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Fotos: Zur Malerklause

Zur Malerklause

im Hofecken 2
54413 Bescheid
06509-558

aktualisiert: 02 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 18.30 Uhr, So von 12-14 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 32-44 €, Menüs: 72-106 €

Ein Besuch in der Malerklause im beschaulichen Bescheid, unweit des Moseltals, wirkt auf uns immer wie eine kleine Zeitreise, denn das Restaurant von Familie Lorscheider mit seiner nobel-nostalgischen Wohnzimmeratmosphäre, dem familiären Service und einer von jeglichen Trends und Moden befreiten klassisch französischen Küche hebt sich auf charmante Art vom Gros der zeitgeistigen Gourmetrestaurants ab. Wer hier zwischen Tapete mit Blumenornamentik, dicken Teppichen und verspieltem Dekor an den großzügig gestellten Tischen Platz genommen hat, braucht andererseits aber auch keine Angst vor antiquierter oder gar behäbiger Küche zu haben. Denn was Georg Lorscheider hier in einer One-Man-Show auf die Teller bringt, zeigt nicht nur viel klassische Substanz in jedem Detail, sondern auch ein gutes Verständnis dafür, wie mit cleveren Kombinationen auch ohne technischen Extremaufwand viel Schwung und Spannung auf die Teller gebracht werden kann.

Das demonstrierte auch beim letzten Besuch bereits der verfeinert rustikal gehaltene Küchengruß, der mit einem schlank zugespitzten Tomatensüppchen und rosa Rindfleischscheiben neben feinsäuerlich-cremigem Kartoffelsalat illustrierte, wie elegant sich selbst so scheinbar profane Sachen zubereiten lassen – sofern man weiß, wie‘s geht. Und das stellte der Chef nach diesem leicht augenzwinkernden Understatement-Einstieg auch beim ersten regulären Gang unter Beweis: Der kraftvolle Charakter eines (mild) heiß geräucherten Lachsfilet mit glasigem Kern wurde hier einerseits durch verschiedene, teils konzentrierte, teils buttrig-milde Tomatenzubereitungen, zarten Fenchel und Artischocke mit markanten Gemüsearomen ergänzt – andererseits von einem süßlich-zitronigen Kopfsalatpesto und herben Bittersalaten mit Frische und Leichtigkeit versehen. Und das alles bis zu den zart gerösteten Pinienkernen und einer mit Rosmarin gefüllten grünen Olive in gut ausbalancierten Proportionen.

Deutlich kraftvoller, aber nicht weniger gelungen, war die uns in ähnlicher Form bereits bekannte Kombination aus knusprig zarter Wachtelbrust und -keule mit schmelzenden Kalbskopfwürfelchen, die gemeinsam mit mild duftigem schwarzem Trüffel rund um einen für Frische sorgenden Karotten-Krautsalat drapiert waren. Einige exakt dosierte nussig-erdige Berglinsen und eine voluminöse, mit röstwürziger Süße und eleganter Säure spielende Wachtelsauce rundeten das Ganze zu einem Eindruck ab, der ebenfalls schon ziemlich dicht an der 7-Pfannen-Marke kratzte.

Das galt im Anschluss auch für das straffe, kernige Lammkarree unter saftiger Kräuterkruste, dessen feinwürziger Eigengeschmack von einer erneut ebenso kraftvollen wie eleganten Rosmarinsauce unterstützt wurde – auch wenn die Umgebung aus Sellerie- und Kartoffelcreme, einem (leider etwas zähem) gebackenem Kartoffelbällchen sowie kleinen Klecksen von Rahmwirsing, Steinpilzen und weißem Bohnenragout hier ein klein wenig schwerfälliger wirkte. Dank den auch an dieser Stelle exakten Proportionen fiel das allerdings nicht zu sehr ins Gewicht.

Den einzigen kleinen Ausrutscher des letzten Besuchs gab es beim Zanderfilet mit Miesmuscheln und Rieslingschaumsauce – und zwar schlicht deswegen, weil der sous-vide gegarte Fisch zwar schmeckbar frisch serviert wurde, mit seinem ansonsten aber ausdrucksschwachen Kochgeschmack nicht alles preisgeben konnte, was in ihm steckte. Gegenüber der schlicht „kleines Gemüse“ überschriebenen Umgebung aus unterschiedlichsten, jeweils geschmacksstark auf den Punkt gegarten Gemüsevarietäten von Blumenkohl über grüne Bohnen bis Staudensellerie, den Miesmuscheln und der stoffig-cremigen Sauce geriet der Zander selbst so ein wenig ins Hintertreffen.

Dafür bot die finale Dessertvariation einen ebenso typisch unmodischen wie souveränen Abschluss mit saftig-knuspriger Apfeltarte neben würzigem karamellisiertem Apfeltrester-Parfait und luftiger Vanillecreme, sowie frischen Beeren aus dem eigenen Garten neben Waldbeeren-Parfait unter Mandelkrokant, bei der zwar keine stylische Optik, dafür aber viel Geschmack auf dem Teller zusammenkamen.

Und erfreulicherweise lohnt nicht nur die Küche einen Besuch, sondern auch die Weinauswahl, die vor allem mit vielen bekannten und unbekannteren Gewächsen von der Mosel glänzt, allesamt fair kalkuliert und das auch bei spannend gereiften Flaschen älterer Jahrgänge.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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