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| Täglich ab 18 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 18-36 €, Menüs: 51-93 € |
Ruhig und idyllisch auf den Almen unterhalb der Hörnerkette liegt im Weiler Schweineberg das Boutiquehotel freistil. Im kleinen gleichnamigen Restaurant mit seinem puristischen Alpenchic – Holzelemente, breite Dielen, blanke Tische, bodentiefe Fenster zur Aussichtsterrasse – werden Hausgäste und Externe einerseits mit präzise zubereiteten Klassikern wie etwa Kässpatzen oder Wiener Schnitzel vom Kalb verwöhnt. Andererseits gibt es auch zwei arrivierte Gourmetmenüs, eines mit Fisch und Fleisch, eines vegetarisch und vegan. Das wundert nicht, wenn man weiß, dass der Küchenchef Constantin Kiehne seine Ausbildung bei Johannes King und Andreas Sondej im Söl’ring Hof absolviert hat. Im Jahr 2021 übernahm er den einstmals elterlichen Betrieb dann auch als Chef und legt seither ganz im Sinne der Nachhaltigkeit und nach Slow-Food-Kriterien viel Wert auf regionale Produkte, die er und sein Team mit Expertise und handwerklicher Sorgfalt zubereiten.
Die beiden sechsgängigen Menüs lassen sich kombinieren und auf bis zu drei Gänge reduzieren – bei dementsprechend angepasster Portionierung, wie uns der junge Servicemann das Prinzip erklärte. Nach Walnussbrot, Butter und Kräuteröl war unser erster Gang „Tiradito“ von der Seeforelle, also ein Art Alpen-Ceviche. Die gebeizten Fischfilets wurden wie ein Carpaccio geschnitten und mit Soja-Honig-Lack überzogen, was ihnen eine angenehm zurückhaltende, aber nicht zu blasse Würze verlieh, in der gelegentlich scharfe Spitzen auftauchten. Rhabarber war dreifach eingesetzt: als Sorbet, in dem die Säure fein abgemildert war, präsenter war sie in Mousse-Kugeln, dazu mit herber Frische in rohen geschlängelten Streifen. Gegrillter Frühlingslauch gab eine würzige Süße dazu, sodass ein feingliedriges Geschmacksbild entstand.
Beim Lechtaler Waller ging es schon etwas herzhafter zur Sache, allein durch den schmelzigen Lardo und knusprige Granola obenauf. Unter dem Fisch lag ein Bärlauch-Canaroli-Risotto, in dessen grüner Cremigkeit kaum sichtbar kleine knackige Spargelstücke steckten, umspielt von einer schaumigen Beurre blanc. Obwohl hier schon ein paar dominantere Geschmacksträger im Einsatz waren, verdrängte keiner den anderen, sondern fügte sich alles harmonisch zusammen.
Zum „2erlei Lamm“ gab es dreierlei Bete und einen knusprigen Riegel Kartoffeltarte. Zartrosa war das Kurzgebratene aus der Nuss, kräftig, kernig und saftig das Geschmorte von der Schulter. Das Aroma der Roten Bete breitete sich vollmundig in einem Püree aus, in den als Salat annoncierten Spalten wurde mehr das Säuerliche betont, elegant eingebunden war ein Rote-Bete-Sud in einer Amoro-Jus, genannt nach einer portweinähnlichen Vinifizierung aus dem Weingut Merkle. Trotz aller Power in dem Lammgericht wirkte es nicht streng und deftig, sondern rund und stimmig – wie uns überhaupt alle Gerichte trotz gelegentlicher Kanten und Kontraste sehr zugänglich und ausgewogen erschienen, auch in den Proportionen.
Wenn nicht hier, wo dann, hatten wir uns zum Abschluss für das Käsedessert entschieden, wobei auch der „Amerikaner“ am Nebentisch mit Brombeer-Sorbet und Mascarpone sehr schön angerichtet war. Dennoch: Der Bad Oberdorfer Alpkäse reizte uns mehr, zumal er mit einem dichten Steinpilzeis, über den er gerieben war, sowie einem Pfirsich-Pilz-Chutney interpretiert wurde, die im Zusammenspiel am Gaumen im positiven Sinne spannende Irritationen zwischen dezenter Süße und erdiger Salzigkeit inklusiver feiner Pfefferspur erzeugten.
Einen guten Querschnitt mit 60, 70 überwiegend deutschen und österreichischen Positionen bietet die Weinkarte, viele davon zu genussfreundlichen Preisen um die 30 Euro. Vereinzelt finden sich aber auch renommierte Kracher wie etwa die Cuvée X vom Weingut Knipser oder der Admiral vom Weingut Pöckl darauf. Die zum Menü vorgesehene Weinbegleitung war sehr fair kalkuliert wie das gesamte kulinarische Angebot. Unser diesjähriges Fazit: Auch wenn es sich beim freistil um kein klassisches Gourmetrestaurant handelt, sondern auch Familien (schöne Kinderkarte!) schnell und gut versorgt werden müssen – die Produkte, das Handwerk und die Ausgewogenheit in unserem Menü sprechen für eine Auswertung auf 6 Pfannen.
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