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Fotos: Schweizers Restaurant

Schweizers Restaurant

Olgastr. 133 B
70180 Stuttgart
0711-60197540

aktualisiert: 07 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Mo ab 18 Uhr, Di u. Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 28-40 €,Menüs: 65-105 €

Allein schon das Ambiente ist eine Besonderheit der Stadt. Das Jugendstilhaus ist Jahrgang 1902 und wurde 2006 unter strengen Auflagen restauriert. Hohe Räume und Fenster, Kamin, weinrote Relief-Fliesen auf dem Boden, historisierende Möblierung in dunklem Holz und große Gemälde an den Wänden erinnern in dem Restaurant daran, wie es im Alt-Stuttgart einmal ausgesehen haben muss.

Durch einen langen Gang geht es hinaus in einen verwunschenen Hinterhof mit kleiner Terrasse. Aber auch die Küche ist besonders, weil diese Art von gehobener Brasserie in der Landeshauptstadt eher selten zu finden ist. Verantwortlich dafür ist der Namensgeber des Restaurants Gero Schweizer, der sich hier nach Stationen unter anderem im Schlossgartenhotel der Stadt, im Landhaus Stricker auf Sylt, im Süllberg in Hamburg und zuletzt als Koch in der Stuttgarter Bo‘teca di Vino im Frühjahr 2017 selbstständig gemacht hat.

Aus dem „Schweizers Menü“ in sechs sowie aus dem vegetarischen in vier Gängen kann man sich auch à la carte etwas zusammenstellen, dass man zu zweit einen abwechslungsreichen und genussvollen Abend verbringen kann. Nach Kartoffelbrot mit Meerrettichcreme und Kürbiskernen kam als unaufgeregter Gruß Zweierlei von weißen und grünen Bohnen mit eingelegten Radieschen und einem kleinen Rote-Bete-Salat. Grundsätzlich setzt Schweizer in seinem Küchenkonzept wenig auf spektakuläre Momente, sondern auf klare und aufs Produkt konzentrierte Geschmacksbilder – mit denen er aber begeistern kann.

Zum Beispiel bei den Vorspeisen: Die Tranche vom Yellow Fin Thunfisch „à la Ceasar“ hatte tatsächlich die Grundzutaten eines Ceasar Salads: Romanasalat, Cremetupfer aus Eigelb, Senf, Sardellen, Parmesan und hauchdünne Brotchips waren akkurat auf zwei blitzsaubere, tiefrote Scheiben rohen Thunfischs von Premiumqualität gesetzt. Ebenso stimmig zeigte sich die Komposition mit Wachtelbrust: außen knusprig, innen saftig, mit Kräuterseitlingen und Artischocken à la Barigoule, also der provenzalischen Spezialität nachempfunden, mit Stücken und Creme von Artischockenböden. Besonders ausbalanciert dazu war die Thymianjus, die genau das richtige Maß des manchmal gefährlich intensiven Kräuteraromas hatte.

Zu den Hauptgerichten: sehr solide, aber bei unserem Besuch aus küchenpragmatischen Gründen mit ähnlichen Beilagen. Beim Steinbutt ging die krosse Oberfläche ein wenig auf Kosten der Saftigkeit im Inneren – im Gegensatz zum knusprigen Kartoffel-Cannellono mit seiner cremigen Püreefüllung. Der grüne und weiße Spargel in Stangen und Stücken war schön knackig, ein Gelee aus der Salzzitrone sorgte für einen heftigen Sidekick. In einer Extraschüssel wurde noch ein Spargelragout, bedeckt von Hollandaise-Schaum gereicht. Auch zum Fleischgericht gab es ein schaumiges Schälchen, unter dem aber ein herzhaft mürbe geschmortes Fleischragout steckte. Denn der Hauptplayer war Zweierlei vom Weiderind, auf dem Teller üppig portioniert mit drei zarten und kurz gegarten Scheiben vom Rücken in einer harmonischen und noch leicht transparenten Jus.

Der belgische Schokoladenriegel zum Abschluss war „nach Art Fürst Pückler“ annonciert und überzeugte mit seiner Aromenvielfalt: sanfte Minznote in der Schokolade, mit der die Vanillecreme ummantelt war, marinierte Erdbeeren mit einem kräftigen Basilikumpesto, Erdbeersorbet und etwas Crumble.

Die Weinkarte listet bezahlbare Vertreter aus der Region ebenso wie internationale Spitzengewächse. Aber Grandseigneur Jure Rübel offerierte auch gute glasweise Empfehlungen wie einen Chardonnay aus dem Burgund. Lobenswert: Mit dem Kauf und Genuss von „Viva con Agua“ unterstützt man weltweite Initiativen, die den Zugang zu sauberem Wasser für alle ermöglichen sollen.



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