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Fotos: Seesteg

Seesteg

Damenpfad 36 a
26548 Norderney
04932-893600

aktualisiert: 03 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Täglich ab 12 Uhr durchgehend (kleine Mittagskarte), kein Ruhetag
Hauptgerichte: 30-65 €,
Menüs: 75-150 €

Das Relais & Chateaux Hotel Seesteg mit seinem gleichnamigen Restaurant ist das sprichwörtlich erste Haus am Platz auf Norderney, zu dem es sowohl durch die zentrale Lage direkt an der Promenade als auch durch die stilvolle Anmutung und die komfortable Ausstattung wird. Die Atmosphäre im relativ großen, länglichen Restaurant entlang einer offenen, zum Gastraum hin verglasten Küche, in das es von Empfang und Lobby aus nahezu nahtlos übergeht, ist trotzdem sehr entspannt. Kein elitäres Flair, kein zur Schau gestellter Luxus, keine distinguierte Gangart. Dazu passt auch der zugängliche Stil der Küche, die gehobenen Ansprüchen gerecht wird, sich aber weder zu exklusiv noch zu experimentell gibt. Eine weit überdurchschnittliche Küche für ein breites Publikum und für viele Anlässe, die sich à la carte eher traditionell und klassisch, im Menü weltläufiger und elaborierter gibt.

Nach zweierlei Brotsorten mit Bordier-Butter und einem kleinen ersten Gruß der Küche in Gestalt von Lachstatar, marinierten Gurkenröllchen und Avocadomousse als Füllung eines Tartelette-Schälchens, folgte die Vorspeise, die sich um Tatar von der roten Garnele und Kaviar vom Stör drehte. Das roh marinierte Fleisch vom Carabinero war exakt so, wie man es sich wünscht: schön fest, mit zartem Schmelz und der typischen jodigen Süße wurde es auf einem Fundament aus kleingewürfelter Avocado als kreisrundes flaches Törtchen angerichtet und mit Filetstückchen von Blutorange, einer kleinen Nocke Estragoneis, Avocadocreme, Jalapeño-Gel und eben etwas Kaviar appliziert. Ein fruchtiger Jalapeño-Sud kitzelte diese gut zwischen Süße und Säure ausbalancierte Komposition, bei der jedes Produkt und jedes Aroma sehr gut zur Geltung kam, noch mit weiterer grünfrischer Pikanterie.

Auch beim Duett einer qualitativ sehr guten gebratenen Jakobsmuschel und eines Quaders aus saftig-schmelzigem geschmortem Schweinebauch, die mit Mangoscheiben und Kokosschaum auf ein Bett aus dem pikanten indischen Reis-und-Linsen-Gericht Khichdi drapiert waren, stand jede Komponente einerseits für sich und ergab sich daraus andererseits ein harmonisches Zusammenspiel mit dezentem exotischem Touch.

Einmal mehr sehr sorgfältig ausgeführt und aromatisch in jeder Komponente auf den Punkt gebracht war der mit einer Farce aus Nordseekrabben überbackene und von einem mit Nordseekrabbe gefüllten Raviolo begleitete Heilbutt isländischer Provenienz. Diese nordischen Meerestiere wurden hier allerdings sehr südländisch und mediterran von Zucchini, Auberginenmus, Kompott aus roter Schmorpaprika, mariniertem rohem Fenchel und weißem Tomatenschaum begleitet, was dazu führte, dass im wohnlichen Speisesaal des Seestegs mitten im Winter kurzfristig so etwas wie Sommerfrische aufkam.

Vorzeitige Frühlingsgefühle weckten zart knackig gegarter grüner Spargel und Morcheln zu rosasaftigem Kalbsfilet und knusprig ausgebackenem Kalbsbries. Eingerahmt von etwas Knollenselleriecreme, aromatisch vertieft von einigen sojawürzigen Tupfen eines Ponzu-Gels, insbesondere aber von einer maßvoll reduzierten Madeirajus, die dem Gericht auf elegante Art Rückgrat und Struktur verlieh. Auch das war wieder eine sehr klassische und gediegene Komposition ohne Kreativitätsanspruch, aber eben handwerklich auch tadellos umgesetzt. Alle Charaktereigenschaften und alle Aromen der hier verwendeten Produkte sehr gut herausgearbeitet!

Experimentierfreudiger wurde es allerdings nochmal im Finale beim Dessert, das sich um die Aromen von roter Paprika, Aprikose und Szechuan-Pfeffer drehte. Das Gemüse cremig sowie knackig und mit Hilfe von weißer Ivoire-Schokolade desserttauglich gemacht, als Bestandteil eines mit hauchdünnen Hippensegeln geschichteten Millesfeuilles – das Obst als mit dem ätherischen Pfeffer aromatisiertes Sorbet. Und – ein bisschen Offenheit und Experimentierlust vorausgesetzt – war auch das ein sehr harmonisches Match.

So lag das Menü in der Gesamtschau auch diesmal wieder auf sehr souveränem, schwankungsfreiem 7-Pfannen-Niveau, das eher Tendenzen nach oben als nach unten zeigte. Und auch der engagierte und sehr entspannte Service sowie die gute internationale Weinauswahl fügten sich ins stimmige Gesamtbild.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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