???

Schweizers Restaurant

Olgastr. 133 B
70180 Stuttgart
0711-60197540

aktualisiert: 09 / 2019
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Mo ab 18 Uhr, Di u. Mi Ruhetag

Hauptgerichte: 25-35 €, Menüs: 55-72 €

Seit gut zwei Jahren betreibt Gero Schweizer nun sein erstes eigenes Restaurant im Stuttgarter Süden, das sich hier in der kurzen Zeit bestens etabliert hat und meist sehr gut besucht ist. Das liegt zum einen daran, dass der Chef, der sein Handwerk einst unter anderem im Schlossgartenhotel, auf Sylt im Landhaus Stricker und auf dem Hamburger Süllberg verfeinerte, schon als Koch der Boteca di Vino dem Publikum der Region sein kochtechnisches Können unter Beweis gestellt hatte – zum anderen aber mit Sicherheit auch am Service unter der Regie von Mats Schweikle und Jure Rübel. Letzterer ist als liebenswürdiges Maître-Urgestein in der Stuttgarter Feinschmeckerlandschaft ohnehin jedem bekannt und sympathisch. Und Mats Schweikle, der zudem auch Ansprechpartner für die Weine ist, haben wir ebenfalls als sehr angenehmen und aufmerksamen Gastgeber kennengelernt.

Das Lokal mit seinem denkmalgeschützten Jugendstilambiente und enormer Raumhöhe, offenem Kamin und lauschigem Innenhof für warme Sommerabende, positioniert sich auch aus kulinarischer Sicht ganz bewusst unterhalb der Spitzenadressen der Landeshauptstadt, und stößt damit in eine beliebte Nische vor, in der man unkompliziert und doch anspruchsvoll zu moderaten Preisen genießen kann. Die Speisekarte ist weiterhin in drei Menüs aufgeteilt, die jeweils in vier Gängen „vom Land“, „vom Wasser“ und „vegetarisch“ bieten – wobei einzelne Elemente hier wie dort auftauchen und die Gäste auch problemlos hin- und hertauschen können. Ein unkompliziertes und entspanntes Setting…

Das Kartoffelbrot im Stil einer Focaccia zum Auftakt, das auch dieses Mal mit Oliventapenade und einer Art Pesto von getrockneten Tomaten aufgetischt wurde, haben wir bereits im letzten Jahr gelobt. Als Gruß aus der Küche erreichte uns diesmal eine Kleinigkeit aus dreierlei Cremes – von der Kichererbse, von roten Bohnen und von der roten Bete – dazu einige eingelegte Rote Bete-Würfel mit willkommener Säure und ein paar knusprige Pankobrösel für auflockernden Cruncheffekt. Konzentriert und reduziert, schlicht und schmackhaft.

Auch im weiteren Verlauf des Menüs ging es auf den Tellern eher pragmatisch, aber dennoch sehr ansprechend zu. Bei den eingelegten Wildgarnelen zum Beispiel, die sich zusammen mit einer aromatischen (ganz klein gewürfelten) Tomatensalsa, Wildkräutern und sattem Krustentiergelee auf dem Teller tummelten, sorgte eine Jalapeño-Creme mit grüner vegetabiler Schärfe für den entscheidenden Punch und die in Olivenöl knusprig angebratenen Focaccia-Schnitten passten hier ebenso gut ins Bild.

Überraschend elegant und schlank präsentierte sich im Anschluss eine kühle, samtig-glatte Emulsion von Bundmöhre und Fenchel, die zusammen mit einem kleinen Klecks Möhrencreme und Schwarzbrotcrumble ein properes Exemplar von gebratener Jakobsmuschel eskortierten. Da ist nichts Exaltiertes und nichts Wichtigtuerisches auf dem Teller zu finden, aber jede Menge harmonischer Wohlgeschmack.

Dass der Wolfsbarsch, der als kross auf der Haut gebratene Tranche im Hauptgang des Fischmenüs in einer iberisch inspirierten Konstellation mit gegrillten Lauchzwiebeln, einer Schaumsauce von roter Paprika und mit grünen Bohnen und gebratenen Chorizo-Würfeln vermengten Stampfkartoffeln daherkam, kein absolutes Highend-Produkt sein würde, war ob des moderaten Preisniveaus das hier vorherrscht schon ganz klar. Von daher überraschte die hohe Qualität des ausgesprochen dicken Exemplars, das da sehr proper auf dem Teller lag, umso mehr. Und sonst: gegenständlich, herzhaft, „lecker“.

So wie auch das Dessert, bei dem die mengenmäßig etwas zu üppig bemessene Mascarponecreme von marinierten Erdbeeren, einem erfrischend säuerlichen Joghurteis und nussigem Basilikumpesto umspielt wurde. Auch hier kein bemühtes Gebastele und keine pseudokreativen Gimmicks, sondern einfach gutes Essen – nur eben etwas schludrig angerichtet. Die Weinkarte glänzt mit Württemberger Lokalmatadoren aber auch mit genügend internationalen Gewächsen zu moderaten Preisen. Die glasweisen Empfehlungen sind lohnenswert, weil qualitativ ansprechend und durchdacht.