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| Di-Sa ab 18.30 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Menüs: 129-158 € |
Während es japanische Gourmetrestaurants mit einem gewissen französischen Hochküchen-Background hierzulande schon einige gibt, nicht zuletzt auch hier in Düsseldorf, hat konsequent von der traditionellen thailändischen Küche inspiriertes Fine dining nach wie vor Seltenheitswert. Umso interessanter wirkt schon rein konzeptionell das noch relativ neue Wela, was in der Landessprache „Zeit“ bedeutet. Denn in dem schnörkellos schlicht und durchaus sehr elegant überwiegend in Beige- und Sandtönen gehaltenen Lokal des sehr sympathisch und engagiert auftretenden jungen Gastgeberpaars Nicha und Wirun Lawang wird genau das geboten.
Keine asiatische Crossover-Küche mit beliebigen Anleihen, sondern ein schon sehr konkret von authentischen Geschmacksbildern und Rezepturen thailändischer Gerichte inspiriertes Menü – nur eben sehr modern und elaboriert interpretiert. Und zwar auf Basis vieler regionaler Produkte, manche seltene Kräuter sogar extra angebaut. Schon die „Entdecker-Bites“, wie hier die ersten Kleinigkeiten zum Aperitif des maximal sechsgängigen, für alle Gäste einheitlichen Menü heißen, machten sogleich neugierig…
Darunter einem beliebten Streetfood-Gericht nachempfundene gebackene Muscheln in einem Knusperschälchen, eine aus ungestopfter Entenleber gefertigte Mousse auf Relish aus Korianderwurzel, Ananas und Ingwer (sehr gut!), oder eine Art Obstsalat als One-Bite-Snack in verschiedenen Texturen von knusprig bis schmelzig. Gewissermaßen eine abstrakte Art der Currywurst war die entsprechend gewürzte und mit knuspriger Reiskügelchen-Panierung umhüllte Wurstkrokette von nordischen Freilandschweinen, die zusammen mit einer ebenfalls pikant abgeschmeckten kalten Gemüsesuppe (als Shot im Reagenzglas) als letzter Appetizer serviert wurde.
Dass das Team das Spiel mit Säure und Schärfe gut beherrscht, und es sogar schafft, unterschiedliche Säuregrade harmonisch miteinander zu verbinden, zeigte die Tom-Klong-Consommé, ähnlich der populäreren Tom-Yum-Suppe, die hier allerdings auf Fischfond-Basis zubereitet war und zusammen mit säuerlich eingelegten Tomaten und einem Schaum von Kaffirlimetten ein schön saftig-zartes Stück Black Cod mit krosser Haut transportierte.
Das Traditionsgericht Laap, eine Art Hackfleischsalat aus der laotischen Küche, stand für das folgende, mit animierend vielschichtig spicy-säuerlich gewürztem Rindertatar gefüllte hauchdünne Knusperröllchen aus papierdünnem Blumenkohlteig Pate. Zusammen mit einer zitronengrasig-minzigen Eigelbcreme zum Dippen war auch das ein durchaus überraschender, weil forscher, und dazu auch finessenreicher Gaumenkitzel.
An die spannende aromatische Dynamik der vorausgegangenen Gerichte reichte die Black Tiger Garnele auf Wasserspinat, einem kleinen Pfannküchlein aus fermentiertem Buchweizen, sowie einer Currycreme auf Basis von Cashew und Kokosmilch nicht heran. Gleichwohl war auch das ein originelles, eigenständiges Gericht.
Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass hier kein Hokuspokus veranstaltet und zumeist recht gegenständlich gekocht und arrangiert wird. Aber eben extrem präzise und elaboriert. So wie bei den mit Apfelstreifen, langem Koriander, Minze und Limettenblatt gefüllten und mit Störkaviar applizierten Röllchen vom roh marinierten Hiramasa-Kingfish, die auf einer cremigen, kräuterfrischen Plah-Vinaigrette angerichtet wurden.
Dass die Präzision und Finesse der warmen, mehrteiligeren Gerichte nicht immer an die der kalten, aus weniger Komponenten zusammengesetzten Kostproben heranreicht, zeigte zuletzt der Hauptgang. Denn hier standen einem sehr guten rosasaftigem Angus-Rostbeef mit knusprigen Thaibasilikum-Crumbles, einer stark reduzierten schmorwürzigen Jus und einer Creme von Kai-Lan, eine chinesische wilde Brokkoli-Sorte, ein etwas ausdrucksloses Gurken- und Buchenpilze-Arrangement sowie recht trockenes und grenzwertig salziges gebeiztes Eigelb auf sprödem Duftreis gegenüber. Da erkennt man, dass das Team bisweilen noch an seine Grenzen stößt und schon mal mehr will, als es in Perfektion umzusetzen im Stande ist.
Das mit eingelegtem Ingwer und Abrieb von der Kaffirlimettenschale akzentuierte Kalamansisorbet nebst Kokosmilchmousse auf Litschikompott war dann allerdings schon wieder sehr perfektionistisch gefertigt und abgeschmeckt. Und auch der eigentliche süße Abschluss aus Mousse und ausgestochenen Kugeln von vollreifer Thaimango, Kokoseis, Klebreis und Pandan-Creme wirkte elegant und fast wie aus einem Guss – aber eben auch nicht einförmig, sondern mit einer gewissen Trennschärfe zwischen Aromen und Texturen.
Selbst wenn wir mit Hinblick auf die Bewertung lange zwischen 6+ und 7 Pfannen geschwankt haben, konnten wir uns, unter Zuhilfenahme eines kleinen Originalitätsbonus, gleich für die höhere Bewertung durchringen. Servicequalität und Weinangebot, aber auch alkoholfreie Alternativen können da spielend mithalten.
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