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Fotos: Wine & Dine

Wine & Dine

im Boutique Hotel Villa Melsheimer
Moselstr. 5
56861 Reil
06542-900034

aktualisiert: 06 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do u. Fr ab 18 Uhr, Sa u. So ab 12 Uhr durchgehend, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 28-54 €,
Menüs: 78-186 €

Schon seit Jahren bieten Britta und Dirk Melsheimer in ihrem direkt an der Mosel gelegenen Boutique Hotel mit der tatkräftigen Unterstützung von Küchenchef Alessandro Riemer ein beachtliches kulinarisches Niveau an. Neben der Verköstigung der Hausgäste mit bodenständigeren Gerichten, die unter dem Label „Villa Classic“ selbstverständlich auch von externen Gästen à la carte geordert werden können, gibt es unter dem Label „Wine & Dine“ ausgewachsenes Fine Dining in Form dreier Menüs, von denen auch eines vegetarisch ist. Auf der Website sieht das so aus, als ob es sich um separate Restaurants handelt, doch in der Praxis findet das alles in denselben Räumlichkeiten statt – es werden nur eben, je nachdem, für was man reserviert hat, unterschiedliche Speisekarten vorgelegt.

Schon Anzahl und Präsentation der verschiedenen hausgebackenen Brotsorten nebst einer Auswahl aromatisierter Butter und deren überdurchschnittliche Qualität lassen den überraschend hohen Eigenanspruch erkennen, der hier in allen Bereichen gehegt wird. Den machen immer auch die Fingerfood-Kreationen zum Aperitif deutlich. Noch viel mehr aber beim letzten Mal der darauffolgende Küchengruß, der andernorts auch als respektable Vorspeise durchgegangen wäre, und das nicht nur wegen des großzügigen Wareneinsatzes mit Foie gras und Wagyu-Rind der höchsten Fettmarmorierungsstufe A5. Die Fettleber thronte geleeummantelt als Riesenkirschen-Imitation auf einem Podest aus etwas Tatar vom Wagyu-Rind, dazwischen eine kunstvoll drapierte Rosette aus Blütenblättern von eingelegter Bete und darunter eine marmorierte Vinaigrette von grünem Apfel und Koriander. Alles in allem ein sehr gut abgestimmtes, lebhaftes Geschmacksbild zwischen Opulenz und Frische. Und erfreulicherweise ganz ohne den desserthaften Touch, den viele klassische Gänseleber-Vorspeisen haben.

Im weltläufigen Degustationsmenü ging es vielschichtig und kreativ weiter, mit einer Vorspeise von Atlantik-Makrele, Blumenkohl, Kartoffel, Lauch, Nashi-Birne, Passionsfrucht, frischen Erbsen und Kaviar, bei der schon die Anzahl und Zusammenstellung der Komponenten verdeutlicht, wie kontrastreich und bunt der immer sehr elaboriert ausgearbeiteten Teller hier sind. Aber auch das regionale Gourmetmenü, das mit Hauptprodukten aus der näheren Umgebung gespickt ist und zum deutlich günstigeren Preis angeboten wird, bewegt sich auf identisch hohem Niveau. Hier zum Beispiel mit Forelle der Klosterfischerei Himmerod, deren mild gebeiztes, schön klararomatisches und festes Fleisch als mit Staudensellerie, Forellenkaviar, Kräuterblättern und Coppa vom Hunsrücker Schwein applizierter Riegel neben einem Carpaccio von Radieschen angerichtet war. Eine weniger regionalbetont mit Yuzu aromatisierte Beurre blanc vermochte das alles mit ihrem einnehmenden Schmelz zu verbinden und mit ihrer zitrischen Frische dynamisch nach vorne zu bringen.

Der Preis des internationaleren Menüs wird mit hohen Produktqualitäten hinterlegt, die einfach schon im Einkauf entsprechend kosten. So wie das bereits erwähnte A5-Wagyu, das auch in einem mit Sherry abgeschmeckten Shiitake-Tee beinhaltet war, den es sich außerdem mit Chicorée und Morcheln teilte. Oder die handgetauchte Jakobsmuschel aus Norwegen, die gebraten in ihrer eigenen Schale auf einer gestockten Creme von Kokos, mariniertem rotem Rettich und Finger Limes angerichtet war. Mit Corail-Pulver aromatisch verstärkt und von einem mit Tandoori und Mandarinenabrieb aromatisierten milden Hummerschaum umgeben, wurde auch hier ein vielschichtiges, diesmal exotisches Geschmacksbild kreiert.

Warum die Bewertung trotz des kunsthandwerklichen Mega-Aufwands und der immer wie aus dem Ei gepellten fotogenen Optik nicht noch höher ist, lässt sich exemplarisch am Beispiel des Hauptgangs vom Degustationsmenü erklären. Denn da waren neben einem picobello rosasaftig auf den Punkt gebrachten Lammrücken mit akkurat aufgetragener gratinierter Olivenkruste und einem ebenfalls hervorragenden, mit süffigem Lammzungenragout gefüllten filigranen Knusperröllchen, leider auch relativ trockene und gerade noch lauwarme Lammbries-Stücke, eine viel zu dichte und konzentrierte, schon beim Einsetzen des Tellers auf diesem gelierende Jus, und zu viel Salz an den mit Quinoa-Pops beflockten Bimi-Stengeln. Solche, meist bei warmen Gerichten mit vielen einzelnen Komponenten auftretende Schwankungen, sind einfach der Tatsache geschuldet, dass hier aus einer Küche heraus eine große Bandbreite bedient wird. Und schon allein vor diesem Hintergrund ist das alles höchst respektabel!  

Auch und gerade die Pâtisserie, die sich beim Vordessert rund um Variationen vom Apfel drehte und danach bei einer nicht nur sehr elegant umgesetzten, sondern auch aromatisch spannungsreich aufgeladenen Kreation von Ananas und Kokos auf Basis von Ziegenfrischkäse und weißer Schokolade von Valrhona nochmal hohes Niveau zeigte. Da wurde mit kontrastreichen Texturen von schmelzigem Eis bis zartkrossem Baiser und mit aromatischen Nadelstichen durch Safran, Vanille, Kaffirlimette und Tamarinde ein sehr starker Abschluss geschaffen, den allein man wiederum auch noch höher hätte bewerten können.

Die Weinkarte listet eine schöne Auswahl verschiedenster Gewächse namhafter Erzeuger aus dem gesamten Moselgebiet, sowie eine Handvoll internationaler Alternativen. Das alles im moderaten Preissegment.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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