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Fotos: Weinhaus Anker

Weinhaus Anker

im Hotel Anker
Obertorstr. 13
97828 Marktheidenfeld
09391-6004801

aktualisiert: 06 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo ab 18 Uhr, Di-So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, kein Ruhetag
Hauptgerichte: 18-36 €,
Menüs: 41-126 €

Das gastronomisch wie kulinarisch durchaus anspruchsvolle, aber konzeptionell nicht übermäßig exklusive Weinhaus Anker im Zentrum von Marktheidenfeld ist quasi so etwas wie der Gegenentwurf zu den modernen Fine-Dining-Konzepten hierzulande. In seinen nostalgischen Gasträumen mit elegant-rustikalem Weintubenflair wird eine konsequent klassische und sehr uneitle Küche geboten, die im Rahmen einer relativ umfangreichen Karte von bodenständigen Traditionsklassikern bis zum Feinschmeckermenü ein breites Portfolio auffährt.

Für die ist mit Bernhard Lermann seit vielen Jahren ein souveräner Küchenchef verantwortlich, der niemandem mehr etwas beweisen muss. Ihm reicht es, einfach nur sehr gut zu kochen, ohne preistreibende Verfeinerung und kreative Pirouetten. Den Sternefuzzis und Instagram-Foodies, die nach aalglatter Perfektion und Inszenierung lechzen, mag das zu profan erscheinen. Wir schätzen Lermanns klassische Gerichte mit viel Substanz, auch wenn sie manchmal wie hingeworfen aussehen, dafür aber immer mit Qualität und viel gutem Geschmack zu moderaten Preisen überzeugen können. In einer breiten Auswahl, nicht nur als fixes Menü, und an mehr als drei Abenden in der Woche!

Da spielt es dann auch keine Rolle, wenn im Menü manche Gerichte seit Jahren immer wieder zu finden sind, weil man sich ja stattdessen aus dem à la carte Programm auch etwas anderes aussuchen kann. Fast schon gesetzt ist beispielsweise die gebratene Gänseleber mit Calvados-Äpfeln und reduzierter Kalbsjus, eine traditionelle Vorspeise mit einer schön festen, kompakten Foie gras und einem angenehm ausgewogen zwischen Fruchtigkeit und Herzhaftigkeit tendierenden Geschmacksbild.

Eine sehr gute Vorspeise mit mutig forsch eingesetzter Säure, Schärfe und Ätherik war aber zuletzt beispielsweise auch das Carpaccio vom Zander. Hier wurde das bemerkenswert klararomatische, angenehm temperierte und nicht zu dünn geschnittene Fleisch des Süßwasser-Raubfischs mit einer zitrischen Meerrettich-Vinaigrette, einem Eis von schneidigem Senf, einer würzig-pikanten Mayonnaise und Radieschen bespielt, was ein durchaus markantes und plakatives, aber als solches sehr harmonisches Geschmacksbild erzeugte.

Keinerlei Langeweile auf dem Teller war auch beim beherzt in Nussbutter angebratenen Seeteufel, der im mediterranen Kontext mit Fenchel und einer Nocke aus intensiv verdichtetem Tomatensugo präsentiert wurde. Letztere passte aromatisch zum Fisch mit Fenchel deutlich besser als zum Kalbsbries mit weißem Spargel und Hollandaise, zu dem sie auch serviert wurde. Allerdings begeisterte da nicht nur das dünn und überhaupt nicht frittierfettig ausgebackene saftige Bries selbst, sondern auch der minutiös gegarte Spargel. Die Hollandaise hätte nach unserem Geschmack etwas schaumiger und säurebetonter sein können, doch genau wegen solcher uneitlen, fundiert zubereiteten Gerichte schätzen wir die Küche des Ankers.

Das galt zuletzt insbesondere auch für den hervorragenden Hauptgang rund um ein Zweierlei vom Reh aus Rücken und Schulter, die sehr viele junge, sich nach Auszeichnungen reckende Köche heute nicht so gut hinbekommen wie Routinier Lermann. Der andernorts nämlich oft zu mürber, breiiger Konsistenz denaturierte Rücken war hier vollkommen klassisch gebraten, mit zartem Biss, viel Saft und Eigenaroma, und die nicht selten zu Trockenheit neigende Schulter gelang ebenfalls saftig und zart, mit viel Geschmack. Dazu gabs neben Topinambur und Spargel eine etwas irreführend als „Confit“ bezeichnete, attraktiv krosse Schichtschnitte von der Kartoffel und eine zwar grenzwertig weit herunterreduzierte, aber trotzdem noch sehr ausgewogene Jus.

Man kann das Mahl im Anker mit Rohmilchkäse vom Affineur Waltmann abschließen, der mit Feigensenf und eingelegten schwarzen Walnüssen zum Besten gegeben wird. Man kann aber natürlich auch süß oder sowohl als auch wählen und im Finale Crêpes Suzettes nach alter Schule goutieren. Nicht im Gastraum am Tisch flambiert, aber deutlich schmeckbar von Grand Marnier geküsst und der Teig mit der Orangensauce richtig schön durchtränkt. Dazu Orangenfilets und ein glatt schmelziges, aber eher sahnemildes als ausdrucksstarkes Kokoseis. Und dass man zu dem Mahl auch attraktive Weine bestellen kann, die längst nicht nur aus dem eigenen Weingut oder aus Franken kommen, ist auch gesetzt.

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