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| Täglich ab 18 Uhr (Mi-Sa Fine Dining), kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 29-50 €, Menüs: 99-169 € |
Von zwei Seiten von Tschechien sowie je einer Seite von Polen und Sachsen umgeben, kann man Hörnitz durchaus als eine der entlegensten Ecke von Deutschland bezeichnen. Dass im Jahr 2025 ausgerechnet hier, in der Oberlausitz, ein neues Grand Hotel samt hochambitioniertem Gourmet-Restaurant eröffnet hat, ist eine sehr erfreuliche Nachricht in Zeiten, in denen immer mehr Hotels auf Sparflamme schalten. Von der Castelwood-Gruppe, die eine gute Handvoll Hotels in Deutschland und der Schweiz betreibt, ist Roman Dolgov als genussaffiner Hoteldirektor in die Verantwortung gesetzt worden. Als Küchenchef konnte man den Tschechen David Hekele gewinnen, der auch für die anderen Outlets des Hotels verantwortlich ist.
Wer im Schlosspark-Restaurant das Weinstuben-Menü genießen möchte, sollte dringend reservieren – nicht nur einen Tisch, sondern auch das Menü, das nur bis 18 Uhr am Vortag gewählt werden kann. Hintergrund scheint vor allem die Produktauswahl zu sein, die für das Menü deutlich ausgefallener ist als für das À-la-carte-Geschäft des Schlosspark-Restaurants. Hier kann man von einer Schinkenplatte aus der Region über schmackhafte Suppen bis hin zu böhmischem Sauerbraten ebenfalls sehr angenehm speisen – und Hekele stellt auch hier vor allem bei den Saucen sein handwerkliches Können unter Beweis. Das Komplexitätsniveau ist jedoch erwartungsgemäß etwas niedriger und die 7 Pfannen, die wir hier zum Einstand vergeben, beziehen sich auf das Gourmet-Menü im Schlosspark-Restaurant.
Quasi als Apero kam eine verfeinerte, aber immer noch charmant zünftige „Feldbemme“ (Sächsisch für Brotzeit) auf den Tisch, die neben sehr gutem lauwarmem Brot aus einer Pastinaken- sowie einer Räucherkarpfen-Creme, Tomaten-Kräuterbutter und geräuchertem Schinken bestand. Auch wenn die im ersten Moment unscheinbaren Cremes bewusst noch nicht alle Register zogen, gaben sie mit punktgenauer Würzung und authentisch-frischem Aroma schon einmal einen Vorgeschmack auf Hekeles natürlichen, aber nicht gezwungenen Küchenstil. Lediglich der Schinken von einer lokalen Metzgerei geriet – wenn auch aromatisch hervorragend – sehr kaubedürftig, was entweder nach zarterem Fleisch oder dünnerem Schnitt schreit.
Komplexer kam ein Fingerfood-Dreierlei aus gebackenem Sellerie, confierter Forelle mit Forellen-Kaviar und Hirschzunge mit Zwiebelmarmelade daher. Positiv hervorstechen konnte letztere, die die produkttypische animalische Würze treffend mit süßlicher und umamibehafteter Zwiebel austarierte.
Noch stärker wurde es mit einem gedämpften, lauwarm servierten Stör, der auf kühlem Gurkensalat gebettet und mit einer grazilen, ebenfalls kühlen Buttermilchsauce umgossen war. Durch den Einsatz von Dill und einen anishaltigen Samen – wir tippen auf eine kleine Fenchelsamenvariante, Anis oder Dill – erhielt der Gang zudem eine tolle ätherische Kopfnote. Hinter dem Fisch vermuten wir eine hervorragende Produktqualität, hatten allerdings das Gefühl, dass ein paar Grad weniger Garung seine Güte besser hätten durchscheinen lassen. Das hätte das ohnehin sehr starke Gericht vermutlich noch einmal einen Deut transparenter und einprägsamer gemacht.
