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Fotos: Steinheuers Restaurant Zur Alten Post

Steinheuers Restaurant Zur Alten Post

in Steinheuers Hotel
Landskroner Str. 110
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler (Heppingen)
02641-94860

aktualisiert: 04 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 18.30 Uhr, So von 12-13.30 Uhr u. ab 18.30 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 56-68 €,
Menüs: 215-275 €

Oft schon haben wir in den letzten Jahren im Zusammenhang mit Steinheuers Restaurant vom harmonischen Generationswechsel gesprochen und die Küche des Traditionshauses in Heppingen bei Bad Neuenahr-Ahrweiler als Musterbeispiel für ein gut funktionierendes Miteinander von Tradition und Innovation genannt. Wobei für erstes natürlich in erster Linie Seniorchef Hans Stefan Steinheuer verantwortlich zeichnete und für zweites sein Schwiegersohn und Küchenchef Christian Binder, der die klassische französische Küche seines Schwiegervaters mit modernen Akzenten und mehr Leichtigkeit bereicherte, wovon beide Linien profitierten.

Mittlerweile zeichnet Christian Binder allein für das Kulinarium im Gourmetrestaurant verantwortlich und man könnte denken, dass die freie Hand, die er nun hat, zu einer noch moderneren und kreativeren Stilistik geführt hätte. Doch es ist vielmehr das Gegenteil der Fall, denn zum Zeitpunkt unseres jüngsten Testbesuchs präsentierte sich der Stil durchgängig eher klassisch orientiert. Stand noch vor wenigen Jahren das Menü „Wurzeln“ klar für die substanzstarke, kraftvolle frankophile Handschrift von Hans Stefan Steinheuer und das Menü „Blüten“ für die leichtere und transparentere, gern sogar gemüselastige Richtung, deren Inspirationen Christian Binder unter anderem von seiner Zeit bei Nils Henkel aus Schloss Lerbach mitgebracht hat, ist da heute kein solcher Unterschied zwischen den beiden maximal siebengängigen Speisefolgen mehr auszumachen.      

Unter den Apero-Snacks, die für beide Menüvarianten ohnehin identisch sind und die noch am ehesten in eine weltläufige und modern-kreative Richtung tendierten, stach insbesondere ein kross-schmelziger Chip vom Schweinebauch heraus, bestückt mit Aubergine und Pak-Choi, aromatisiert mit Ingwer und Soja. Das Amuse-Bouche handelte von sehr schön leicht und transparent mit Avocado, Gurke, roten Algen und einem moderat mit Chili angeschärften Reissud bespielten Taschenkrebstatar und war ein äußerst animierender, den Gaumen kitzelnder Start.

Auf dem Teller des ersten offiziellen Gangs aus dem „Blüten“-Menü, der uns schon in der Vorsaison begeisterte, lag ein sehr großer und qualitativ sehr guter, mit cruchy Quinoa beflockter Kaisergranat neben zart knackigen Karottenstreifen, die intensivierend im eigenen Saft gegart und dann wie eine Nudelrolle aufgewickelt waren, auf einer kraftvollen Saucen-Melange aus Krustentierschaum und Karottencreme, nussig akzentuiert durch Öl und Creme von Pistazien. Ein stark von der natürlichen Süße der Karotte und der Krustentieraromen getragener Auftakt, nicht plakativ, aber durchaus markant. Und mit fein aufeinander abgestimmten natürlichen Konsistenzen, so dass sich der fleischige Langustino voll und ganz als Star auf dem Teller generieren konnte.

