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| Mo u. Do-Sa ab 17 Uhr, So ab 12 Uhr durchgehend, Di u. Mi Ruhetag (saisonal abweichend) |
| Hauptgerichte: 28-42 €, Menüs: 60-90 € |
Eine traditionelle Weinstube im altdeutschen Stil, wie man sie hauptsächlich aus dem Südwesten der Republik kennt, würde man ausgerechnet mitten im Hamburg nicht unbedingt erwarten. Doch es gibt sie im Stadtteil Ottensen, unweit des Fischereihafens, und zwar schon seit dem Jahr 1919. Die lange Historie sieht man dem charmant patinierten, gemütlich verwinkelten und vollständig mit dunklem, aufwändig verziertem Holz vertäfelten Lokal, das nicht ohne Grund unter Denkmalschutz steht, auch an. Selbst von draußen, wo eine am Abend leuchtende Weintraubentraube als auffälliger Wirtshausausleger an der historischen Fassade unmissverständlich zu erkennen gibt, um was es hier geht.
Und so ist dann auch die Weinkarte dieses Traditionslokals, das seit 2022 mit Kristian Haas (Sommelier) und Theres Neuhaus (Köchin) neue Gastgeber hat, das große Pfund der Traube. Denn die umfasst mehrere hundert Positionen mit Schwerpunkt Deutschland, aber auch sehr viel Gutem aus allen anderen wichtigen und aufstrebenden europäischen Weinregionen – oft in interessanten, gereifteren Jahrgängen und zu sehr attraktiven Preisen! Nicht zu vergessen die immer wechselnden glasweisen Angebote, teils auch mit höherwertigen Offerten. So kann man hier auch mal gereifte Bordeaux kleinerer Häuser oder Barolo jenseits der einschlägigen Namen glasweise trinken und bekommt vom Chef immer sehr gute, treffsichere Empfehlungen zu den jeweiligen Gerichten.
Die Küche macht einen in Norddeutschland sehr seltenen Spagat zwischen bodenständiger französischer Land- oder Bistroküche und südwestdeutschen sowie alpenländischen Gerichten – eben aus den Regionen, in denen auch Wein angebaut wird und wo es haufenweise Traditionsgerichte gibt, die perfekt mit den jeweiligen Gewächsen der Gegend korrespondieren. Es ist in jedem Fall eine sehr gegenständliche Produktküche. Und so gibt es hier vom Südtiroler Speck über Tegernseer Bergkäse, eingelegte Essiggemüse oder einfach nur Schnittlauchbrot mit gesalzenem Rettich bis zur oberbayrischen Weißwurst einerseits Vesper-Kleinigkeiten zum Wein, andererseits aber auch ein gutes Dutzend gekochte Gerichte auf der saisonal wechselnden Karte.
Die sind eher schlicht gehalten, zeugen aber immer von seriösem Handwerk. Mal etwas gröber gefasst, so wie bei der klassisch gebackenen, leider etwas zu trocken geratenen Wildpastete mit Haselnüssen, die mit sehr guten Armagnac-Zwetschgen, etwas Feldsalat und nussbuttriger Brioche aber trotzdem eine sehr schmackhafte und natürliche, nur eben etwas rustikalere Vorspeise abgab. Und mal etwas feinsinniger, so wie bei den sehr frischen und optimal saftig auf den Punkt gebratenen Filets von der elsässischen Lachsforelle, die mit Krautflecken aus zartem Nudelteig, knackigem Spitzkohl und saftiger Birne auf einer fein ausgewogenen, mit viel Estragon und Schnittlauch kräuterduftig akzentuierten Beurre blanc angerichtet waren.
Theres Neuhaus hat jedenfalls gute Einfälle und setzt diese hausmannsköstlich um, paniert und brät Milzwurst von der Traditionsmetzgerei Karl Weber aus Lenggries und kombiniert sie mit Spitzkohlsalat und Weißbier-Kümmeljus, serviert das rahmige Sauerkrautsüppchen mit Apfel-Sellerietatar und kleinen gebackenen Knödeln aus Boudin Noir oder die geduldig geschmorten Bäckchen vom Duroc-Schwein mit hausgemachten Spätzle, Austernpilzen, Apfel und Maronen.
Und obwohl es immer auch perfekt gereifte französische Rohmilchkäse zur Auswahl gibt, sollte man keinesfalls auf ein süßes Dessert verzichten, zumal wenn es die in Portwein pochierte Williamsbirne mit frisch aufgeschlagener Riesling-Sabayone und einem wirklich süchtig machenden, weil aromatisch perfekt zwischen herb und süß ausbalancierten Rotweinbuttereis gibt. Schon allein dafür würden wir immer wieder mit großer Vorfreude in dieses charmante Weinhaus kommen.
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