Genau diese millimeter- und gradgenaue Präzision steckte dann im folgenden Gang aus Zucchini, Basilikum und Tomate, der im Wesentlichen aus einer warmen, mit Zucchini und Kartoffel gefüllten Zucchiniblüte bestand. Dazu gab es noch eine Art brotfreie Bruschetta aus feinem Tomatenconcassée sowie eine Tomatenwassersauce. Mehrere Details machten diesen im Wesentlichen nur aus einer Handvoll Zutaten bestehenden Teller zu einem echten Erlebnis. Erstens war die Tomate von höchster Güte: süßlich, tief und voller Umami. Zweitens konnte Hekele auch der Zucchini allerhand entlocken, indem er sie einmal sehr fein würfelte und sehr dunkel, fast ein wenig rauchig anbriet, aber auch aus den Schalen ein gemixtes grünes Öl herstellte, das einen tollen Frischekick auf dem Teller hinterließ. Selbst der in der Spitzenküche oft gemiedene Basilikum konnte überzeugen, da gleich drei Sorten verwendet wurden: ein lila Basilikum, ein Thai-Basilikum und ein klassischer italienischer, die alle ein etwas anderes Aroma beisteuerten, mal süßer, mal bitterer, mal mentholiger.
Sehr überzeugend war auch der erste Fleischgang mit Maishähnchen, Aprikose und Spinat. Vom Geflügel wurde ein Bruststück mit knisternd-krosser Kruste und einer würzigen Krokette serviert. Dazu wurde Keulenfleisch mit einer großzügigen Portion Spinat appetitlich resch ausgebacken, was einen perfekten Ausgleich zum feinsinnigen und hochzarten Brustfleisch bot. Sehr angetan waren wir auch von der mit Aprikosenessig abgeschmeckten fruchtig-dichten Hühnerjus. Nur die Aprikose, deren Platz auf dem Teller wir durchaus nachvollziehen können, war etwas zu reichlich dosiert, sodass wir ein wenig um die Frucht herumessen mussten, um den Teller nicht ins Süße abkippen zu lassen.
Zum Hauptgang entschied sich Hekele für ein sehr aromatisches Reh mit intensivem Wildgeschmack, dem er Pfifferlinge und Blaubeeren als Gegenspieler entgegensetzte. Durch in ein Pfifferlingsragout eingearbeiteten Speck und die süßlich-säuerliche Kraft der Beeren wurde der Haut-goût so von zwei Seiten in Manndeckung genommen. Oft geraten Rehgerichte ja zu lieblich, weil man an alten Prinzipien wie Süße und Säure festhält, aber „modernes“ Reh verwendet, das viel milder im Geschmack ist. Hier passten Produkt und Kreation perfekt zusammen und das Spiel aus Frucht, Salz und Würze ging perfekt auf.
Auf hohem Niveau klang das Menü dann auch aus. Dazu servierte die Küche ein Pfefferminzsorbet, das sowohl in Bezug auf Temperatur als auch aromatisch eine eisige Frische auf den Teller brachte. Ein wohliger Gegenpol dazu war eine reintönige und aromenstarke Erdbeersauce, die durch Mohnöl eine zusätzliche Spannung erhielt. Mohn war auch das treibende Aromat in einer Panna Cotta am Tellerboden, was aus dem eingängigen Aromenspiel aus Minze und Erdbeere ein echtes Charakterstück machte.
Unterm Strich also ein Menü, das mit beiden Beinen ohne Wackler auf 7-Pfannen-Niveau stand, was einen sehr starken Einstand bedeutet. Mit der anmutig und feinsinnig komponierten Zucchiniblüte tendierte Hekele sogar einmal ganz deutlich in Richtung 8 Pfannen, weswegen wir uns durchaus vorstellen können, hier in Zukunft auch noch eine höhere Bewertung vergeben zu dürfen.
Sehr überzeugend präsentierte sich übrigens auch das Personal. Generell im ganzen Haus, aber im Speziellen durch Gastgeberin Laura Pfroft, die zwar auch im À-la-carte-Geschäft aushilft, aber vor allem beim Gourmet-Menü für adäquaten Service sorgt. Die Weinkarte ist kompakt gehalten und vor allem mit regionalen Erzeugern gespickt, unter die sich hier und da sehr ansehnliche Flaschen aus dem Burgund mischen.
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