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Fotos: Y Wine & Kitchen

Y Wine & Kitchen

Rheingauerstr. 22
65343 Eltville
06123-7096563

aktualisiert: 11 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 60-120 €

Ein wirklich außergewöhnliches Projekt haben Simone Schiller-Yildirim und Ahmet Yildirim – beide diplomierte Sommeliers – da auf die Beine gestellt. Im Grunde umfasst ihr bei der Namensgebung an die junge Generation angelehntes Label „Y“ eine ganze Genusswelt: Eine zentrale Rolle spielen dabei natürlich die nach ihrem Charakter in einem Farbschema geordneten Weine der eigenen Kollektion, mittlerweile aber auch das kleine und im pittoresken Eltville mutig avantgardistisch anmutende Restaurant mit seinem stylisch farbenfrohen Interieur. Hier verbinden sich die Idee von anspruchsvoller Küche in unkomplizierter Umgebung und viel Spaß im Glas.

Wer sich einfach nur durch die attraktive Auswahl eigener und fremder Weine probieren möchte, ist im Übrigen ebenfalls willkommen – freie Plätze vorausgesetzt. Ansonsten steht ein einziges kreativ angelegtes Menü auf dem Programm, dessen Gänge dem gleichen Farbkonzept wie die Weine folgen. Verantwortlich ist dafür mit Karsten Fricke ein in vielen ausgezeichneten Häusern geschulter Chef, der in seinen obligatorischen Lehr- und Wanderjahren unter anderem bei Dirk Schröer, Christian Jürgens und Thomas Bühner sowohl klassische als auch kreative und moderne Spielarten gehobener Küche verinnerlichen konnte.

Und dieser Erfahrungsschatz wird bei seinen eigenen Gerichten dann auch auf sehr ansprechende Art sichtbar. Bereits die ersten Appetizer wie etwa eine hauchdünne Tartelette mit Störtatar und Kaviar zeigten beim letzten Besuch sowohl akkurates Handwerk als auch aromatischen Feinschliff. Beides hatte dann auch der aufwändigere Küchengruß, der sanft confierte Lachsforelle und eine reinaromatische Miesmuschel mit gerösteten Kürbiskernen kombinierte und mit nussiger Kürbiskern-Mayo, einem (minimal überdosierten) Johannisbeer-Cevichesud und eingelegten Buchenpilzen zu einem schwungvoll abwechslungsreichen Ensemble mit feinem Süße- und Säurespiel erweiterte. Und das machte dank der wilden Pinselstriche aus Johannisbeer- und Karottencreme auch optisch viel her.

Beim ersten offiziellen Gang gaben hauchdünner Haselnussteig, geröstete und dünn gehobelte Nüsse sowie eine konzentrierte Haselnusscreme gemeinsam mit eingelegter und geschmorter Zwiebel den Ton auf einer ganz anderen Frequenz an – mit einem filigranen Wechselspiel zwischen nussigen und feinwürzigen Nuancen. Die namensgebende „Happy Foie Gras“ fungierte als Mousse im Zentrum der Tartelette im Grunde eher als Puffer und hätte mehr Power und markanter herausgearbeitete Nougatnoten gebraucht, um selbst im Mittelpunkt zu stehen. Aber auch so, war das ein optisch extrem markanter und aromatisch fein austarierter Einstieg.

Der erfreuliche Mut zu markanten Aromen prägte auch die Roulade aus Spitzkohl, die mit gebratenen Spitzkohl- und Paprika-Juliennes und geflämmter Rotgarnele gefüllt und mit einem röstig-süßlichen Krustentierlack glasiert war. Ein Topping aus Chorizo-Crunch und einer gemüsefruchtig-pikanten Paprika-Gazpacho in optisch prägendem Rot, eine Paprika-Mayonnaise mit feinen Säurespitzen und Schmelz sowie etwas Thai-Basilikum mit seiner typischen leicht aniswürzigen Ätherik sorgten für abwechslungsreiche Kopfnoten und in Summe eine kraftvolle Melange, bei der trotz allem der Krustentiergeschmack im Mittelpunkt stand.

Ebenfalls klar im Fokus stand die folgende in Soja gebeizte und geflämmte Makrele mit einer fruchtigen, blumig und spicy duftenden Velouté von Mais und Curry neben verschiedenen Maiszubereitungen, teils mit eher mildsüßer und teils eher knackig grüner Aromatik. Letztere wurde von marinierten Gurkenstreifen und dem gebeizten Gurkengehäuse noch weiter gepusht, während ein klares Salzzitronengel einen eher harten ätherischen Kontrast setzte.

Und auch die Taubenbrust mit rosazartem Fleisch unter sanft röstwürziger Haut (die allerdings nicht komplett ausgebraten und damit etwas fest wirkte) überzeugte in ihrem lila schillernden Umfeld aus lila Kartoffelcreme und Streifen, die als blütenartige Formen den Rahmen für eine schwebend frische Taubenjus mit Tamarinde dienten – und hinterließ einen starken Eindruck! Insbesondere das Spiel aus der nach vorn gestellten Tamarindensäure mit Shisowürze und einer kraftvoll tiefen Melange aus geschmorter Taubenkeule und Blutwurst sorgte hier für viel Dynamik auf dem einmal mehr sehr fotogen angerichteten Teller.

Beim Abschluss wurde klar sichtbar, dass sich die Jahre als Chef-Pâtissier für Karsten Fricke definitiv ausgezahlt haben, denn auch der süße Teil des Menüs stand mit der erfrischenden, an eine Kindheitserinnerung angelehnten Kombination aus Kopfsalat mit Zucker und Zitrone, ergänzt von milchig frischem Eis und teils naturbelassenen, teils konzentriert zugespitzten Komponenten in keiner Weise hinter dem Rest des Menüs zurück.

Mithalten konnten aber auch die jeweils empfohlenen Weine, die in der vorgeschlagenen Begleitung allesamt aus dem eigenen Sortiment stammen, wobei die Karte flaschenweise auch noch viele lohnende Alternativen aus der Region und darüber hinaus listet und es sich in jedem Fall lohnt, den Dialog mit der Gastgeberin zu suchen.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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