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| Mi u. Do ab 17.30 Uhr, Fr-So von 11.30-13.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 13-43 €, Menüs: 57-75 € |
Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns gebetsmühlenartig wiederholen, aber genau solche Lokale wie der Landgasthof Zum Dückerstieg in Neuendorf-Sachsenbande, eine gemütliche Autostunde nordwestlich von Hamburg gelegen, machen unsere Arbeit so interessant. Denn hier wird jenseits der Zentren und auch jenseits von Gourmet und Fine Dining ein kulinarisches Niveau geboten, an das sogar manches hippes mit Stern ausgezeichnetes Restaurant nur mit Mühe herankommt. Und darauf würde ohne die Erwähnung in einem Restaurantführer vielleicht kein Feinschmecker kommen, wenn er nicht gerade irgendwo in der Gegend wohnt und per Mund-zu-Mund-Propaganda davon erfährt.
Natürlich wird hier unter der Ägide von Frank Prüß keine innovative Kreativküche geboten, was an diesem Ort auch überhaupt nicht zielführend wäre. Der Landgasthof Zum Dückerstieg ist ein bodenständiger Landgasthof. Mit einem breiten Angebot, das von der Currywurst mit Pommes frites und Salat über das panierte Schnitzel „Wiener Art“ mit Bratkartoffeln oder das Rinderhüftsteak mit Zwiebeln und Pilzen, Butterbohnen aus der mit „Klassiker“ überschriebenen Sparte bis hin zu origineller gedachten und aufwändiger gemachten Gerichten reicht, die es sowohl à la carte gibt, von denen aber immer auch vier im Rahmen eines monatlich wechselnden Menüs offeriert werden.
Im besten Fall sind das stark verfeinerte Rustikalitäten, so wie bei unserer Vorspeise „Kleine Schweinerei“, die sich um Dreierlei vom Spanferkel auf Belugalinsen und Kerbelwurzel drehte. Genauer: saftiger kurzgebratener Rücken, schön schemelziger geschmorter und dann knusprig gebackener Bauch, sowie eine zart süßlich-herzhaft gewürzte Blutwurst, die alle sehr apart proportioniert auf einem mit einer dünnen Spur Kerbelwurzelpüree und Schweinejus eingefassten flachen Podest aus Belugalinsen präsentiert wurden. Und damit das alles nicht zu plump, eindimensional cremig und erdig schmeckt, waren nicht nur die Linsen schön säuerlich und fruchtig abgeschmeckt, sondern dazwischen auch gepickelte Gemüse wie Kürbis oder Radieschen, marinierte Feldsalatblätter, knusprige Wurzelgemüsechips oder eingelegte schwarze Walnuss eingestreut – alles elegant angerichtet und dimensioniert.
Dass Frank Prüß ein besonderes Händchen für substanzstarke Saucen und Suppen hat, war uns schon aus den vergangenen Jahren bekannt und es verdeutlichte sich auch diesmal an der Maronencremsuppe, die nicht als opulentes Schwergewicht daherkam, sondern trotz ihrer Cremigkeit leicht und elegant. Attraktiv ergänzt wurde das aufgeschäumte Süppchen von einer „Rauchlachspraline“ mit schmelzig-crumbeliger Pumpernickel-Bröselkruste, die nicht etwa aus einer Farce vom geräucherten Lachs bestand, sondern aus glasigen Würfeln vom kaltgeräucherten Fleisch des Fischs, was dem Ganzen noch mehr Finesse bescherte.
Die hohe Qualität der hier verwendeten Produkte, aber eben auch das gute Gespür für diese und das Können, sie schnörkellos und handwerklich wie geschmacklich nahezu makellos auf den optimalen Punkt zu bringen, das verdeutlichte insbesondere der Hauptgang mit zweierlei vom Reh. Sowohl der Rücken, der kein sous-vide zu mürbem Matsch gegarter Unfall, sondern ein klassisch naturbelassen gebratenes, schön saftiges und eigenaromatisches Stück mit zartem Biss war, als auch das glasierte Schmorstück, mutmaßlich aus der Schulter und ebenfalls überraschend saftig und zart, waren fast in Idealzustand auf dem Teller zu finden. Und zwar auf einem Sockel aus verschiedenen, ebenfalls optimal beschaffenen Wintergemüsen und Rahmwirsing, vertieft von einer mustergültig reduzierten Wildjus und zugespitzt mit einem Johannisbeerauszug, das Wildbret mit ausgleichender Frucht und Säure nach vorne brachte. Der heimliche Star waren die unscheinbar auf einem Tellerchen à part dazu gereichten fluffig-schmelzigen Mohn-Krapfen, die dergestalt weit mehr als eine schnöde Sättigungsbeilage darstellten.
Die abgedroschene Phrase „Das Beste kommt zum Schluss“, die außerdem in den meisten Restaurants gar nicht zutrifft – im Landgasthof zum Dückerstieg wird sie regelmäßig Realität, wenn das Dessert auf den Tisch kommt. Denn ganz egal ob sommerlich-leicht, oder winterlich-opulent: der Nachtisch war hier immer großartig und auch diesmal das Zünglein an der Waage für die hohe Bewertung. In der Karte schlicht „Winterparfait mit Schokoladenkuchen und warmen Kirschen“ genannt, auf dem Teller ein köstliches Schichtwerk aus saftigem Brownie, rahmigem, nussig-würzigem Parfait sowie intensiv aromatisches Gel und Sorbet von der Kirsche und ein paar Blättchen von hier sehr gut passender roter Shiso-Kresse, drumherum schön säuerliches warmes Kirschkompott und on top pergamentdünne, herbe Bitterschokoladenhippen.
Und weil sich von der vielseitigen hausgebackenen Brotauswahl mit Nussbutter-Nocke und Schmalz zu Beginn bis zu den Petits fours zum Kaffee am Schluss auch sämtliche Details auf überdurchschnittlichem Niveau präsentieren, staunt man umso mehr über das hervorragende Preis-Leistungsverhältnis, das dieser Landgasthof bietet.
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