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Zur Malerklause

im Hofecken 2
54413 Bescheid
06509-558

aktualisiert: 11 / 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18.30 Uhr, So 12-14 Uhr u. ab 18.30 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 32-44 €,Menüs: 72-106 €

Eine Beschreibung der von uns so sehr geschätzten Malerklause? Man stelle sich ein großes, stylisch eingerichtetes Casual fine dining-Restaurant in einer beliebigen Metropole vor, wo lässige Electro-Beats aus den Lautsprechern tönen und eine große Brigade hipper junger Köche in ihrer offenen Küche die neuesten Trends der Gastrowelt auf die Designerteller frickeln – das Lokal von Familie Lorscheider im beschaulichen Bescheid wäre dann das exakte Gegenteil davon. Nichts Modernes, nichts Trendiges, keine coole Mucke, keine Innovationen auf den Tellern, und trotzdem kocht Hans-Georg Lorscheider hier ganz alleine an seinem Holzofen wie ein junger Gott!

Wir sind in dem nostalgischen Wohnzimmerrestaurant, in dem Hans-Georg Lorscheiders Frau Beate und sein Sohn Mario den Service meistern, jedes Mal wieder aufs Neue erstaunt und erfreut darüber, wie akkurat der Chef hier zugange ist und wie niveauvoll seine geschmackssatten klassischen Gerichte daherkommen. Die Karte offeriert ein bis zu sechsgängiges Menü sowie die für einen Alleinkoch beachtliche Auswahl weiterer à la carte-Gerichte, die sogar auch recht unkompliziert ins Menü hineingetauscht oder ergänzt werden können. Unser letztes Mahl in der so herrlich aus der Zeit gefallenen Malerklause begann mit einem kleinen cremigen Kartoffelsüppchen mit ein paar Herbsttrüffelscheiben, aber einem fast noch aufregenderen satten Kartoffelgeschmack. Außerdem gab’s noch eine warmwürzig angeschärfte Tomatenmousse als Küchengruß.

Und es ging aufregend weiter! Schlichtweg großartig war nämlich die sehr saftige, aromatisch mit Buchenholz warmgeräucherte Lachstranche, deren rauchig-würziges Aroma hervorragend mit der süßsäuerlichen, fast sirupartig anmutenden Limonen-„Vinaigrette“ harmonierte, mit der der Tellermittelpunkt umkreist war. Der Rest dieser Vorspeise fiel mit mariniertem Fenchel, Basilikumpistou, Dörrtomate, Olive und Artischocke eher mediterran aus, doch das passte mit der rauchigen Lachsschnitte auch ausgesprochen gut zusammen.

Sehr puristisch und als solches absolut ansprechend war die cremig-dichte, von schön natürlichem, röstaromatischem Krustentiergeschmack geprägte Garnelensuppe, in der nichts als das pure, klararomatische und sehr schön knackig-feste Fleisch einer Tiefsee-Garnele („von der blauen Lagune“) schwamm. Comme il faut fest und fleischig und dazu auch noch schön saftig und ebenfalls mit sehr sauberem, frischem Geschmack, lag im Anschluss daran auch die Seezunge gemeinsam mit einer gebratenen Garnele auf dem Teller – dazu gab’s verschiedene knackige Gemüse und eine vollmundige Rieslingsauce, die solo etwas zu salzig wirkte, sich im Zusammenspiel mit den anderen Komponenten aber als genau richtig abgeschmeckt erwies.

Und wären beim Hauptgang die Tranchen von der Entenbrust noch saftiger und gleichmäßiger gegart gewesen, hätten wir es hier mit astreinem 7-Pfannen-Niveau zu tun gehabt. Denn von den Steinpilzen à la Creme, über das Rotkraut, die Rotweinzwiebeln, einen kleinen, in lockeren Pankobrösel-Knusper gehüllten Kartoffelknödel, buttriges Kartoffelpüree und pure Selleriecreme war alles nicht nur elegant proportioniert, sondern auch jede Komponente perfekt auf den Punkt gebracht. Die Entenjus war ohnehin Zeugnis der großen altmeisterlichen Klasse dieser Küche.

Obwohl wir eigentlich keine großen Fans von Dessert-Variationen sind, kämen wir wohl auch beim nächsten Besuch wieder nur schwer an Lohrscheiders Dessertvariation vorbei, sofern da abermals das gebrannte Parfait vom Apfeltrester mit seinem markanten, harmonisch eingebundenen alkoholischen Geschmack, das Stück einer meisterlichen karamellisierten Apfeltarte mit Mandeln, weiße und rote Himbeeren auf etwas Himbeercoulis und Vanillesahne zur Disposition stünden.

Mario Lohrscheider, der die Weinkarte des Hauses hegt und pflegt, featured mit Vorliebe die heimischen Weingüter, hat aber immer auch interessante Tropfen aus anderen deutschen oder europäischen Weingütern parat, so wie zuletzt zur Ente einen gut gereiften klassischen Chianti classico der besseren Sorte im glasweisen Ausschank.



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