Perrier_Superbanner

???

Fotos: Schönburger Palais

Schönburger Palais

Schlossberg 19
09350 Lichtenstein
037204-601010

aktualisiert: 05 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 17 Uhr, So ab 11 Uhr durchgehend, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 20-60 €,
Menüs: 40 €

Direkt unterhalb des bereits um 1200 herum entstandenen Schlosses der Stadt Lichtenstein bietet der Anfang des 18. Jahrhunderts erbaute Schönburger Palais ein sehr stimmungsvolles und nobles Ambiente mit hohen Räumen, Stuckdecken und antiken Möbeln im Barockstil. Im Licht von Kronleuchtern und Kerzen wie gemacht dafür, um auch kulinarisch etwas Besonderes zu bieten. Und genau dafür ist hier rund um Gastgeber und Küchenchef Christian Weidt bereits seit einigen Jahren ein engagiertes Team am Start, dem es sehr erfolgreich und geschickt gelingt, einerseits für ein breites Publikum zugänglich zu bleiben, andererseits aber doch klar ein überdurchschnittliches Niveau zu erreichen.

Das zeigten zuletzt schon die zwei einstimmenden kleinen Waffel-Tartelettes, einmal mit Nordseekrabbe, Avocado und Limonenkaviar befüllt, einmal mit von feiner pfeffriger Würze getragenem gebeiztem Lachs, sowie einer gerösteten Sepia-Foccacia mit leichter Mayocreme und zarten Streifen von rosa gebratener Ente. Manchmal schießt das Team allerdings auch bis leicht übers Ziel hinaus und stellt die Inszenierung oder eine Idee stärker in den Vordergrund als die eigentliche aromatische Ausarbeitung.

Das wurde während unseres letzten Besuchs insbesondere beim ersten offiziellen Gang deutlich, bei dem gleich eine ganze Trilogie aufgefahren wurde: in einem Cocktailglas gab es mit einer gelierten Kalbsessenz mit zarten (kühlen) Kalbsbäckchen unter Gurken-Sauerrahm viel Umami. Daneben lieferten marinierte Jakobsmuscheln (in einer etwas übertrieben wirkenden Deko-Platte mit Moospolstern) klare maritime Noten, hätten dergestalt aber dennoch von irgendeinem Akzent profitiert. Trotzdem schafften sie gewissermaßen eine Verbindung zum Hauptteller, auf dem eine im Ganzen ausgebackene Schneekrabbe auf marinierten Wakame-Algen und einer feinsäuerlichen Cremesauce ebenfalls das Meer repräsentierte. Die einzelnen Zubereitungen waren hier sehr schlicht und natürlich gehalten, auf diese Art auch durchaus gelungen – wirkten dergestalt aber in ihrer pompösen Präsentation zugleich etwas überinszeniert.

Eine solche Diskrepanz zwischen Schein und Sein hatte der sanft in Nussbutter gegarte und mit einer cremigen Nussbutter-Velouté angerichtete Steinbutt nicht, hätte aber – was bei Fisch sonst eher selten vorkommt – von mehr Hitze und Röstnoten profitiert, um sich gegen seine Umgebung aus Rotkohl, Kartoffelstroh und Kartoffelpüree noch besser behaupten zu können. Letztere waren allesamt geschmackstypisch, natürlich und handwerklich gut umgesetzt, wirkten aromatisch aber recht brave und verstärkten einen insgesamt eher breiten und behäbigen Eindruck. Da hätte durch clever eingesetzte Gewürzakzente und (vor allem!) präsentere Säure mit sehr wenigen Handgriffen noch deutlich mehr rausgeholt werden können.

Einen der stärksten Momente des Menüs gab des danach im Hauptgang rund um Wagyu-Rind, das kurz scharf angebraten und ansonsten mit feiner üppiger Marmorierung und sattem Eigengeschmack ein tolles Produkt repräsentierte. Kombiniert mit einer leicht abgemilderten Misocreme, einem üppig hineinfließenden Onsenei und teils knusprig gebratenen Pilzen und Pilzchips, zwischen denen sich auch noch knackige Rettich-Stücke mit auflockernd ätherischem Akzent tummelten, hatte diese Komposition genau die Dynamik, die zuvor dem Steinbutt fehlte.

Weil auch die nachgebildete halbe Mango aus einem (etwas kristallinen) Matcha-Sorbet und marinierter Mango unter einer luftigen Michreiscreme, gewinnbringend ergänzt von Mangosauce und Matcha-Powder, dann ebenfalls das etwas höhere Niveau hielt und eine gelungene Melange aus feinbitter, fruchtig und cremig-süß ergab, reichte es unter Strich summa summarum erneut für stabile 5 Pfannen.

Das unkompliziert, aber sehr zuvorkommend und aufmerksam agierende Serviceteam und die Weinauswahl, in der sich sogar Gewächse vom direkt hinter dem Haus gelegenen Schlosshang finden, halten da ebenfalls locker mit. Und wenn die Küche noch ein bisschen mehr auf die relevanten Details achten und etwas genauer abschmecken würde, wäre hier für die Zukunft prinzipiell auch eine noch höhere Bewertung denkbar.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.