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| Mo-Sa ab 12 Uhr durchgehend, Sep-Mär auch So |
| Hauptgerichte: 33-50 €, Menüs: 69-98 € |
Unweit des Stachus beherbergt ein denkmalgeschütztes Stadthaus aus dem 15. Jahrhundert Münchens ältestes Weinhaus mit seinem charmant nostalgischen Ambiente. In diesem traditionsreichen und geschichtsträchtigen Rahmen wird heute eine Küche gepflegt, die ihre Stärken nicht aus Originalitätsgesten bezieht, sondern aus guten Produkten, Klarheit und fundiertem Handwerk. Die Teller wirken optisch schnörkellos und geradlinig, schmecken aber deutlich substanzieller, als ihre zurückhaltende Optik zunächst vermuten lässt.
Dass diese Küche dennoch keineswegs pragmatisch und freudlos wirkt, zeigte schon der Auftakt mit einer kühlen, schön cremigen Vichyssoise, die vom Service ohne jede Attitüde als trinkbare Kartoffel-Lauch-Suppe annonciert wurde und nach unserem Eindruck eine leicht herzhafte, „bayerische“ Färbung besaß. Wir entschieden uns diesmal für eine Auswahl à la carte, doch darf nach unseren Erfahrungen aus den letzten Jahren ausdrücklich auch das fünfgängige Menü als verlässliche Wahl gelten, wenn man die Küche des Weinhaus Neuner in voller Bandbreite kennenlernen will. Und selbst traditionelle Klassiker wie Wiener Schnitzel oder Tafelspitz sind hier in sehr guten Händen.
Das Rindertatar zum Beginn war zupackend, aber maßvoll gewürzt, von feiner saftiger Textur und mit Wachtelei, schwarzer Trüffel, geröstetem Graubrot und einigen Kräutern auf eine Weise ergänzt, die den Eigengeschmack eher stützte als überformte. Beim anschließenden Räucheraal zeigte sich dann die einzige nennenswerte Unwucht der jüngsten Kostproben, denn der Fisch war schlicht zu kalt und auch zu knapp portioniert, so dass er in dem von Kräutern und Chips violetter Kartoffeln begleiteten Feldsalat in der Mitte des Tellers etwas unterging. Meerrettich als Creme und in frisch geriebener Form setzte dazu einen Akzent durch angenehm abgestufte Schärfe, doch blieb der Eindruck, dass der Aal an diesem Tag nicht die Präsenz besaß, die er als Hauptakteur ein solches Gerichts benötigt.
Auf den Klassiker des Hauses war dagegen unverändert Verlass. Das getrüffelte Hühnerfrikassee unter gebackener Blätterteighaube gehört nicht ohne Grund zu den festen Größen der Karte, denn hier fügt sich vieles auf sehr stimmige Weise: Geflügel von ausgezeichneter Qualität, ein kraftvoller, stilecht mit Erbsen und Karotten ausgebauter Fond und die schön krosse, zugleich schützende Teighaube darüber. Aus einem im Kern bodenständigen Gericht wird so eine elegante Interpretation von schöner Tiefe, Wärme und Verbindlichkeit.
Auch das Dessert wollte nicht mit demonstrativer Originalität glänzen, was ihm in diesem Zusammenhang eher zugutekam. Weiße Schokoladenmousse und herb-cremiges Kakaosorbet wurden von Mango in mehreren Erscheinungsformen begleitet, die Süße, Frucht und Säure ausgewogen verbanden. Allenfalls etwas eleganter portioniert hätte der Abschluss noch etwas mehr Leichtigkeit entfalten können, wohltuend frei von plumper Süße und handwerklich sehr sauber umgesetzt war er jedoch allemal.
Sommelier Frank Glüer im Service und Patron Fabrice Kieffer stehen hier für eine Form gehobener Gastlichkeit, die nichts ausstellt und gerade dadurch überzeugt – nicht zuletzt durch eine beachtliche internationale Weinauswahl, die auch den Offenausschank anspruchsvoller Gewächse aus großformatigen Flaschen einschließt. Die Küche wurde dem hohen Eigenanspruch des Hauses diesmal ebenfalls wieder gerecht. Wer klassisch grundierte, bodenständige Gerichte mit Pfiff auf einem überdurchschnittlichen Niveau sucht, die sich wohltuend von der bloßen Routine vieler Münchener Gasthäuser absetzt, ist hier sehr gut aufgehoben.
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