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Fotos: Schlicht. Esslokal

Schlicht. Esslokal

Moselweißer Str. 6
56073 Koblenz
0261-95232255

aktualisiert: 12 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi u. Do ab 18 Uhr, Fr u. Sa ab 19 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 18-35 €,
Menüs: 53-124 €

Eine offene, nur durch einen Tresen mit weiteren Sitzplätzen vom Gastraum getrennte Küche und ein puristisches Ambiente, das die einstige Nutzung als Schnellimbiss zwar noch entfernt erahnen lässt, aber mit originellem Mobiliar und vereinzelten Akzenten durch Gestaltungsaccessoires mit einfachen Mitteln effektiv zum Restaurant umgestaltet wurde, prägen das Schlicht Speiselokal. Der Name passt zu dem sehr engagiert mit Understatement betrieben und von Rebecca Fischer und ihrem Team erfrischen unkonventionell bekochten Lokal, das mittwochs und donnerstags mit einer Auswahl an Gerichten à la carte, Barfood und kleinen Menüs konzeptionell etwas einfacher auftischt und dann am Wochenende Freitag- und Samstagabend alles zeigt, was geht.

Und das ist eine ganze Menge, denn Rebecca Fischer hat nicht nur gute Ideen, sie kocht auch durchaus mutig. Sie pflegt eine Küche, die Säure und Bitteraromen nicht scheut, die aber auch um die Wirkung von Fett und Umami weiß. Und der es in den besten Momenten gelingt, all das kongenial miteinander zu verbinden. Aber selbst dann, wenn es mal etwas holpert, sind es im Grunde nur Kleinigkeiten, an denen noch nachjustiert werden müsste, damit sie Sache aufgeht. Vermutlich würde es reichen, wenn die Chefin einfach noch etwas öfter selbst sehr gut essen gehen würde, um sich noch mehr Inspiration und Erfahrung anzueignen, die dann ihren eigenen Kreationen wieder zu mehr Feinschliff verhelfen könnte. Denn Können ist ausreichend vorhanden.  

Doch das nur am Rande, denn auch so bot unser Einstandsbesuch schon sehr viele spannende Eindrücke, auch wenn das Mahl zunächst etwas verhalten begann. Denn die ersten drei originellen Kleinigkeiten brachten zum Aperitif zwar allesamt guten Geschmack an Gaumen, hatten aber auch alle ein kleines haptisches Manko: der „Karottdog“ war recht trocken, das mit Hollandaise-Espuma gekrönte Rindertatar etwas breiig und bei der mit Vongolé gefüllten kleinen Knusper-Tartelette machte die uncharmant zähe Konsistenz vom vielen Lauch den Happen unnötig rustikal.

Auch der erste Gang der Speisefolge, eine mit mosaikartig arrangierter, in Kräutern gebeizter Forelle, Forellenkaviar und verschiedenen frischen Kräutern bestückte knusprige Tostada, wirkte vom Gesamtbild her etwas unrund, weil es ihr an Saftigkeit und Schmelz fehlte. Zwar waren da punktuell auch mit Zitrone aromatisierte Mayonnaise-Tupfen eingearbeitet, die aber nur sehr dezent im Hintergrund blieben. Das machte dann einen leicht kargen Eindruck. So wie auf etwas andere Art auch der nach dem Vorbild von süßsauer eingelegtem Gemüse zubereitete Radicchio, der im eigenen Sud zusammen mit eingelegten Rosinen und Scarlett-Kresse als puristisches Gemüseintermezzo zum Besten gegeben wurde. Auch das wirkte auf gewisse Weise etwas eindimensional, weil dem Ganzen so etwas wie das verbindende Element fehlte.

Zu einem sehr ansprechenden und runden Ergebnis führte dann allerdings der Versuch, aus ausschließlich in unseren Breitengraden gedeihenden Produkten das Geschmacksbild eines Currys zu kreieren. Mit heimischem Ingwer und heimischem Knoblauch sowie den Blättern der Italienischen Stohblume (Curry) und in Rahm eingelegtem Feigenblatt (Kokosmilch) gelang das erstaunlich gut. Und so kam schließlich eine qualitativ sehr gute, kross auf der Haut gebratene Tranche vom Rheinzander nebst knusprigem und zart knackigem Pak-Choi und Korianderkresse tatsächlich zu einer erstaunlich authentisch schmeckenden, vollmundig abgerundeten Currysauce, die klassischerweise gar keine war. Sehr gut!

Auf der Kagogori-Maschine zu Eisschnee gefräste Buttermilch mit den als Sirup ins Geschehen eingebrachten Aromen von Pfirsich, Paprika und Shiso diente sodann als unkonventionelle Erfrischung, ehe längs halbierter und auf der Schnittfläche beherzt angerösteter Kräuterseitling langsam auf den Menühöhepunkt hinführte. In mundgerechte Stücke seziert und mit Misocreme, je einer kleinen Morchel und Erbsenkresse appliziert, wurde der Pilz auf einer dunklen reduzierten Jus angerichtet, die auf rein pflanzlicher Basis (Röstgemüse, Pilze…) zubereitet und so wohlgelungen war, dass man sie gerne mit der dazu gereichten ofenwarmen Brioche bis auf den letzten Tropfen vom Teller wischte.

Zu den starken Momenten zählte für uns auch der Hauptgang, der sich auf dem Hauptteller um eine schön saftig-zarte und zudem eigenaromatische Hühnerbrusttranche drehte. Die war mit Crunch aus krosser Hühnerhaut, Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen beflockt und neben geschmortem Löwenzahn und Sorbet von Physalis auf einem Zusammenfluss aus Nussbutter und Hühnerfond angerichtet war. À part im Schälchen gab’s zudem ein sündhaft buttriges Kartoffelpüree, das von kleinen krossen Kartoffelcroûtons aufgelockert war und als süchtig machender Puffer eine zentrale Rolle einnahm.

Einer der genialen gelungenen Einfälle des Menüs war auch das Dessert mit seinem salzig-süßen Twist, kreiert aus Milcheis, cremiger Baisermasse, Röstbrotpulver und einer ebenfalls aus den Sauerteigbrotresten hergestellten, sirupartigen und intensiv würzigen Masse im Stil von Hefeextrakt, die nur in den Boden des Schälchens gestrichen war und so ihre starke Wirkung wohldosiert entfalten konnte. Sehr positiv blieb zudem die überwiegend selbst hergestellte alkoholfreie Getränkebegleitung in Erinnerung, es gibt aber auch eine kenntnisreich kuratierte Weinkarte. Und das alles zu ausgesprochen fairen Preisen!

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