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| Täglich ab 12 Uhr durchgehend (kleine Mittagskarte), kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 30-65 €, Menüs: 75-150 € |
Schon von außen wirkt das Relais & Chateaux Hotel Seesteg auf Norderney, in dem sich das gleichnamige legere Fine Dining Restaurant befindet, deutlich moderner und komfortabler als die meisten Hotels der Insel. Die Lobby des Hauses geht nahezu nahtlos in den großzügigen Gastraum entlang der einsehbaren Küche in wohltuend schlichter Gestaltung mit Naturfarben und freilegender Backsteinwand über. Man wird hier auf gehobenem Niveau anspruchsvoll bewirtet, aber die Atmosphäre und überhaupt die gesamte Gangart ist sehr entspannt.
Beste Voraussetzungen also für den genussreichen Mittag oder Abend, wobei das Team um Küchenchef Markus Kebschull zum Lunch eher bodenständiger und traditioneller kocht und das ganze Ausmaß ihres Könnens, dem auch unsere Bewertung zugrunde liegt, nur am Abend so richtig zeigt. Und zwar am deutlichsten im bis zu sechs Gänge zählenden „Menü Seesteg“, das es neben einer Auswahl an davon abweichenden Gerichten a la carte gibt, die von aufgeschlagener Fischsuppe über Steak & Frites bis zum Kabeljau mit Nordseekrabben, Speck, Zwiebeln und Butterkartoffeln wiederum überwiegend eher klassischer und traditioneller anmuten.
Das Gourmetmenü widmet sich von Foie Gras über Hummer, Heilbutt, Steinbutt bis zur Taube der einschlägigen Edelpalette frankophiler Grande Cuisine und bleibt auch stilistisch beim Thema, wobei die Gerichte im Detail nicht grundsätzlich konservativ und gediegen daherkommen, sondern schon auch hier und da mit kreativen, weltoffenen Aromenkombinationen aufwarten. Der Gruß aus der Küche beispielsweise war vegetarisch und drehte sich um Couscous, eine mit Miso verstärkte Erbsenmousse, Chilimayonnaise und Aprikosengel, was im Zusammenspiel einen recht dynamischen, gut abgestimmten Akkord ergab.
Die Gänseleber in der Vorspeise war in Form einer runden, angenehm puren Terrinenscheibe und einer Nocke Foie-Gras-Eis mit elegant eingebundener Alkoholnote als Produkt sehr präsent und charakteristisch, wurde zudem originell in Szene gesetzt. Nämlich auf einem gelierten Wassermelonensüppchen, dessen Fläche sie sich mit Wassermelonenkugeln, mariniertem dünnstreifigem Spitzkohl, gerösteten Piemonteser Haselnüssen und ein spannendes herbes Kaffeearoma in das Gericht transportierenden Baiser-Sticks teilte. Eine zwar fruchtbetonte, erfreulicherweise jedoch nicht desserthaft süße Foie Gras Vorspeise - mit dem einzigen klitzekleinen Schönheitsfehler, dass das knusprige Baiser sich binnen kurzer Zeit zu einer klebrig-weichen Masse transformierte.
Klassik par excellence der gediegenen Art gab’s bei der hervorragenden, tiefen Essenz vom Reh, in dessen unverfälscht wildwürzigen und nur von einer subtil eingewobenen Süße abgerundeten Tiefen sich neben kleinen, festen Pfifferlingen, Tomatenconcassee, Schnittlauch und einigen dünnen Scheibchen Rehfilet auch ein mit Farce aus mutmaßlich diesen Einlagekomponenten gefüllter Raviolo schwamm.
Von den heimischen Wäldern direkt nach Indien führte im nächsten Zwischengang ein Duett von Hummer und Jakobsmuschel, deren Begleitensemble vom Traditionsgericht Khichdi inspiriert war, dessen Grundlage Reis und gelbe Linsen sind. Getragen von einer markanten, aber nicht plakativen Currynote, fruchtig aufgelockert von Mango und kräuterfrisch eingerahmt von einem Korianderöl machte auch dieses gegenständlich unverbastelte Intermezzo viel Spaß, zumal Qualität und Frische von Schalen- und Krustentier ebenfalls überzeugen konnten.
Nach einem mit Schaumwein aufgegossenen vollfruchtigen Kirschsorbet ging es im maritimen Hauptgang wieder sehr klassisch französisch und mit einem isländischen Heilbutt als Hauptdarsteller weiter. Der allen Anschein nach im Vakuum perfekt saftig-glasig gegarte, attraktiv festfleischig aufblätternde Fisch war mit Kartoffelschuppen appliziert, kurz gratiniert, schließlich mit einer Nocke Imperial-Kaviar getoppt und auf eine mit Stör- und Saiblingskaviar vermengte und von einer dünnen Spur Selleriecreme in quadratischem Bann gehaltenen Veloute platziert. Darunter butterzarter gedünsteter Lauch, daneben recht zähe Lauchzwiebeln. Die gehaltvolle helle Veloute wurde punktuell noch von etwas Kalbsjus und kleinen Tupfen eines an Ponzu erinnernden zitrischen Sojagels aromatisch vertieft, was prinzipiell gar nicht unbedingt nötig gewesen wäre, aber dem guten Gesamteindruck auch keinen Abbruch tat.
Wer trotz des nur wenige Meter vor dem Restaurant anbrandenden Meeres keine Lust auf Fisch im Hauptgang hat, kann alternativ immer auch einen Fleisch-Hauptgang wählen. In unserem Fall war der von Taube französischer Provenienz, die mit den Leitaromen von Topinambur, Apfel und Trüffel kraftvoll elegant geerdet wurde. Harmonisch, sehr schmackhaft, aber etwas konturlos endete das Menü mit einem Dessert rund um ein kleines Bitterschokoladenküchlein, Erdbeeren (als Sorbet und als marinierte Früchte, sowie ein erfreulich säuerlich-frisches, eher an Joghurt oder Sauerrahm erinnerndes Cheesecake-Eis. Opulent und eher nichtssagend süß ließen kleine Moussekuppeln und eine Creme auf dem Schokoküchlein die anderen Komponenten etwas zu sehr als lieblich-rahmig-mildes Geschmacksbild verschwimmen. Das Aroma des ebenfalls annoncierten Holunders, das hier noch einen ausschlaggebenden Akzent hätte setzen können, war weder als Beere noch als Blüte zu erahnen.
Änderte aber nichts am sehr guten Eindruck auf souveränem 7-Pfannen-Niveau, den die Küche unterm Strich auf uns gemacht hat. Und auch der engagierte, aber entspannte Service und die gute internationale Weinauswahl passen sehr gut ins Gesamtbild.
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