| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So | Mittags |
|
|
| Abends |
|
|
|
|
|||
| Do u. Fr ab 18 Uhr, Sa u. So ab 12 Uhr durchgehend, Mo-Mi Ruhetag |
| Hauptgerichte: 28-54 €, Menüs: 78-186 € |
Idyllischer als auf der Terrasse der Villa Melsheimer kann man entlang der Mosel kaum speisen, denn nur ein wenig befahrener Weg trennt die Tische hier vom Fluss. Und was zunächst vor allem nach einem schönen Platz für Wanderer und Radfahrer klingt, erweist sich rasch auch als ernstzunehmende Adresse für Gourmets. Schon die ersten Kleinigkeiten lassen erkennen, welchen Aufwand Inhaber Dirk Melsheimer und sein Küchenchef Alessandro Riemer hier im Rahmen ihres Gourmetprogramms betreiben, ohne dass dieser als Selbstzweck ausgestellt würde.
Zu Olivenfocaccia, Tomatenbrot, einer Brotvariante mit Safran und Chili sowie schwarzem Knäckebrot kommen Schnittlauchbutter, gesalzene Butter und ein Nussbutterschaum mit Crumble auf den Tisch, freundlich und sachkundig erläutert von Britta Melsheimer, die auch die Weinberatung übernimmt. Dass in Reil und der näheren Umgebung, aber auch in weiter entfernten Moselgemeinden, hervorragende Winzer zu Hause sind, ist in der Karte entsprechend abgebildet – mit Thorsten und Jannis Melsheimer, Clemens Busch, Selbach-Oster und Knebel, aber ebenso mit etlichen weniger renommierten Erzeugern, deren Flaschen das Sortiment erweitern.
Kulinarisch setzt sich die Ouvertüre mit einem Gurkenbaiser samt Jakobsmuschelfüllung, einem Shiitake-Tramezzino und einer Tartelette mit Karotte und Sanddorn fort. Letzteres ist eher süß angelegt, gewinnt aber durch Frische und vielgestaltige Konsistenzen an Kontur, das Baiser bleibt kühl, frisch und vegetabil, während das Tramezzino handwerklich wie ästhetisch besonders überzeugt, weil der Pilzgeschmack klar herausgearbeitet ist. Nicht weniger Sorgfalt steckt in der folgenden Amuse-bouche-Komposition aus Mango, Süßkartoffel und Pistazie, die trotz der zunächst eher mächtig-süß klingenden Anlage mit Pistazienboden, Mango- und Süßkartoffelschichten, Mangotatar, Süßkartoffelschleifen, Kerbelvinaigrette sowie Mango- und Zitronengel stimmig balanciert ist. Allenfalls kommt an dieser Stelle leise die Frage auf, ob nach so vielen Aufmerksamkeiten noch genügend Kapazitäten für das eigentliche Menü bleibt…
Die Kombination aus Akami vom Bluefin-Thunfisch mit Romanasalat, Rettich, Hummerbisque, Yuzu, Kalbsbries und Radieschengel bildet anschließend einen komplexen, dabei keineswegs schwer wirkenden Gang. Gewiss kann man einen Moment lang überlegen, ob hier nicht ein wenig viel auf einen Teller drängt, doch die grob gewürfelten Stücke vom Thunfisch sind von tadelloser Güte, Salat und Radieschen bringen Frische und Knackigkeit ein, die schaumige Hummerbisque ist sauber abgeschmeckt, das Kalbsbries einwandfrei gegart, und Yuzu- sowie Radieschen-Gel setzen zusätzliche helle Akzente. So bleibt die Vorspeise trotz ihrer Fülle vergnüglich, und genau darin liegt ihre Stärke.
Der folgende Gang wirkt noch präziser und fokussierter: nicht zu knapp bemessener Seeigelrogen wird in der Schale angerichtet, Mais-Espuma gibt dem salzig-herben Geschmack des Rogens und der cremigen Salzigkeit des Osietra-Kaviars Schmelz und Süffigkeit mit, während Fenchel und Estragon dazu maßvolle, gut gesetzte Akzente liefern. Die Bärlauchsuppe mit Wachtelei, Bärlauchöl und Chorizo ist kraftvoll aromatisch und wird von den weiteren Zutaten eher würzig angereichert als kontrastiert, mit Ausnahme des mildernden Wachteleis. Das ist in der Summe fordernd, aber qualitativ überzeugend.
Auch der Challans-Entenbrust mangelte es nicht an Begleitung: Neben den saftigen Fleischtranchen, deren Haut einen Tick knuspriger hätte sein können, sowie einer aus dem Confit der Keulen zubereiteten Praline, spielten geräucherte Rote Bete, Ringelbete, Walnuss, Castelfranco-Salat, Vadouvan-Öl und Orangenfilets fruchtig-erdige Rollen. Auch hier ließe sich im Detail diskutieren, ob der Teller ohne Salat oder Ringelbete nicht ebenso schlüssig gewesen wäre, doch nichts wirkt wirklich störend zum saftigen Fleisch und der raffinierten Praline, die uns mit ihrer aromatischen Füllung unter knuspriger Kruste besonders gut gefallen hat.
Das süße Finale begann mit einer fruchtig-süffigen und zugleich angenehm frischen, weil süß-säuerlichen Komposition aus Himbeercreme, Essig von rotem Shiso, einem Eis von weißer Valrhona-Schokolade, Brombeeren, Zitronengras, Beerenschaum und Vanilleparfait, ergänzt um Baisertranchen und einen gebackenen Schmetterling – auch nicht gerade puristisch, aber trotzdem sehr schlüssig. Noch überzeugender wirkte danach die Zusammenstellung aus Grapefruit, Campari, Eis von geräucherter Vanille, Tonicgel, einem Vanilleparfait auf Mascarpone-Basis und Basilikumsud, weil sie Frische, Frucht, Fülle und feine Bitterkeit sehr stimmig zusammenführte. Zwei Pralinen mit gesalzenem Karamell und Sanddorn begleiten schließlich den überdurchschnittlich guten Kaffee, der ebenfalls sehr positiv im Gedächtnis bleibt.
Fazit: Bei den Melsheimers erlebt man im Rahmen des „Wine & Dine“ genannten Gourmetprogramms eine im besten Sinne üppige, detailreiche und durchweg spannende Küche, die ihre Gestaltungs- und Präsentationsfreude auf jedem Teller zeigt.
Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.