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| Mi-Fr ab 18 Uhr, Sa von 13-14 Uhr u. ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Menüs: 95-235 € |
Das Restaurant Sterneck und sein Küchenchef Marc Rennhack sind längst eng miteinander verwoben – seit 2012 arbeitet der aus Nordrhein-Westfalen stammende Koch nun schon in dem kleinen Gourmetrestaurant in Cuxhavens Ortsteil Duhnen, der direkt am Meer liegt. Ungewöhnlich ist aber nicht nur die lange Amtszeit, die in der Branche als selten einzustufen ist, sondern auch die Tatsache, dass ein Urlaubshotel wie das Badhotel Sternhagen sich neben dem normalen gastronomischen Angebot ein so hochklassiges Fine-Dining-Separee leistet.
Um dorthin zu kommen, durchquert man zunächst das Hauptrestaurant des Hotels und findet sich schließlich in einem kleinen, zurückhaltend ausgestatteten Raum wieder, der einen ausgezeichneten Ausblick auf Meer und Sonnenuntergang bietet. Die langjährige Restaurantleiterin Anika Nührenberg leitete uns zum Tisch, betreute uns den ganzen Abend lang sehr aufmerksam und freundlich; die Weinbegleitung wird ebenfalls von ihr verantwortet. Damit bleibt sie hier eher auf der klassischen Seite, traut sich allerdings, auch einen Räuschling vom Schweizer Weingut Besson-Strasser ins Pairing einzubauen. Auf der Flaschenkarte finden sich beispielsweise Raritäten wie Kalifornier der Achtziger und Neunziger zu sehr vernünftigen Preisen.
Der Küchenchef wiederum ließ sich lediglich ganz zum Schluss kurz sehen; er gehört nicht zu denen, die um Aufmerksamkeit heischen – und das ist wahrscheinlich auch ein Grund dafür, dass Marc Rennhack trotz seiner hervorragenden und vor allem auch langjährigen konstanten Leistungen nicht so bekannt ist, wie manch anderer Koch, der auf kleinerer Flamme kocht. Doch man sollte sich nicht täuschen lassen, denn auch diesmal hatten schon die ersten Kleinigkeiten jede Menge Substanz, blieben allerdings eher auf der kräftigen als auf der eleganten Seite. Rindertatar, Sardine mit Olive und Spitzkohl sowie Garnele im Lauchmantel samt Weintraube. Kraftvoll, fast ein bisschen rustikal, aber durchdacht, Würze mit eher milden, bisweilen fruchtigen Aromen verbindend – letzteres eines der Markenzeichen von Rennhacks Küche.
Zum Brot wurden dann, dem zuvor angedeuteten Stil folgend, ein fruchtiger Mangoaufstrich und ein Leindotteröl sowie aufgeschlagene Butter gereicht. Regionale Akzente trafen hier auf die weite Welt, was auch typisch für das Kulinarium des Sterneck ist. Noch vor dem eigentlichen ersten Gang kam dänische Gelbschwanzmakrele mit weißem Spargel und einer Curry-Miso-Creme als ein sehr „gelber Teller“, fast monochromer Teller daher, was in dieser Konzeption an die Küche von Tanja Grandits erinnerte. Rennhack würzt zwar markant, aber behutsam: Die Curryaromen waren präsent, überdeckten aber weder Spargel noch Fisch.
Die Fjordforelle mit Fenchel, Mango und Rettich sah anschließend farblich deutlich weniger uniform aus und war eher kleinteilig gehalten, aber aromatisch wie texturell voll überzeugend: Filet und Tatar von der Forelle, Mangogelee, geflämmte Mango, marinierter und getrockneter Fenchel – wie leicht hätte der Fisch überdeckt werden können! Doch er wurde es nicht, konnte sich angesichts von Frucht und ätherischen Fenchelnoten auch selbst behaupten, was auch damit zu tun hatte, dass die Süße zurückhaltend war.
Den Stil der Küche – starke, aber stimmige Kontraste, basierend auf sehr hochwertigen Zutaten – brachte im Folgenden auch der dänische Kabeljau gut zur Geltung, der freilich von den Dorumer Krabben in den Hintergrund gerückt wurde. Selbige waren von einer Güte, wie sie jenseits der Nordseeküste nur selten zu finden ist, und peppten die stückige Vichyssoise effektiv auf. Rauchaal und Meerretticheis unterfütterten die eher milde geschmackliche Basis auf überzeugende Weise: Schärfe, Kälte und Raucharoma sorgten nämlich dafür, dass die würzige Süße der Krabben noch intensiver wahrgenommen wurde.
Die folgende Nordsee-Seezunge war für uns der Höhepunkt des Menüs. Kohlrabi als Würfel und marinierte Scheiben, holländische Miesmuscheln sowie eine gekonnt abgestimmte Muscheljus mit Safrannote ergänzten den Gang mit diesmal eher zurückhaltenden Kontrasten, ließen dem zarten, eleganten Blattfisch ganz den Vortritt. Nach der Seezunge aus der Nordsee kam mit dem Nordseesteinbutt nun sein regionales Pendant auf den Teller. In diesem Falle fiel der Kontrast stärker aus als bei den zuvor servierten Gängen, doch diese Entscheidung hatte ihre Berechtigung, denn Steinbutt verträgt intensive Mitspieler eher als Seezunge: in diesem Falle Pata-Negra-Schinken, Shiitake-Pilze und Ingwerschaum. Vielschichtig und sehr interessant!
Ein kaltes Apfelsüppchen mit Wacholderschaum und Olivenölperlen (letztere nicht wirklich notwendig) bildete den Übergang zum Fleisch, in unserem Fall Husumer Lammrücken, der von beachtlicher Qualität und zart gegart von Artischocke und Spitzkohlröllchen begleitet wurde. Das wäre wohl eine solide, aber nicht allzu spannende Veranstaltung geworden, wenn nicht auch Tandooricreme sowie eine knackig frische Jus das Ganze zugespitzt und aufgepeppt hätten. Bloß die an und für sich sehr guten Morcheln wirkten hier wie das fünfte Rad am Wagen, kamen kaum zur Geltung.
Rhabarber, Honig und Joghurt wurden anschließend in zwei Gängen durchdekliniert – eine selten gewordene Form des Menüabschlusses, der im Sterneck schon fast Tradition ist. Erst Rhabarbertörtchen, -sud, -baiser samt Honig-Joghurt-Eis, das einen mild-süßen Kontrast zur Gemüsesäure setzte. Im zweiten Aufzug dann ein Rhabarberparfait (eher eine Creme), dazu Rhabarbersorbet, Crumble, Honig und Joghurt wurden diesmal als Schaum interpretiert. Ein Erdbeereis war der Höhepunkt der abschließend gereichten Süßigkeiten, die als kraftvoll-dicht und in diesem Sinne klassisch durchgingen.
Fazit: eine zupackende, kontrastreiche und überraschende Küche auf qualitativ hohem Niveau, die alles andere als Mainstream ist. Acht Pfannen mit Bonuspfeil und damit ein guter Platz in unseren Top 100 sind da auch in diesem Jahr absolut berechtigt.
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