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| Mo ab 18 Uhr, Di-So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 18-36 €, Menüs: 41-126 € |
Im beschaulichen Marktheidenfeld hat Familie Deppisch über Generationen hinweg eine vielteilige Genussadresse etabliert. Direkt an der zentralen Pflastersteinachse zum Marktplatz hin liegt an der einen Seite das Hotel Anker und gegenüber das Weinhaus Anker. Das Restaurationshaus bietet mehrere charmante holzvertäfelte Stuben und einen urigen Gewölbekeller. Küchenchef ist Bernhard Lermann, der 2011 an den Ort zurückgekehrt ist, wo er einst seine Ausbildung machte, um anschließend einige Jahre bei den großen Chefs in Frankreich, aber auch in Peking und auf den Seychellen zu verbringen. Dementsprechend gibt es auf der auch mittags verfügbaren, breit aufgestellten Karte mit ihren drei Menüs – darunter ein Brasserie- und ein vegetarisches Menü – viele Bezüge zur französischen Küche. Aber à la carte finden sich auch „Klassiker mit Charakter“ wie Schweinemedaillons in Cognac-Pfeffer-Rahmsauce oder „fränkische Schmankerl“ wie Bratwürste und Blutwurst mit Kartoffelstampf und Sauerkraut darauf.
An Feinschmecker richtet sich das Weinhaus-Menü in bis zu sechs Gängen, in denen der Chef seine elaborierten, aber auch angenehm bodenständig bleibenden Kreationen am meisten ausspielen kann. Da uns die Entenstopfleber mit Calvados-Äpfeln und Kalbsjus schon aus den Vorjahren hinlänglich als sehr gute, produktpointierte Vorspeise bekannt war, starteten wir diesmal mit bretonischem Rochenflügel. Davor wurde aber erstmal kräftig gegrüßt, nämlich mit einer Tapenade aus Oliven, Sardellen und Parmesan auf Röstbrot, gefolgt von einem sehr viel milderen Gurkensalat mit Süßkartoffelpüree im Gläschen sowie warmem fluffigem Brot mit Butter.
Der dann folgende Rochenflügel war qualitativ überdurchschnittlich und sehr gut gebraten, aber etwas verhalten gewürzt, genau wie die daran angelehnten Fenchelscheiben. Erstaunlich viel Tiefe mit auch erdiger Hintergrundnote steckte aber dafür in der dazu angegossenen Beurre blanc, obwohl es sich um einen sehr luftigen Schaum mit etwas Kräuteröl handelte. Und die häufig nur als banale Deko dienenden Kirschtomaten stellten geschmackvoll mariniert und geschmeidig geschmolzen eine echte Bereicherung auf diesem puristischen Teller dar.
Auch das Zwischengericht war nicht gerade überbordend, hatte aber in seinem reduzierten Geschmacksbild ein schönes Changieren zwischen leichter Frische und sanfter Würze zu bieten. Basis war ein blitzsauberes Carpaccio aus Wildgarnelen, über das eine gut abgeschmeckte Crème fraîche gegeben war. Darin steckte eine zitrische Note, die nicht nur von den zwei Orangenfilets am Rande stammen konnte. Besonders gut mit seiner jodigen Spritzigkeit machte sich auch der untergemischte Lachsforellenkaviar dazu. Ein bisschen Biss gab es durch Radieschenstifte, bleibende Schärfe durch rohe Frühlingszwiebeln und einen herben Touch durch Sprossen on top, die uns schon bei den Grüßen begegnet waren.
Um ein ebenso kompakt angerichtetes Rondell handelte es sich beim Hauptgang, der mit geschmacklicher Vielfalt auftrumpfen konnte. Short-Rib vom Rind war butterzart geschmort, wenngleich es auch ihr etwas an Herzhaftigkeit fehlte. Die gab es aber auch diesmal wieder drumherum – gar nicht mal so sehr in den sautierten Morcheln, die auch Rot- oder Portwein gesehen haben könnten, sondern mehr in den cremigen Edamame, die die Power eines Bohnen-Cassoulets hatten. Zwei Stangen weißen Spargels waren nice to have, die geschmorte Kirschtomate hier eher verzichtbar. Dazu überraschte uns ein Riegel, den wir in seiner dunkelbraunen Optik auf den ersten flüchtigen Blick auch für Short Rib hielten, sich aber als das annoncierte „Kartoffel-Confit“ entpuppte, das wir in seiner raffiniert blättrig-krossen Art spontan eher als Kartoffel-Millesfeuilles bezeichnet hätten. Gut gefallen hat uns auch die zwar dunkle und dichte Jus, die aber nicht nur wegen eines darin platzierten Butterschaums eine elegante Leichtigkeit ausstrahlte.
Das Dessert sah ein bisschen nach Geburtstagsspaß aus, nicht zuletzt wegen eines mit Schokosauce geschriebenen „schönen Tag Ihnen“ auf dem Teller. Aber das „Fürst Pückler Weinhaus Anker“ hatte was: in einem Ring aus edelbitterer Schokomousse ein Ragout aus marinierten Erdbeeren und eine große Nocke cremiges Vanilleeis, garniert mit Brom- und Blaubeeren.
Wie vielerorts in Franken spielt das Thema Wein im Anker eine besondere Rolle, zumal die Familie auch Weinberge und neben dem Hotel einen Weinladen hat. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf heimischen Gewächsen, aber die Karte bietet auch viel aus Europa bis nach Übersee. Begleitend zum Menü wurde zwar nichts aufgemacht, aber wir durften ohne Nachfrage einige der regulär offen ausgeschenkten Weine probieren. Und die erfüllten trinkfreudig und preisgünstig ihren Zweck hervorragend.
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