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| Di-So ab 18 Uhr, Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 35-50 €, Menüs: 26-49 € |
Das pittoreske Grachten-Städtchen Friedrichstadt mit seinen Bauten der niederländischen Backsteinrenaissance ist im hohen Norden immer wieder einen Umweg wert. Und auch sehr gut essen kann man dort, nämlich im Ringhotel Aquarium, wo das modern gestaltete Restaurant Ursprung einen attraktiven Mix aus gutbürgerlicher Klassikerküche und moderneren Gerichten mit maßvoll kreativem Twist auf die Teller bringt. Dass Inhaber und Küchenchef Jan Boddenberg vom dezidierten Fine-Dining-Konzept mittlerweile wieder abgekommen ist und somit das achtgängige „Tasting-Menü“ mit kostspieligen Luxusprodukten abgeschafft wurde, sehen wir nicht als Nachteil.
Eine bis zu fünfgängige Überraschungsmenü-Variante gibt es nach wie vor, aber zum günstigeren Preis und nun weniger exklusiv und elaboriert, konzeptionell etwas einfacher und bodenständiger gestaltet. Dafür ist das alles auch zur Mittagszeit und nicht nur als lange Menüfolge, sondern auch à la carte zu haben. Und unterm Strich an diesem Ort stimmiger und nahbarer. Man kann sein Mahl mit Rindertatar nebst Schwarzbrot und Landbutter starten, oder mit einem klassischen Caesars Salad, und dann mit Matjesfilets „Hausfrauen Art“ mit Apfel, Zwiebel und Essiggurke an Bratkartoffeln weitermachen. Oder eine Scholle „Müllerin Art“ nebst Salzkartoffeln und Gurkensalat in fachmännisch fundierter Machart bestellen. Man kann aber auch ein Regal höher anpeilen…
Dort nämlich gibt’s etwas originellere Dinge wie beispielsweise eine Vorspeise vom roh marinierten, in Sesam gewälzten und dann sekundenkurz ringsum angebratenen und in Tranchen geschnittenen Thunfisch. Das recht helle Fleisch lag zusammen mit knackigen frischen Erbsen, Limettenfilets und eingelegtem rosa Ingwer auf etwas Erbsencreme und war eine wohlproportionierte, aromatisch abwechslungsreiche Sache. Mit recht einfachen Mitteln aus wenigen Komponenten pfiffig gemacht. In diese Richtung hat auch die Bärlauchschaumsuppe mit gebratener Jakobsmuschel tendiert, allerdings hätte die Suppe hinsichtlich einer höheren Bewertung aromatisch zugespitzter und das Schalentier qualitativ besser sein müssen. Aber auch so war’s ein solider Zwischengang.
Und als solcher gingen ganz zweifellos auch die mit einer unaufdringlichen Bärlauchfarce gefüllten Kartoffelteigtaschen durch, die mit gebratenem grünem Spargel und grob vom Stück gehobelten, partiell randtrockenen Deichkäseraspeln liiert waren.
Als den besten Gang bei unserem jüngsten Besuch notierten wir allerdings das Fischgericht rund um ein properes hohes Filetstück eines einstmals offenbar relativ großen Zanders, das schön kross auf der Haut gebraten war und auf einem Bett aus minzfrisch akzentuiertem Erbsenrisotto thronte. Obenauf ein Stängel gerösteter wilder Blumenkohl, drumherum noch ein wenig aufgeschäumte rahmige Sauce im Stil einer Beurre blanc. Ein schnörkelloses Gericht von sehr solider Machart.
Da konnte das Dessert nicht ganz mithalten, obwohl dessen Optik es durchaus versprach. Doch ein geschmacklich und texturell recht kitschig wirkender Erdbeermousse-Ring mit gesprenkelter Kakaobutterhülle, in den eindimensional säuerliches Rhabarberragout gefüllt war, das wiederum von einem sehr süßen weißen Schokoladeneis getoppt wurde, bewegte sich dann doch eher knapp unterhalb von 5 Pfannen.
Sehr ansprechend ausstaffiert und fair kalkuliert ist die international bestückte Weinkarte, die selbst glasweise ausreichend Möglichkeiten für anspruchsvollen Trinkgenuss bietet.
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