Das gelang auch der mit fein gehobelter Périgordtrüffel und etwas Lauchstroh beladenen Jakobsmuschel ganz ausgezeichnet, die mit butterweichem geschmortem Lauch, einer hellen Lauchcreme und einem dunklen Lauchsud im kleinen, tiefen Teller angerichtet war – und dort in ihrer Festfleischigkeit von nichts davon überhöht wurde. Ein geschmeidiger, seidiger Gang mit eleganter herzhafter Würze. Sehr klassisch-gediegen und als solches perfekt zubereitet. Ähnlich wie die optimal beschaffene, selbst im Kern nicht wie so oft zu festfleischige Seezungenroulade, die mit maritimer Verstärkung durch den meist etwas intensiveren Kaluga-Kaviar auf verschiedenen Blumenkohl-Varietäten von cremig bis knackig und von röstaromatisch bis kohlig daherkam. Eine mit Schnittlauchöl marmorierte und davon auch geschmacklich geprägte Beurre blanc spendete dem Ganzen ihre grüne, zwiebelige Würze, die den ansonsten nur noch von zwei, drei Knollenziest begleiteten Blumenkohl-Komponenten eine weitere Dimension verliehen.

Rosasaftige Brust und dunkel geschmorte Keule von der Wachtel bekamen in Gestalt von Spitzmorchel und kleinen, frischen Erbsen die ersten Frühlingsboten des Jahres 2026 angedient, die mit milden Perlzwiebel-Segmenten begleitet wurden. Eine kraftvolle reduzierte Jus auf Geflügelbasis und eine von der natürlichen Süße der Roscoff-Zwiebel gezeichnete Beurre blanc machten auch diesen Gang zu einem besonders süffigen und vielschichtigen Vergnügen.

Ganz auf der konsequent klassisch geprägten Linie lag diesmal auch der Hauptgang des „Blüten“-Menüs, der gut gereiftes, buttrig-schmelziges Rinderfilet und geschmorten Ochsenschwanz mit Sellerie-Komponenten von Knolle und Staude zusammenbrachte. Eine Pomme soufflée setzt im Kreise der allesamt eher weichen Komponenten als krosses Element einen kleinen Kontrast. Das in der Karte eigens annoncierte Ochsenmark, das wir uns hier mit seinem Schmelz und charakteristischen Geschmack irgendwie sehr als habhaftere Komponente gewünscht hätten (etwa als Topping des Rinderfilets), steckte vermutlich in der dichten, reduzierten Jus, die dem Gericht viel Tiefe und Struktur verlieh.

Zum Schlussakkord stimmten Blutorange, nussiger schwarzer Sesam und Karamellschokolade als Sorbet, Eis, gefüllte Mousse, Ganache und Krokant ein dynamisches Wechselspiel an, dass von leichter, fruchtiger Frische bis zum tiefen opulenten Schmelz eine große Bandbreite aufs Porzellan brachte und ein sehr attraktiver Abschluss war.

Wer also schon in der Vergangenheit immer die große klassische Küche in Steinheuers Restaurant gefeiert hat, kann sich hier auch weiterhin und ganz ohne Abstriche auf unvermindert hohem Niveau bekochen lassen, entspannt zu zurücklehnen und genießen. Wer gehofft hatte, dass die in der Anfangszeit von Christian Binder auffrischende Brise sich zu einem Sturm an Kreativität entwickeln würde, der irgendwann alles Traditionelle über den Haufen fegen würde, ist von den jüngsten Entwicklungen vielleicht weniger begeistert. Das Wichtigste ist aber ohnehin, dass der Chef dem Vernehmen nach heute wirklich nur noch das kocht, was er selbst gerne im Restaurant essen würde. Und das schmeckt man auf jedem Teller!

Dass man sich jeden davon auch im Glas von einem hervorragenden Wein begleiten lassen kann, garantiert weiterhin die fulminante Weinkarte, die nicht nur (aber dort besonders!) bei sämtlichen deutschen Gewächsen, weißen und roten Burgundern und den großen Häusern aus dem Bordelais in Breite und Tiefe attraktiv bestückt ist und von Gastgeberin Désirée Steinheuer kompetent kuratiert wird. Selbst aus Übersee gibt es darin viele spannende Optionen. Und wer sein Menü alkoholfrei eskortieren will, hat ebenfalls reichlich Möglichkeiten.

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