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| Mi-So von 12-13.30 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 16-42 €, Menüs: 28-64 € |
Die Villa Erlenbad, ein hochherrschaftliches Haus im Gründerzeitstil in den Weinbergen über Sasbach, lockt mit luxuriösen Apartments und allerlei Extras – vom Shuttle- und Concierge-Service über Kulturveranstaltungen und einen Frisör bis hin zu einem hauseigenen Restaurant. Für Letzteres konnte mit Miroslav Petic ein ausgewiesener Fachmann als Pächter gewonnen werden, den eine langjährige Zusammenarbeit mit Gutbert Fallert in dessen inzwischen leider verwehter Talmühle in Sasbachwalden verband – ein klassisch-erstklassiges Gourmetrestaurant, in dem nicht zuletzt auch Christian Bau seine kulinarische Prägung erhielt.
Nach dem Ende des Traditionshauses im Jahr 2021 entschied sich Petic für die Selbstständigkeit und hat das Glück, inzwischen so gut wie die komplette Talmühle-Mannschaft an seiner neuen Wirkungsstätte um sich zu wissen. Dass Altmeister Fallert bis heute regelmäßiger Gast in der Villa Erlenbad ist, kann dabei als ebenso gutes Zeichen verstanden werden wie die Komposition der Speisekarte, die – zu sehr gastfreundlichen Tarifen – gastronomischen Sinn und Verstand erkennen lässt. Angefangen beim kleinen Menü zu 48 Euro (gegrillte Garnele mit Mango-Chutney; Kalbsrückensteak mit Morchelrahmsauce; Crème brûlée…) über die kleine À-la-carte-Auswahl, die sich erkennbar auf Basis ausgewählter Grundprodukte an einen breiten Gästekreis richtet.
So standen bei unserem Erstbesuch etwa eine sommerliche Tomatensuppe mit Basilikum und Mozzarella auf der Karte, gefolgt von einem Rinderrückensteak mit Kräuterbutter und Pommes frites oder Serviettenknödeln mit Blattspinat und Pilzrahmsauce. Der Chef servierte selbst. Und zwar zunächst eine aromatische Safranbutter nebst Olivenöl zum aufgebackenen Baguette, das man allerdings durchaus in besserer Qualität bekommen kann.
Zum Auftakt entschieden wir uns für eine Reminiszenz an Gutbert Fallert und orderten „Kutteln toskanischer Art“ – leicht mit Parmesan gebunden, dazu dehydrierte schwarze Oliven, ein Blatt Basilikum, ein Faden Öl. Mehr brauchte es nicht für einen sehr schön klaren, reinen Geschmack: mild zwieblig-tomatig, die Kutteln von perfektem Biss und schönem Charakter (ohne Penetranz!), perfekt handwarm serviert. Einen Hauch mehr Salz hätten wir uns vielleicht gewünscht und vielleicht einen Tick Schärfe, aber das ist im Wortsinne Geschmackssache.
Keine Diskussion gab es bei den folgenden sommerlichen Spaghetti mit Kirschtomaten und Knoblauch-Kräuter-Olivenöl – die schlicht zu weich (und vermutlich vorgekocht) waren, was ihre erfreuliche Begleitung durch auf den Punkt gegarten Pulpo und Garnele jedoch in den Hintergrund treten ließ. Ebenfalls auf dem optimalen Punkt war im Hauptgang ein mächtiges Stück Rochenflügel, wie wir es schon in deutlich höher bewerteten Häusern deutlich schlechter gegart bekamen. Eine dicke Tranche, kräftig koloriert und dennoch saftig und blättrig, gewürzt durch eine klassische knusprige „Mie-de-pain“-Auflage, die allerlei Kräuter, Zitronenzesten und die bereits aus den Gängen zuvor bekannten schwarzen Oliven vereinte. Verzichten können hätten wir auf die als „Tomatenkaviar“ bezeichnete Zugabe sowie auf frittierte – und folglich zu intensiv-salzige – Kapernäpfel. Keinesfalls jedoch auf eine wunderbar weinige Champagnersauce, die den edlen Fisch neben einer großen Portion Blattspinat und buttrigen Gnocchi begleitete.
Zum Abschluss entschieden wir uns für die Crème brûlée – perfekt karamellisiert, einen Hauch zu fest gestockt, aber keinesfalls zu süß, mit einer dicken Kugel Limonensorbet auf Basilikum à part. Bleibt abschließend der Wunsch, die Weinkarte um die entsprechenden Jahrgänge der Gewächse zu ergänzen und sich künftig im Offenausschank nicht weitgehend auf die WG Alde Gott zu beschränken – vor allem aber der Respekt und die Anerkennung für die Leistung von Miroslav Petic, nahtlos aus dem Service in die Rolle des Patrons zu schlüpfen und den unzähligen Fallert-Fans in der Ortenau und weit darüber hinaus einen Hauch Talmühle zu erhalten.
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