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| Do-Mo von 11.30-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Di u. Mi Ruhetag |
| Hauptgerichte: 38-49 €, Menüs: 90-120 € |
Das kleine Lottstetten im äußersten Südwesten Baden-Württembergs ist schon fast eine Exklave, denn bis auf einen schmalen Zugang ist es umzingelt von der Schweiz. Kein Wunder, dass im Gasthof zum Kranz im Teilort Nack viele Eidgenossen einkehren und die abgelegene Location somit auch mittags gut besucht ist. Von außen eher unscheinbar, zeigt sich im weitläufigen Inneren eine elegante Moderne mit Eichenholz, Nussbaum und dezenten Grautönen, die nicht darauf schließen lässt, dass die Geschichte des gepflegten Hauses und dessen Familie bis ins Jahr 1769 zurückkehrt. Tatsächlich brannte der Gasthof zweimal ab – wurde aber eben auch zweimal wieder neu errichtet.
Nun ist hier auch schon seit einem Vierteljahrhundert Gerd Saremba Chef und Koch in Personalunion. In französischen, italienischen und Londoner Küchen hat er viele Erfahrungen gesammelt, die in eine internationale Küchensprache einfließen, die unprätentiös und ohne Effekthaschereien sehr zugänglich ist. Wie zuletzt zur Begrüßung schon das Walnussbrot mit cremig aufgeschlagener Salzbutter und für den mediterranen Touch ein gebundenes Olivenöl mit Fleur de Sel on top. Als Amuse-Bouche gab es dazu auf einer fein abgestimmten Schwarzwurzelcreme ein fruchtiges Bunte-Bete-Tatar, für herzhafte Würze sorgte eine Scheibe Parmaschinken und ein Chip mit Sesamkörnern, garniert mit etwas Kräutern und grünem Öl.
Auch auf der klug fokussierten Karte taucht Mediterranes auf wie Ceasars Salad oder gebackene Polenta mit geschmortem Gemüse. An Gerichten wie Nüsslisalat merkt man zudem, dass man schon mit einem Bein in der Schweiz ist – und daran, dass die eigentlich schwäbischen Spätzle zum Kalbssteak auf Morcheln, Totentrompeten und Zuckerschoten hier Spätzli genannt werden. Da das „schwäbische Meer“ nicht weit ist, steht auch ein Tatar vom Bodensee-Saibling in einer Buttermilch-Spinat-Emulsion auf der Karte. Ergänzt werden die Klassiker von Tagesempfehlungen, die zeigen, dass selbst ein vermeintlich „banaler“ Blattsalat überdurchschnittlich ansprechend sein kann: eingefasst in einer Manschette aus Gurkenscheiben und von gebratenen Pilzen in Balsamico umrundet.
Zum Ausklang der Wildwochen hätte uns zwar auch das Hirschcarpaccio mit Belper Knolle gereizt, letztlich aber machte ein asiatisches Fischgericht das Rennen. Das Thunfisch-Tataki trumpfte mit gleich fünf qualitativ lupenreinen Tranchen auf. Weil sie eben nur ganz kurz außen angebraten waren, konnten sie tiefrot ihre hervorragende Qualität demonstrieren, nur mit einem Hauch von Sojasauce unterstrichen. Überhaupt fiel uns diesmal wieder angenehm auf, dass Saremba trotz markanter Akzente die Extreme nicht zu sehr ausreizt. Zwei Nocken Orangen-Yuzu-Eis etwa spielten nur angedeutet mit der Süße und Säure auf dem Teller, jeweils auf einen Salat mit grünen und roten Wakame-Algen gesetzt. Dezent fortgesetzt wurde die Aromatik mit einer Ponzu-Vinaigrette und Blutorangenfilets. Mit viel Fingerspitzengefühl waren zudem Chiliflocken eingesetzt, die nur eine Ahnung von Schärfe transportierten.
Im Hauptgericht von der Tageskarte wurde gezeigt, dass man hier aber auch wuchtig-herzhaft kann. Zwei kapitale Tranchen vom Skrei waren trotz ihrer Höhe mit ihren saftig-lockeren Lamellen optimal gegart und abgeflämmt, für zusätzlichen Würzfaktor sorgten auf dem Fisch nicht minder große krosse Speckscheiben. Und obwohl das Kartoffelpüree darunter kompakt-buttrig und mit Pommery-Senf getunt war, wirkte es in einem Bett aus noch leicht knackigen Belugalinsen nicht zu aufdringlich, zumal es in Sachen Portionierung eindeutig dem Winterkabeljau seinen Raum ließ. Aber: So wie zum Rindsfilet in grünem Pfefferschaum auf einem Stövchen Gemüsebeilage und Kartoffelstroh für den Nachschlag bereitstand, gab es auch zum Skrei ohne Nachfrage noch einmal alles extra: Kartoffelpüree, Belugalinsen – und einen Noilly-Prat-Schaum, in dem der Wermut gut in Zaum gehalten wurde.
Bei den Desserts geht es im Gasthof zum Kranz von ganz leicht mit Früchtesalat und Mango-Campari-Eis bis hin zu ziemlich kompakt mit Karamellcreme-Cannoli, Schokoerde und Bananeneis. Die goldene und nicht zu süße Mitte lässt sich mit einer cremigen Clementinentarte mit eingelegten Mandarinen, den herben Noten von Kumquats als Chutney und Cremetupfer sowie der gut austarierten Säure eines Sanddorn-Sorbets erleben.
Die Weinbegleitung beschränkte sich bei unserem Besuch auf die ohnehin offen ausgeschenkten Weine, war somit günstig, aber stimmig. Grundsätzlich aber ist der Keller passend zu den Topgerichten international gut sortiert und werden Raritäten auch per Coravin-System ausgeschenkt. Sogar exklusiv für den Gasthof zum Kranz wird der „Nacker Steinler“ gekeltert. Das hervorragende Weingut Clauß liegt nur einen Steinwurf in der idyllischen Umgebung entfernt und ist ebenso einen Besuch wert wie dieser ganz besondere Landgasthof.
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