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| Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 23-48 €, Menüs: 55-109 € |
Seit vielen Jahren schon sind wir immer wieder gespannt, welches Programm im Hotel Schönbuch geboten wird, denn das Haus hat sich nicht nur im Tagungs- und Event-Bereich etabliert, sondern mehr und mehr auch als Genießeradresse. Je nach Sitzplatz hat man dort von den verschiedenen Räumlichkeiten und auch vom weitläufigen Hauptraum aus, einen schönen Ausblick auf die erste Reihe der Schwäbischen Alb. Das kulinarische Konzept spricht ganz unterschiedliche Gäste mit auch Themen-Büffets wie Steak- und italienischen Abenden an. Montags ist „Schwabenabend“ mit All You Can Eat, ansonsten gibt es Klassiker wie Rostbraten, Wiener Schnitzel vom Kalb oder Zürcher Geschnetzeltes in guter Qualität.
Maßgeblich für unserer Bewertung ist jedoch das „Streifzug“-Menü in vier bis sechs Gängen, mit dem das ambitionierte Küchenteam eine durchaus eigene Sprache sprechen und auch ein gutes Timing hinlegen kann. Nach einem schönen Start mit Brotauswahl, Kräuterbutter und -creme sowie einem Mini-Caprese folgte zügig der erste Gang. Auf einen hohen Block gebeizten Lachs war eine Schicht Forellenkaviar platziert. Zur spritzigen Frische gab es knuspriges Süßkartoffel-Ingwer-Stroh mit Kräutern und Blüten on top. Eine deutliche und sich am Ende hochsummierende Säure entstand durch einen Essigsud mit Dillöl und Sesamkörnern. Für etwas Beruhigung sorgte ein Eis, das aber nicht nur süß war, sondern durch Kumquat auch eine herb-fruchtige Note hatte.
Luxuriös ging es weiter, denn im Zwischengericht spielten ausgelöste Stücke von Hummerschere und -schwanz die Hauptrolle – und auch wieder nicht. Dafür hatte die sanfte Nussigkeit auf dem mit roten und grünen Klecksen im Jackson-Pollock-Style angerichtetem Teller doch ganz schön kontrastreiche Mit- und Gegenspieler. Vor allem eine Sauce-Choron-Creme drückte dem Gericht einen kräftigen Stempel auf, obwohl sie an sich mit feinfruchtiger Säure gut abgeschmeckt war. Ungewöhnlich fanden wir die Beigabe von mittelscharfen Wasabiperlen und einem Wachtelspiegelei zu zwei exakten Riegeln Brioche. Das war handwerklich jedes für sich sehr gut gemacht, ergab aber zusammen kein ausgeglichenes Bild.
Ähnlich im Hauptgericht, obwohl hier die klassische Linie deutlicher zur Geltung kam. Zwei ordentlich große Stücke von der Lammhüfte waren sehr gut gewürzt und gebraten, ein Würfel Kartoffelbaumkuchen minutiös in einem Dutzend Schichten präsentiert, umrandet von einer leichten Jus und Kräuteröl. Zur annoncierten Paprika, gelbe und rote angeschwenkte Streifen, gesellten sich für den mediterranen Touch noch geschmorte Kirschtomaten dazu. Mit Karotten, Maiskölbchen und wildem Brokkoli wurde es dann aber doch eher ein Gemüse-Allerlei. Passender wiederum fanden wir die intensiven Tupfer mit Salzzitronen-Mousse.
Das Dessert hingegen war radikal reduziert. Auf dem Teller zu sehen war nur eine täuschend echt aussehende Banane mit einem grünen Geleeblatt, aus dem Yuzu-Säure hervorstach. Die Banane mit Schokoladenschale hatte eine Mousse-Füllung mit Karamell- und Brownie-Kern. Eine durchaus stimmige Kombination, deren Reiz sich nach dem optischen Gag aber auch verflüchtigte.
Trotz kleinerer Irritationen können wir natürlich die originelle Küchenleistung anerkennen, die immer mal wieder deutlich Richtung 6 Pfannen zeigt – und diese auch verdient hätten, wenn die Geschmacksbilder noch etwas schlüssiger wären. Für Weinfreunde wird im Hotel Schönbuch ohnehin viel geboten, denn der Chef Maik Hörz ist ein Liebhaber großer Gewächse, die auf einer gut sortierten Karte mit mehr als 500 Positionen zu finden sind. Außer offenen Standardweinen werden zum Menü auch Hochkaräter ausgeschenkt. Bei unserem jüngsten Besuch setzte sich der Service allerdings über die Empfehlungen des Chefs hinweg und machte eine kleine Italienreise. Auch gut, aber nicht ganz so hochwertig wie die ursprünglich zum Menü gedachten Gewächse. Wir sind jedenfalls schon jetzt gespannt auf das Erlebnis beim nächsten Besuch an dieser besonderen Adresse.
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