Perrier_Superbanner

???

Fotos: Schillingshof

Schillingshof

Lappstr. 14
37133 Friedland (Groß Schneen)
05504-228

aktualisiert: 12 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr ab 17.30 Uhr, Sa von 12-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 36-52 €,
Menüs: 49-149 €

Da das südliche Niedersachsen nicht gerade dicht mit herausragenden Genussadressen besiedelt ist, strahlt die aus 14 Dörfern zusammengeschlossene Großgemeinde Friedland mit gleich zwei lohnenden Destinationen in dieser Region umso heller. Eine davon ist der familiengeführte Vorzeigebetrieb von Familie Schilling, der in einem schönen Fachwerkbau aus dem 17. Jahrhundert residiert. Mit Felix Schilling in Service und Weinkeller ist hier mittlerweile die 14. Generation engagiert zugange.

Und obgleich dessen Vater Stephan nur noch sporadisch am Herd steht: auch unter der Leitung von Qais Ahzami pflegt der Schillingshof weiterhin seinen souveränen klassischen Stil und setzt auf hohe Produktqualität. So kann es sich das Team erlauben, die Speisen schnörkellos zu präsentieren und ohne Effekthaschereien auf die Natürlichkeit der Viktualien zu setzen. Von naturbelassener Langeweile ist die Küche dennoch weit entfernt. Davon zeugten bereits zwei überraschend herzhaft gewürzte Amuses zum Auftakt, wie etwa das mit Chili und Gurke akzentuierte, recht säuerlich gehaltene Matjestatar auf Pumpernickel unter einem Wachtelei oder die bemerkenswerte Rinderbulette auf Püree aus violetten Kartoffeln und einer zupackenden Tomatensauce. Klarheit ist erkennbar eine der Tugenden dieser Küche, aber das bedeutet nicht, dass sie zurückhaltend mit Gewürzen umgeht!

Genussfreude wird hier auch dadurch großgeschrieben, dass dem Gast nicht weniger als drei moderat bepreiste Menüs und eine stattliche Auswahl an Gerichten à la carte offeriert werden. Unsere Wahl fiel bei der jüngsten Stippvisite auf das große fünfgängige Menü, das im ersten Aufzug schottischen Lachs in Ike-Jime-Qualität in den Mittelpunkt rückte. Dessen durch die besonders schonende traditionelle japanische Schlachtungsmethode reintönigen Geschmack und festfleischige Textur unterstrich das Team mit einer milden Wasabicreme und einem süßlich marinierten Meeresalgensalat mit sehr präsentem rosa Ingwer, sowie wohlproportioniert eingesetztem Forellenkaviar, kecken Akzenten durch ein Zitronengel und dem Schmelz eines Wachteleis.

Den einzigen marginal schwächeren Eindruck unserer jüngsten Stippvisite im Schillingshof hinterließ ein mit Zucchini ummantelter Cannelono, denn dessen Füllung, eine Art Mousse von Jakobsmuscheln und Languste, wirkte aromatisch etwas diffus und vermochte die typischen Aromen seiner Ingredienzen nicht wirklich darzustellen. Die soft angebratene Jakobsmuschel, die sich ebenfalls auf dem Teller befand, repräsentierte mit ihrer sehr weichen Textur auch nicht gerade die Idealform ihrer Gattung, so dass hier den Varianten von Rote Bete, Zuckermais, Brokkoli und Blumenkohl nebst alles verbindendem Champagnerschaum mit federleichter alkoholischer Note und meisterhaft dosierter Säure umso mehr Bedeutung zukam.

Zum klassischen Lehr- und Musterstück geriet indes der qualitativ sehr gute, mustergültig gebratene, bemerkenswert saftige Steinbutt nebst leicht nussigem Hummerschaum. Dessen reduziertes Fundament aus Artischockencreme mit schlichten Gemüsesorten wie Gurke und Karotte reichte somit vollkommen aus, um ein rundum gelungenes Ergebnis zu erzielen.

Kaum weniger exemplarisch war auch der Rücken vom Salzwiesenlamm, dessen ausdrucksstarker Eigengeschmack von einer exzellenten körperbetonten Lammjus noch dick unterstrichen wurde. Ein Gnocco, gefüllt mit einer Farce von Steinpilzen sowie ein Bett von Ratatouille-Gemüse fügten sich sehr harmonisch und stimmig ins Gesamtbild ein. Schnörkellos präsentiert und überzeugend in die Tat umgesetzt. Ob es neben dem sommerlich-mediterranen Gemüse auch noch saisonale Wintergemüse wie Rosenkohl oder Brokkoli gebraucht hätte, kann man natürlich diskutieren…

Das Dessert wartete als Blickfang auf, denn eine dünnstreifig aufgerollte karamellisierte Spirale von marinierter Birne stand da im Mittelpunkt zwischen dunkler und heller Ganache und Mousse von Valrhona-Schokolade und je einer Nocke luftig-leichtem Buttermilcheis und Kaffee-Eis – eine recht große Bandbreite vielfältiger Aromen, präzise und aufgeräumt im Baukastenstil arrangiert.

Ein überwiegend klassisch gediegenes Setting, doch mit dezenten Vorstößen lockt die Küche die Gäste hier und da auch mal aus ihrer Komfortzone. Gleichwohl überfordert sie niemanden und präsentiert die nahezu schwankungsfreien, wohlschmeckenden und ästhetischen Gerichte ohne experimentelle Allüren. Wir freuen uns auf die nächste Stippvisite, denn auch der zuvorkommende Service und die von Felix Schilling mit Leidenschaft kuratierte Weinkarte samt lohnender glasweiser Empfehlungen sind weitere gute Gründe für eine Einkehr.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.