Perrier_Superbanner

???

Fotos: Turmschänke

Turmschänke

im Hotel Kaiserhof
Karlsplatz 28
99817 Eisenach
0151-59181704

aktualisiert: 07 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 26-45 €,
Menüs: 55-99 €

Das Präfix Turm- ist eine beliebte Silbe bei der Namenswahl von Gastronomiebetrieben. Aber kaum ein Restaurant hat sich den Namen Turmschänke so sehr verdient wie das Restaurant von Ulrich Rösch in Eisenach, das in der Tat in einem mittelalterlichen Turm beheimatet ist und mit holzvertäfelten Wänden, Wandgemälden, deckenhohem Kachelofen und Kronleuchter jede Menge nostalgischen Charme versprüht. Die Küche passt in manchen Facetten zum Interieur, hebt sich erfreulicherweise aber auch immer wieder davon ab. Zwar spielen Trends und Moden hier keine große Rolle, die Gerichte sind aber auch fein und facettenreich genug, um keine Folklore-Stimmung aufkommen zu lassen.

Auf ihre Kosten kommen in der Turmstube auch Weinliebhaber – zumindest solche, die gerne flaschenweise trinken, denn die Kluft zwischen glasweisem und flaschenweisem Angebot ist nicht zu übersehen. Die Flaschenweinkarte listet einige aufstrebende Weingüter wie Hey oder Böhme & Töchter und auch einige sehr fair bepreiste Raritäten wie einen 2019er Côte-Rôtie von Guigal für unschlagbare 85 Euro, was in etwa dem aktuellen Handelspreis entspricht. Glasweise muss man sich dafür vor allem mit sehr alteingesessenen Weingütern und zahlreichen eher rustikal arbeitenden Genossenschaften zufriedengeben. Die Entscheidung, auf eine mit 14 Weinen sehr große offene Karte zu setzen, die aber in eine völlig andere Richtung geht als die Flaschenweine, erschließt sich uns nicht ganz.

Von gutem Händchen für feine Produkte zeugte dafür die Vorspeise aus Lachs und Bulgur-Salat. Der hochqualitative, zimmerwarme Lachs wurde in schwarzem und weißem Sesam gewälzt und kam entweder völlig roh oder nur ganz kurz angebeizt auf den Tisch. Zwar brillierten die drei großzügigen Tranchen in Bezug auf Frische, jedoch stellten sich die sehr dicken Cuts von circa drei Zentimetern Stärke als etwas unvorteilhaft heraus, weil dicke, lauwarme, rohe Lachsstücke nach der dritten Gabel den Mund doch sehr voll wirken lassen. Wir behalfen uns selbst und schnitten die Tranchen mit dem Essbesteck in möglichst dünne Scheiben, was den Teller doch noch zu einem durchaus kurzweiligen und sehr passablen Gericht machte.

Der folgende Gang rollte einer lokalen Spezialität den Teppich aus: Thüringer Rotwurst, eine grobe Blutwurst mit großen Kochschinkenstücken und fingernagelgroßen Fettspeckstücken, die dünn aufgehobelt als Carpaccio mit Feldsalat und Haselnuss-Vinaigrette serviert wurde. Wo immer solche regionalen Produkte in kreative Gewänder gesteckt werden, ist unsere Bestellung so gut wie sicher. Die fettige und qua DNA rustikale Wurst erhielt durch die nussig-säuerliche Machart einen würdigen Gegenspieler, der ihre Wucht ein wenig auflockerte. Noch besser wäre das geglückt, wenn der Teller – oder zumindest einzelne Komponenten darauf – ein paar Grad kühler gewesen wären. Wie auch beim Lachs hatten wir es hier durchweg mit zimmerwarmen bis lauwarmen Temperaturen zu tun, was einen etwas unvorteilhaft abgestanden wirkenden Gesamteindruck hinterließ. Auch die daumendicken rohen roten Zwiebeln im Salat waren etwas rumpelig; wir mussten sie herauspicken, um nicht den Rest des Abends davon verfolgt zu werden. Schon der zweite Gang in Folge also, bei dem man selbst tätig werden musste, um das Gericht in seinen besten Zustand zu bringen.

Etwas stärker war der Hauptgang, vor allem aufgrund eines sehr gut rosa auf den Punkt gegarten Flank Steaks, das saftig und mit guter Bräunung von einem frischen Salat mit Frisée und Lollo Rosso begleitet wurde. Dazu gab es gekochte oder gedämpfte Karotten, Zuckerschoten und Kohlrabi, die zwar für unseren Geschmack etwas knackiger hätten sein können, aber unterm Strich ansprechend waren. Dasselbe gilt für eine Sauce, die zwar optisch vielversprechend glänzte, sich am Gaumen aber etwas wässrig offenbarte und mehr wie ein angebundener Fond ohne eingekochte Konzentration wirkte.

Der stärkste Gang des Abends war das Dessert aus Ras-el-Hanout-Eis, das mit einer luftigen und wie eine Crème brûlée gratinierten Mandelcreme daherkam. Frisch, kreativ und dennoch völlig schlüssig – so wie wir die Küche von Ulrich Rösch seit Jahren kennen. Und auch wenn wir in diesem Jahr ausnahmsweise mal etwas mehr zu mäkeln hatten als in den letzten Jahren, lassen wir die hohe Bewertung erst mal unangetastet. Wegen ihrer unverkünstelten und direkten Küche ist die Turmschänke ohnehin immer einen Besuch wert, egal ob deren Bewertung nun bei 6 oder 5 Pfannen liegt. Und aufgrund des charmanten Gesamtpakets aus Kulinarik, Atmosphäre und dem persönlichen Service durch Gastgeberin Martina Rasch sowieso.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.