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| So-Fr von 12-13.30 Uhr u. ab 18 Uhr, Sa Ruhetag |
| Hauptgerichte: 23-44 €, Menüs: 50-73 € |
In diesem Familienbetrieb kann heuer das 300-Jahr-Jubiläum gefeiert werden, wird hier doch seit 1726 das Gastgebertum von Generation zu Generation weitergegeben. Dabei ist man unter dem Motto „Anker, Heimat, Radtke“, so der Name der Betreiber, keinesfalls stehengeblieben, sondern geht mit der Zeit, ohne die Tradition zu vernachlässigen. So können auf Basis guter regionaler Produkte auch mal mediterrane oder asiatische Momente auftauchen – im Herzen aber ist und bleibt der Goldene Anker ein regionalbetonter Landgasthof direkt an der Durchgangsstraße von Eggenstein-Leopoldshafen, die in den Gründerjahren mutmaßlich ein Postkutschenweg war.
Der lang gezogene Gastraum strahlt trotz moderner Funktionalität dank der Akzente der „Dekofeen“ eine hübsche Behaglichkeit aus und ist eigentlich immer gut besucht. Das liegt daran, dass die Karte so gestaltet ist, dass sie vielen Wünschen gerecht werden kann und zwischen Hausklassikern viel Abwechslung bietet. Auch mittags gibt es das volle Programm mit drei Menüs, eines vegetarisch, eines vegan. À la carte reicht das Angebot von Carpaccio und Anker-Burger über Kalbsleber Berliner Art und Wildschwein-Sauerbraten bis hin zu Lammrücken und Rumpsteak.
Als Gast fühlt man sich gleich gut umsorgt, wenn zum Auftakt ein kleines Ruchmehlbrot mit Butter, Oliven, Öl und Gewürzsalz an den blanken Tisch kommt. Die Signature-Vorspeise, für die wir uns diesmal entschieden hatten, war ein typisches Beispiel, wie im Goldenen Anker elegantere und rustikalere Aromen ein stimmiges Gesamtbild ergeben können, dazu auch mit unterschiedlichen Texturen von saftigen Garnelen bis hin zu krossem Speck und Schweinebauch. Für etwas gemüsige Frische in dem komplexen und umamiwürzigen Gericht sorgte Chinakohl, ein bisschen nussigen Biss gab es durch Cashewkerne. Basis war eine angegossene Tom Kha Gai, die mit leichter Schärfe und exotischen Noten von Kokos, Zitronengras und Korianderöl alles zusammenhielt und durch die vielfältige Einlage – nicht zuletzt dunkle Mie-Nudeln – schon fast zum Eintopf wurde.
Nicht ganz optimal fanden wir die Relationen bei der zweiten Vorspeise, die zwar nicht als Salat gedacht war – das Feldsalatbüschel war eher als Garnitur zu verstehen –, sondern eine deutliche Betonung des Hauptprodukts Ziegenkäse hatte. Dies als Camembert mit Miso-Karamell-Streifen und Sprossen sowie gleich zwei Frischkäsebällchen auf Kürbiscreme und ausgestochenen Kugeln zu karamellisierten Walnüssen. Geschmacklich passten die erdig-süßen Nuancen gut zueinander, nur wirkte das Ganze durch den vielen Käse etwas zu spröde.
Wie gut man es im Goldenen Anker mit der Portionierung meint, zeigte das Hauptgericht aus dem Menü. Zu drei Tranchen vom Hirschrücken gab es noch eine herzhafte und schön mürbe Hirschroulade, dazu in einer Schüssel à part gleich drei verschiedene Sorten angebratene Gnocchi – klassisch, mit Kräutern und mit Maronen. Auch zweierlei Pilze kamen sautiert zum Einsatz: ein großer Champignon und Kräuterseitling, alles kompakt arrangiert auf einem gut gegarten und gewürzten Apfelrotkraut, angegossen mit einer fruchtigen Moosbeerensauce, wie hier die heimischen Cranberries genannt werden.
Die meisten Hauptgerichte im Goldenen Anker werden aber auch als kleine Portion offeriert, die für uns immer noch großzügig genug ist, wie das Fischgericht zeigte. Knusprig gebraten, aber saftig waren sowohl ein Filet vom Wolfsbarsch als auch ein ordentlich großer Arm vom Pulpo in einem Hummerschaum, der ruhig etwas mehr Meeresbrise hätte mit sich bringen können. Doch trotz stark geerdeter Partner wie Schwarzwurzelstangen und eine krosse Schnitte Kürbispolenta (und knackige Kürbiskugeln) wirkte das Seafood rund und harmonisch.
Das war auch das Dessert, das ganz unverkünstelt mit gutem Handwerk überzeugte: Ein mit Vanillezucker bestäubtes und mit Granatapfelkernen dekoriertes Schokoladensoufflée war im Inneren noch wunderbar flüssig, rechts und links davon gaben in Extraschälchen ein wuchtiges Birnensorbet mit Honigwabenhippe und warme Zimtkirschen schöne fruchtige Kontraste dazu.
Weil im Grenzgebiet von Baden und der Pfalz das Thema Wein eine besondere Rolle spielt, ist die Karte mit ihren rund 70 Positionen überwiegend aus beiden Regionen gut bestückt. Wer unter dem Dutzend offenen Positionen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis nicht fündig wird: eine angebrochene Flasche kann auch gerne mit nach Hause genommen werden, wie uns der kundige Service am Tisch mitteilte. Ein weiteres Indiz dafür, dass hier in Eggenstein-Leopoldshafen wirklich Wert auf Gastfreundschaft gelegt wird.
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