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Fotos: Sawito

Sawito

Spandauer Str. 14
14612 Falkensee
03322-1218566

aktualisiert: 06 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 17 Uhr, So-Di Ruhetag
Hauptgerichte: 28-40 €,
Menüs: 65-109 €

Für die meisten Berliner ist der Speckgürtel sowas wie ein Fly-Over-State – wer Richtung Uckermark, Spreewald, Mecklenburger Seenplatte oder sonst wohin unterwegs ist, hält hier höchstens zum Tanken. Und sicher nicht zum Essen. Mindestens dem Sawito täte man damit aber grob Unrecht, denn das Restaurant in Falkensee, was kurz hinter Spandau liegt, leistet schon seit ein paar Jahren Bemerkenswertes. Das Küchenteam um den gebürtigen Pflälzer Marco Wahl bietet hier neben einer großen À-la-Carte-Auswahl (Vorspeisen ab 20, Hauptgänge ab 32 Euro) auch ein ehrgeiziges Fine Dining Menü, das man – vielleicht auch aus hauptstädtischer Arroganz – an einer Landstraße neben einem Autohaus und einer Tankstelle nicht erwarten würde.

Wir haben bei unserem diesjährigen Besuch wieder das große Menü probiert. Fünf Gänge kosten hier schlanke 115 Euro. Der Auftakt schmeckt dann überraschend nach Südfrankreich: Die Kartoffeln wurden in einem Safransud gargezogen, was ihnen eine Assoziation an die Bouillabaisse verleiht, die Kombination mit abgeflämmtem, schön cremigem Lauch wiederum erinnert an eine Vichyssoise. Einen ganz eigenen Charakter bekam der Gang aber durch einen sämig-süßen Zwiebelsud, der mit fein gehackten Gewürzgurken, Saiblingskaviar und frittierten Kapern Salz, Säure sowie einen texturellen Kontrast bot. Ein wenig Zwiebelstaub verlieh dem ansonsten eher süßlichen Ensemble auch noch etwas herzhafte Würze. Ein starker Auftakt!

Eine schöne Frühlingskombination folgte beim zweiten, ebenfalls vegetarischen Gang: Gegrillter Spargel mit einer Erbsencreme und frischen Erbsen, dazu Erbsensprossen, ein paar kleine Kleckse Zitronengel, ein Löffel Imperial-Kaviar als gut eingesetztes Würzelement, dazu eine duftige, feinsäuerliche Beurre blanc mit dem dezent ätherischen Aroma von frischem Dill. Wenn man hier überhaupt etwas kritisieren wollte, dann nur, dass ähnlich wie beim Gang zuvor der eigentliche Hauptdarsteller nicht allzu viel Raum bekam, sich geschmacklich zu entfalten. Man hätte also noch klarer auf die Kartoffel beziehungsweise den Spargel abzielen können – aber das ist natürlich auch eine Stilfrage.

Nach einem Waldfruchtsorbet, dem ein Rhabarbergel jene Dosis an frischer Säure verpasste, die Lust auf das Folgende macht, kommt das Lamm im Hauptgang. Einmal als Rücken, gebraten mit saftigem Kern und relativ kompaktem Biss sowie einer stark abgebunden und sehr fleischigen Jus. Weltläufig begleitet von Roten Linsen mit Reis, die orientalisch gewürzt waren und von einem Klecks türkischem Joghurt und Aprikosengel frische Säure und Cremigkeit mitbekamen. À part serviert wurde zudem die geschmorte Keule vom Lamm als Füllung eines Raviolo mit Linsenschaum, Joghurt und brauner Butter.

Statt wie in den Speisefolgen anderer Restaurants, die oft zwei Desserts beinhalten, bekommt man hier vor dem süßen Abschluss einen Käse-Gang. Schön, dass das hier so gepflegt wird! Der fein gehobelte Mimolette schielte dabei stark in die süße Richtung, begleitet wurde er von einem Eis aus Sonnenblumenkernen, etwas geröstetem Buchweizen, einem frischen Quittengel und PX-Essig, der mit gereifter Süße und Säure das Ensemble adäquat einfasste. 

Das eigentliche Dessert war handwerklich avanciert und geschmacklich toll ausbalanciert! Ein frisches, leichtes Ensemble mit überraschend vielen Texturen und Zitrusnoten: Eine luftige Mousse aus Mandarine, in die die Zitrusfrucht Buddas Hand eingearbeitet war, dazu ein Mandarinengel und ein zestiges Baiser, dazu ein mutig scharfes Ingwer-Eis und luftiger Nougat für ein cremiges Fundament. Ein starkes Finale!

Der Service ist zugewandt wie kompetent, die Weinauswahl hält sich an bekannte Namen aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Glückliches Falkensee, das so ein Restaurant hat.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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