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| Di-Do ab 17.30 Uhr, Fr u. Sa von 11.30-14.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 21-48 €, Menüs: 42-55 € |
Zwei unterschiedliche Restaurants vom gleichen Betreiber unter einem Dach sind zwar grundsätzlich gar nicht mal so selten anzutreffen, allerdings verhält es sich meist so, dass dann eins davon recht klar als typisches „Zweitrestaurant“ neben dem renommierten Aushängeschild einzuordnen ist. Genau diese Hierarchie ist im Leineschloss in Hannover – zugleich der Sitz des niedersächsischen Landtags – allerdings viel weniger deutlich als anderswo. Wenngleich auch hier das „Votum“, das auf hochambitioniertes Fine Dining ausgerichtet ist, durch die höheren Auszeichnungen mehr überregionale Strahlkraft besitzt, konnte das mit seinem rein auf à la carte fokussiertem Angebot deutlich zugänglicher und bodenständiger wirkende „Schorse“ binnen weniger Jahre erfolgreich aus dessen Schatten heraustreten.
Denn unter der Ägide von Maik Neumann hat das vermeintliche „Zweitrestaurant“ ein so eigenständiges und attraktives Konzept und die Küche eine ganz eigene Handschrift. Was das „Schorse“ besonders macht, ist nicht nur die lockere und heitere Atmosphäre in dem großzügig angelegten Restaurant oder – besonders schön – im Sommer auf der rückseitig gelegenen Terrasse oberhalb der Leine, sondern vor allem das einzigartige Konzept von „Erlebnisküche“, in dem optimiert zubereitete französische Bistro-Klassiker zum Vollenden am Tisch oder von aufwändig inszenierten Servierwagen präsentiert werden. Das hat nicht nur hohen Unterhaltungswert und prägt die Stimmung im Restaurant entscheidend mit, sondern gibt auch den Gerichten selbst einen ganz besonderen Charakter.
So etwa beim Rindertatar (oder alternativ Lachstatar), bei dem neben der mineralischen Frische, der feinen Textur und der insgesamt bestmöglichen klassischen Zubereitung des Rohfleischs ein Teil der Inszenierung in der individuellen Abrundung durch diverse Zutaten besteht, die auf einem der fahrbaren Wagen präsentiert und frei vom Gast zusammengestellt werden können. Das kann dann beispielsweise erdige Trüffelmayonnaise zusammen mit Kapern und würziger Belper Knolle auf Brioche sein, die dem Tatar tatsächlich einen Akzent mit superbem Schliff verpassten.
Die provencalische Suppe im nächsten Akt bestach auch ohne Einlage durch ihre unerwartete Dichte und meisterhafte Intensität, konnte aber zusätzlich noch mit exzellenter Sauce Rouille und Gruyère nach Belieben veredelt werden – schaffte dergestalt beinahe die Illusion, nicht an der Leine, sondern an der französischen Mittelmeerküste zu sitzen.
Der Höhepunkt des letzten Besuchs kam jedoch mit einem Auszug aus dem temporär angebotenen Hummermenü, das wahlweise als viergängiges Gesamtpaket oder auch als Einzelgerichte à la carte offeriert wurde. Und das im Hauptgang nichts Geringeres als den heutzutage leider höchst selten anzutreffenden „Hummer Thermidor“ vorgesehen hatte. Wegen des hohen Aufwands bei Köchen sonst eher ungeliebt, zeigte der Klassiker hier das vorgegarte und dann in der Karkasse mit Parmesan gratinierte Fleisch des Krustentiers wunderbar knackig und noch minimal glasig, ergänzt von einer elegant und fein abgeschmeckten Senfsauce – und gehörte ganz klar zu einer der besten Varianten dieser traditionsreichen Zubereitungsart, die wir in den vergangenen Jahren erleben durften. Eigentlich hätte es die dazu gereichten Pommes frites mit Safranmayonnaise gar nicht unbedingt gebraucht, andererseits waren auch diese einfach unverschämt gut, und gaben dem ganzen mit perfekter Konsistenz und ihrer prägnanten Würzung des Eigengeschmacks noch eine weitere köstliche Facette.
Wer danach noch Kapazitäten hat, kann beim Dessert Bewährtes wie Blätterteig mit Apfelkompott und Vanilleparfait bestellen, oder etwas mehr Risiko eingehen und hierzulande eher selten angebotene Klassiker wie Schnee-Eier verkosten. Alles ebenfalls souverän auf den Punkt zubereitet.
Und apropos „Platz haben“: Auch die in gar nicht so geringer Zahl angebotenen Speisen für zwei Personen sind unbedingt empfehlenswert; außerdem – wie das gesamte Angebot – erfreulich fair kalkuliert und ein weiterer guter Grund für einen Besuch. Das „Schorse“ bestätigte damit nicht nur die exzellenten Eindrücke aus dem Vorjahr, sondern ist mit dem stärkeren Fokus auf arbeitsintensiver Klassiker (bei gleichbleibender Qualität wohlgemerkt!) stärker aufgestellt denn je.
Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.