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| Mo-Fr ab 18 Uhr, Sa u. So Ruhetag |
| Hauptgerichte: 39-52 €, Menüs: 68-96 € |
Dass das von außen eher unscheinbar in einem zentrumsnahen Bonner Wohngebiet gelegene Strandhaus in der Region äußerst beliebt und trotz seiner gar nicht so wenigen Plätze, die sich auf drei unterschiedliche Räumlichkeiten aufteilen, eigentlich immer lang im Voraus ausgebucht ist, wundert uns im Grunde gar nicht. Denn Gastgeber Günter Grote-Vallée und sein Team um Küchenchef Lucas Brockhausen machen in den nur äußerst dezent in Richtung eines Strandhauses gestalteten Gasträumen genau das, was sehr viele Leute, die gerne gut Essen gehen, schätzen: sie bieten zwar gehobenes gastronomisches und kulinarisches Niveau, bewegen sich aber bewusst knapp unterhalb des typischen Fine-Dining-Sektors.
Die Atmosphäre ist locker, es gibt keinen streng durchchoreografierten Ablauf, die Gäste haben freie Wahl, was und wieviel sie essen möchten – es gibt also nicht nur ein festes Menü mit einer gesetzten Anzahl an Gängen, wie das heute oft der Fall ist. Die Küche gibt sich auch stilistisch nicht eingefahren und man kann davon ausgehen, dass man nicht genau das bekommt, was es überall gibt. Aktuell gibt es ein Menü in drei bis fünf Gängen, das auch in einer vegetarischen Variante zu haben ist, und daneben eine Auswahl verschiedener Gerichte à la carte, die komplett von den Gängen des Menüs abweichen. Man kann jederzeit unkompliziert switchen oder auch das Menü um einen weiteren Gang ergänzen. Im Strandhaus alles kein Problem, denn hier ist man sehr flexibel und gastorientiert.
Der kleine Gruß aus der Küche sah nicht nur apart angerichtet aus, er war mit süßsauer eingelegten Radieschen, einer Creme aus dem Radieschengrün, etwas Kresse, einigen Tupfen von Röstzwiebelpüree und kleinen Brotcroûtons sowie geröstetem Buchweizen auch recht originell komponiert. Einzig die Tatsache, dass die Brotwürfel nicht so richtig knusprig, sondern eher etwas pappig waren, trübte den guten Gesamteindruck ein klein wenig.
Die Vorspeise, die ein ebenfalls ansehnliches Arrangement aus dicken Tranchen von unaufdringlich mild gebeiztem Lachs, wachsweichem, in Sojasauce eingelegtem Hühnerei, frisch gepalten knackigen Erbsen, sowie krossen Sticks und kleinen weichen Würfeln von Süßkartoffel auf einer zart fließenden Cremesuppe von Brunnenkresse und Erbsenpüree war, ließ Unterschiedliches erkennen. Erstens, dass das Küchenteam ein sehr gutes Gespür für Produkte, Proportionen und Texturen hat. Und zweitens, dass es sehr behutsam, fast zaghaft mit den Sekundäraromen umgeht. Vom ebenfalls annoncierten Ingwer und Wasabi war hier nämlich kaum etwas zu schmecken.
Auch beim „mi-quit“, also halbroh, gebratenen Thunfisch mit Sesamcrunch on top, der in Gesellschaft von eingelegten Gurken und Beurre blanc auf einem Sockel Sushireis thronte, konnten weder Ponzu an den Gurken noch Yuzu an der Buttersauce einen ausdrucksstarken Akzent setzen. Was aber nichts daran änderte, dass das alles zusammen ein sehr harmonisches Geschmacksbild erzeugte.
Bei dem aus den Gerichten à la carte ins Menü integriertem Zwischengang, der sich um kanadischen Hummer (als Ragout und Bisque) mit Kohlrabispaghetti und Fenchel drehte, war deutlich mehr Gaumenkitzel. Einmal durch die von etwas Nduja-Öl eingebrachte wohlige Schärfe, aber auch durch die leicht ätherische Süße von kandierten Fenchelstücken und die salzige Knusprigkeit von frittierten Kapern. Weil zudem auch das kraftvolle Krustentiersüppchen viel Substanz und guten Geschmack bot, spielte es im Grunde überhaupt keine Rolle, dass der in kleinen Stücken auf und neben den Gemüsekomponenten angerichtete Hummer selbst nur solide und nicht überdurchschnittlich war.
Vom Kikok-Huhn wurde im Hauptgang des Menüs sowohl die unter der Haut mit etwas Bärlauchfarce gefüllte Brust sowie gewürfeltes Fleisch von der geschmorten Keule als Ragout in einer vollmundigen, rahmig gebundenen Sauce auf Basis von Geflügeljus dargeboten. Mit grünen Spargelspitzen, gebratenem Kräuterseitling und gratinierten Kartoffelscheiben blieb die Kompositionen an sich recht klassisch und gediegen, machte als solches aber eine ausgesprochen gute Figur.
Mit Feingespür arrangiert war schließlich auch das Dessert, bei dem karamellisierter Cheesecake in Sichelform mit dreierlei vom Rhabarber (Sud, Sorbet und eingelegte Stücke) kombiniert wurde. Gepuffert hat die erfrischende Oxalsäure des Rhabarbers neben dem süßen Schmelz des Käsekuchens auch noch eine Buttermilchcreme und von fluffige Honig-Spongecakes, so dass auch hier ein sehr harmonisches und wohlproportioniertes Ganzes entstand.
Als Gesamtpaket mit dem zuvorkommend und zugleich angenehm zurückhaltend agierenden Service, sowie der nicht nur (aber insbesondere!) bei deutschen Weißweinen sehr gut aufgestellten Weinkarte, ist und bleibt das Strandhaus eine absolut sichere Bank.
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