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| Fr-Di von 12.30-16.30 Uhr u. ab 18 Uhr, Mi u. Do Ruhetag |
| Hauptgerichte: 16-40 €, Menüs: 40-90 € |
Im stark touristisch geprägten Mittenwald herrscht an gastronomischen Angeboten kein Mangel. Das 2023 in zentraler Lage eröffnete Tischlein deck dich hebt sich aber wohltuend von den meist zünftigen Lokalen in der Umgebung ab. Das Interieur samt hübsch gestaltetem Außenbereich hat nichts Dunkel-Rustikales, sondern strahlt lichte Eleganz aus. Den Untertitel „Einkehr, Restaurant, Weinbar“ einlösend, gibt es linkerhand an erhöhten Tischen zu Fingerfood feine Weine, spannende Cocktails und eine beachtliche Champagnerauswahl. Rechts öffnet sich der Raum mit seinem edlen Parkett, blanken Holztischen und stylishen Accessoires zum Restaurantbereich.
Hinter dem Konzept stehen Elias Pich und seine aus Manila stammende Frau Lynsette. Die beiden haben sich im Emirates Palace in Abu Dhabi kennengelernt und zurück in seiner Heimat ein ansprechendes Konzept entwickelt. Gibt es zwischen 12 und 16 Uhr ein „Mittagstischlein“ zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, so ist das Programm am Abend deutlich größer: à la carte mit Hauptgerichten vom Wiener Schnitzel und Chateaubriand auf Vorbestellung bis zu Phở und verschiedenen Curry- und Wok-Gerichten, die die Vorliebe von Elias Pich für asiatische Aromen zeigen.
Als Höhepunkt und Aushängeschild wurde mittlerweile der „Tischlein deck dich Zauber“ ins Leben gerufen, ein Menü in bis zu acht Gängen, in denen auch Spitzenprodukte wie Saibling aus der Zucht von Nicolai Birnbaum oder Poltinger Wild auftauchen können. Man muss es bei der Reservierung explizit verlangen – es ist jedoch nicht immer verfügbar. Dabei hatten wir uns mächtig dafür ins Zeug gelegt, versucht vorzubestellen, lange gewartet, mehrmals nachgefragt, und dann bei unserem Last-Minute-Besuch gegen Ende der Testsaison einfach darauf gehofft, dass wir doch noch irgendwie in den Genuss des Menüs kommen würden. Es war allerdings immer noch nicht so weit, wofür wir auch Verständnis haben, da Elias Pich nun mal ein Alleinkoch ist. Somit mussten wir schlussendlich aus dem normalen Angebot wählen, das sich vom ambitionierteren Programm natürlich grundsätzlich unterscheidet.
Einen genussreichen Abend kann man damit dennoch verbringen, wenn man so „repräsentativ“ wie möglich bestellt – was bei einem sinnvollerweise übersichtlich gehaltenen Portfolio kein größeres Problem darstellt. Wir probierten etwa das „Vitello Forello“, das sowohl optisch als auch geschmacklich voll und ganz überzeugte. Wie der Name schon andeutet, wurde hier nicht eine Thunfischcreme, sondern eine von der geräucherten Forelle eingesetzt, sehr leicht, luftig, feinsinnig zu kleinen Türmchen hochgeschraubt. Die weiteren Zutaten entsprachen dem Italo-Klassiker mit gerollten, rosasaftigen Kalbfleischscheiben, Vierteln von großen Kapernäpfeln für aromatische Kicks, dekorativer Erbsenkresse als herb-kräuteriger Akzent und zur Abrundung einem Kräuteröl.
Auch das Böfflamot, die bayerische Schmorbratenvariante von Bœuf à la mode, präsentierte sich als eine sehr lohnende Kostprobe. Das Rindfleisch war zart und mürbe, sodass es sich beinahe nur mit der Gabel zerteilen ließ. Die großzügige Portion war umspielt von einer tiefgründig-dunklen Gewürzjus; eine spürbare Cassis-Note strahlte darin eingebundenes herzhaftes Blaukraut aus. Die lockere Struktur der Spinatknödel ließ das gute Handwerk von Elias Pich erkennen. Eher unnötig fanden wir allerdings, dass darin auch noch Brotchips steckten…
Ein schöner Abschluss war das Dessert aus dem Angebot à la carte, wenngleich uns die Kreation aus dem nicht verfügbaren Menü mit Zwetschge, Rosmarin, Grieß und altem Balsamico natürlich noch mehr interessiert hätte. So kamen wir also in den Genuss einer akkurat in eine flache Schale gebrannten Crème brûlée mit feiner Bourbon-Vanille-Note und stattlichem Himbeersorbet.
Erfreuliches hat mit einigen Dutzend Positionen und vielen Direktimporten aus Deutschland, Frankreich und Südtirol die Weinkarte zu bieten. Auf Anfrage werden auch weiße oder rote „Lieblinge“ zu einem fairen Preis geöffnet, die sonst nur als Flasche erhältlich sind, etwa ein Spätburgunder vom Weingut Aufricht am Bodensee. Aber auch die regulär offen ausgeschenkte weiße Bio-Cuvée aus dem Château Saint-Pons machte Spaß. Wir freuen uns also auf den nächsten Besuch in der neuen Testsaison, bei dem wir dann hoffentlich auch endlich in den Genuss des Gourmetmenüs kommen werden.
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