| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So | Mittags |
| Abends |
|
|
|
|
|
|
|
| Täglich ab 17.30 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 32-56 €, Menüs: 98-112 € |
Genau wie in Holger Bodendorfs kleinem Gourmetrestaurant, das unter demselben Dach des Landhaus Stricker residiert wie das deutlich größere, nach dem Gründungsjahr des Hauses benannte „Zweitrestaurant“ Siebzehn84, erlebten wir die Küche in diesem Jahr auch hier wieder voll auf der Höhe. Ganz so, wie wir das zwar aus der Vergangenheit schon gewohnt waren, aber in den zurückliegenden beiden Testsaisons nicht gleichermaßen überzeugend erlebten. Diesmal waren jedenfalls alle Kostproben in diesem mit gemütlichem Holzgebälk, warmen Farben und modernen Bildern sehr wohnlich eingerichteten Lokal, das weit mehr zu bieten hat als eine bloße Rundumverpflegung für Hotelgäste, wieder durchgängig mit viel Sorgfalt und weiterführender Raffinesse zubereitet. Und auch die verwendeten Produkte waren so gut, dass manches schon fast in Richtung 7 Pfannen tendierte.
Hatten wir zuletzt noch geschrieben, dass die Begeisterung aktuell ein wenig von der Erwartungshaltung abhängt und dass Gerichte, die von vorneherein mehr auf unkomplizierten, zupackenden Genuss ausgerichtet sind, solchen überlegen wären, die ambitioniertere Kochkünste suggerieren, dürfen wir das diesmal wieder revidieren. Denn schon das Carpaccio von Lachs und Heilbutt, die als Roulade gewickelt und dann in dünnen Scheiben davon auf den Teller kamen, wo sie von mariniertem Fenchel im Cole-Slaw-Stil, Grapefruitfilets, Cremetupfen einer aromatischen Sauce Rouille und hauchdünnen Brotchips ebenso harmonisch wie akzentuierend bespielt wurden, machte uneingeschränkt Spaß.
Beim „Bunten Spargelsalat“, wo sich rund um optimal zartknackig gegarte weiße Spargelspitzen und herzhafte Pastrami-Röllchen auch Radieschen in verschiedenen Aggregatzuständen und marinierte Gurken in einer mit Estragon und Senfsaat aromatisierten Vinaigrette tummelten, war ebenfalls alles in bester Balance und die Produkte konnten strahlen. So wie der in Nussbutter goldgelb colorierte Nordsee-Steinbutt, der zusammen mit gegrillter Lauchzwiebel und grüner Spargelspitze auf einem Frühlingsgemüsetatar angerichtet und von einer harmonischen, aber relativ milden und zurückhaltenden Hummer-Schaumsauce umgeben war, auch spielend im Gourmetrestaurant nebenan eine Rolle hätte spielen können.
Qualitativ nicht minder gut und sehr sorgfältig auf der Haut kross gebraten kam auch der Wolfsbarsch daher. Zwei schöne Filetstücke, die mit jungem Lauch und Kartoffelstampf, der mit einem Hauch Estragon abgeschmeckt war, auf einer ebenfalls nur sehr dezent mit Safran aromatisierten Muschel-Beurre-Blanc schwammen. Spätestens an dieser Stelle konkretisierte sich dann der einzige nennenswerte Optimierungsgedanke, wonach etwas mehr Mut und Entschiedenheit bei der Aromengebung, beziehungsweise das deutlichere Herausarbeiten der Aromen der Küche noch einen guten Schub nach vorn geben könnte. An mehreren Stellen des Menüs ließen sich manches fast nur erahnen, was prinzipiell einen schönen Akzent hätte setzen können.
Nicht so bei der kross auf der Hautseite angebratenen Maispoulardenbrust, denn da waren nicht nur der karamellisierte Chicorée mit feinen Bitteraromen und zarter Süße, sondern auch der Kartoffelstampf mit deutlichem (aber nicht penetrantem) Bärlauchgeschmack und letztlich die Morchel-Rahmsauce mit ebenfalls viel typischem Produktgeschmack zugegen. Letztere verstärkt noch von einigen ganzen saftigen Morcheln, die in der Sauce ziehen durften.
Bei den Desserts allerdings hätte man sich hier und da wieder etwas mehr Zuspitzung vorstellen können. In dem von Aprikosen-Ziegenfrischkäse-Mousse, Sanddorn-Espuma und Mandel-Crumbles zum Beispiel beim recht undefinierten Orangenblüteneis. Insbesondere aber beim Nachtisch „Nussige Vanille“, dem Arbequina-Olivenöl, Ahornsirup und Fleur de Sel nicht die erhofften wohlkalkulierten Ecken und Kanten verliehen, sondern zu einem sehr gefälligen, eher eindimensionalen, harmonisch-lieblichen Abschluss beitrugen.
Doch das sind im Grunde alles nur Details, die zeigen sollen, wo noch Potenzial schlummert, denn in der Gesamtschau war das diesmal wieder eine sehr ansprechende Küchenleistung. Und weil die umfangreiche Weinkarte und die Expertise des Sommeliers nicht nur dem Gourmetrestaurant vorbehalten ist, sondern auch hier im Siebzehn84 bestand hat, kann man sich auch auf viel Gutes im Glas freuen.
Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.