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Fotos: Zur Malerklause

Zur Malerklause

im Hofecken 2
54413 Bescheid
06509-558

aktualisiert: 09 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 18.30 Uhr, So 12-14 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 32-44 €,Menüs: 72-106 €

Wer an Zeitreisen glaubt, könnte beim Betreten der plüschig-eleganten Malerklause mit ihren dunkelroten Stoffen, den dicken Teppichen und der Tapete mit Blumenornamentik glatt denken, irgendwo kurz vor Bescheid durch ein Zeitportal gefallen zu sein. Ein wenig könnte der Eindruck dann auch noch beim Blick in die Speisekarte des Restaurants anhalten, listet die doch weitgehend klassische Haute-Cuisine nach französischem Vorbild, wie es sie so oft gar nicht mehr gibt. Wer es besser weiß und vielleicht sogar schon mal in den Genuss der Küche von Hans Georg Lorscheider gekommen ist, kann dagegen sicher sein, dass alles, was der erfahrene Chef und Einzelkämpfer am Herd hier vom Brot über die Saucen bis zum Sorbet kredenzen lässt, nach bester klassischer Schule produziert und mit teils dann doch wieder überraschend zeitgemäßem Schwung arrangiert wird.

Das alles erlebt man in einer sympathisch familiären Atmosphäre mit Beate Lorscheider und Sohn Mario im Service, die das über die Jahre gewachsene Gesamtkunstwerk Malerklause entscheidend mitprägen. Dazu gehört auch, dass direkt zu Beginn etwas Knabbergebäck zum Aperitif eingedeckt wird und für die Weinbegleitung konsequent fruchtsüße Rieslinge promotet werden – was im Übrigen oft erstaunlich gut funktioniert! Die ersten Kostproben im Küchengruß, ein Schinken-Grissino auf schlotzigem Kartoffelsalat und eine kalte pfeffrige Tomatensuppe (eher eine Creme), die mit ihren konzentrierten Aromen und Trockenkräuter-Noten aber eher wie kalte Tomatensauce wirkte, funktionierten indes noch nicht ganz so gut und blieben hinter dem zurück, was wir sonst aus der Hand des souveränen Chefs gewohnt sind...

Doch schon die Variation von der Gänsestopfleber mit Tranchen unterschiedlicher Terrinen, unter anderem mit Portwein-, Kirsch- sowie Süßwein-Gelee und (aromatischer!) schwarzer Trüffel bewegte sich in gewohnten Bahnen. In seiner fruchtig-süßen Ausrichtung wirkte das zwar tatsächlich etwas antiquiert, zeigte dank der puren und kraftvollen Leberzubereitung aber auch, warum derartige Klassiker eine so lange Tradition haben.

Das maximale Malerklausen-Erlebnis gab es dann bei der folgenden Kombination aus rosazarter Taubenbrust, perfekt cremig-fester gebratener Entenleber und dicken Stücken herrlich gelatinös schmelzenden Kalbskopfs. Dieses Fest für alle Freunde kräftiger Aromen wurde ergänzt von feinsäuerlichen Linsen und sautierten Champignons, fruchtigen Portweinzwiebeln, etwas cremig-mildem Gemüsesalat, herbem Kräutersalat und einer stoffigen Sauce. Abwechslungsreich, aber dank exakter Proportionen keineswegs überladen. Sehr fein!

Rund und harmonisch wirkte auch das saftig-knusprige Filet vom Zander mit zarten Karotten, Blumenkohl und Zuckerschoten sowie einem feinwürfeligen Ragout aus Kräuterseitlingen. Das kraftvolle und eher mediterrane Gemüseconfit mit gedörrten Tomaten passte da nicht so ganz ins Bild, störte aber auch nicht weiter. Essenziell war dagegen die cremige Rieslingsauce mit viel typischer Frucht und Säure. Bei derartigen Gerichten fehlen zwar die absoluten Feinheiten, viele „Beilagen“ werden etwas plakativ mit Salz und Pfeffer gewürzt, aber akkurat sind die Zubereitungen dennoch und die aromenstarken Gesamtergebnisse machen einfach richtig Spaß.

Der reißt auch bei der Dessertvariation nicht ab, die es mit variierenden Bestandteilen standardmäßig zum Abschluss gibt. Zuletzt mit gebranntem Parfait vom Apfeltrester und Kirschparfait mit altem Kirschbrand neben einem lockeren fruchtig geschichteten Schokoladenkuchen und Beeren aus dem eigenen Garten. In der Weinkarte tummeln sich selbstredend viele bekannte und unbekanntere Flaschen von der Mosel, allesamt fair kalkuliert und teils auch gereift. Einzig der offene Ausschank fällt etwas mager aus und könnte quantitativ und qualitativ sicher noch etwas ausgebaut werden. Die gute Küche hätte es zweifelsohne verdient!



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