkeks zwar deutlich cremiger und opulenter, aber durch marinierte exotische Früchte und eine ebenfalls fruchtbetonte Butteressigsauce auch wieder ausbalancierende Komponenten mit im Boot hatte.

Benjamin Schöneich und sein Team haben sich mittlerweile auf hohem Niveau stabilisiert und im Vergleich zum letzten Jahr sogar noch einen draufgesetzt, was wir verdientermaßen mit einer Erhöhung der Bewertung auf 8 Pfannen honorieren möchten.  Die stattliche Weinkarte mit weit mehr als nur den unzähligen offenen Positionen aus der Brogsitter-Kollektion, aber auch der ebenso souverän wie zuvorkommend agierende Service, sind neben der Küchenleistung weitere gute Gründe, die für einen Besuch sprechen.

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