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| Di-Sa ab 17 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 29-41 €, Menüs: 73-110 € |
Das für ein Feinschmeckerlokal mit gehobenem Anspruch relativ große, schlicht und hell gestaltete Restaurant von Cornelia und Ruben Baumgart, die nebenbei zu den jüngsten Neuzugängen der ambitionierten Köchevereinigung „Jeunes Restaurateurs“ gehören, ist Düsseldorfs Hort für gute österreichische Küche. Nicht nur für Traditionsgerichte wie Backhendl mit Vogerlsalat, klare Rindssuppe mit Frittaten, locker paniertes und dann luftig in Butterschmalz ausgebackenes Kalbsschnitzel und natürlich gesottenen Alt-Wiener Tafelspitz mit Erdäpfeln, Spinat, Schnittlauchsauce und Apfelkren, sondern auch für kreativere und entsprechend modern ausgestaltete Kreationen.
Es gibt vier jeweils fünfgängige Menüs, die beide Welten in fließenden Übergängen abbilden und in einer rein vegetarischen Speisefolge sogar überzeugend den Beweis antreten, dass zeitgemäße österreichische Küche absolut nicht fleischlastig sein muss. Im Menü „Das Signature“ findet man Gerichte aus Tradition und Moderne, „Die Heimat“ repräsentiert konsequent die austriakische Klassik, ein saisonales Menü wie in unserem Fall „Der Frühling“ geht ebenso klar in eine unverkrampft originelle, weltoffene Richtung wie „Das Vegetarische“ mit Optionen wie karamellisierter Chicorée mit Roten Linsen, Datteln und Olive.
Und während wir in der Vergangenheit oftmals den Eindruck hatten, dass gerade die weitgehend unveränderten Traditionsgerichte das große Pfund des Küchenteams sind, finden wir mittlerweile auch immer mehr Gefallen an den unkonventionelleren Eigenkompositionen. Ein sehr schönes Beispiel für ein nach unserem Gusto sehr gelungenes Gericht aus der Schublade der kreativ modernisierten Schmankerlküche gelang dem Team beim jüngsten Besuch mit der Vorspeise von gekochter Rinderzunge: in dünnen, saftigen Scheiben locker drapiert und mit einer Nocke herzhaft-scharfem Senfeis, Croûtons, Eigelbcreme und eingelegten roten Zwiebeln auf einer duftigen Schnittlauchcreme angerichtet, bekam sie von einer Vinaigrette aus Blaubeeren und Minze noch einen verwegenen fruchtig-ätherischen Twist verliehen. Kontrastreich, dynamisch, aber auch harmonisch.
Ein ähnliches unkompliziertes „Wohlfühlgericht“ wie die Rigatoni mit weißer Kalbsbolognese, die nicht mehr aus dem „Signature“-Menü wegzudenken sind und die man bei einem Erstbesuch im Rubens genauso unbedingt probieren sollte wie den Alt-Wiener Tafelspitz, war zuletzt der Zwischengang mit hausgemachter Salsiccia vom Kalb. Zusammen mit etwas Fenchelsalat versteckte sich das saftig-aromatische Brät unter einer Haube Parmesan-Espuma auf einem Spiegel aus Fenchel-Beeftea und war eine wahre Umami-Bombe. Aber eine der natürlichen und unaufdringlichen Art.
Und dieser Nische des unkomplizierten, gegenständlichen Soulfood mit viel vollem, rundem Wohlgeschmack entstammte auch der mit „verhackertem“ Kalbsrahmgulasch gefüllte und mit Tupfen von Bergkäsecreme sowie von roter Paprika applizierte Portobello-Pilz, der auf einem kraftvollen reduzierten Saucenspiegel auf Pilzfond-Basis ebenfalls ohne pseudokreative Verrenkungen voll ins Genießerherz zielte.
Dass das Rubens-Team nicht nur ein Händchen für alpenländische Schmankerl hat, sondern auch auch mediterrane Geschmacksbilder draufhat, verdeutlichte der Fisch-Hauptgang des saisonalen Frühlingsmenüs, der zudem eine Lanze für den ansonsten überwiegend als Brot-und-Butter-Fisch bekannten Rotbarsch brach. Denn so wie hier, in entsprechender Qualität, kann auch der eine Delikatesse sein kann, wie das beherzt angeröstete und dennoch schön saftig, festfleischig und soft aufblätternde Filet zeigte, das da mit ein paar Vongolé und Garnelenstücken auf einer sehr guten Bouillabaisse-Sauce schwamm, die sogar ein dezentes animierendes Säurespiel mitbrachte. Die ebenfalls annoncierte Hummer-Bisque war nicht dezidiert wahrnehmbar, aber vielleicht ja unkenntlich in die Sauce vermengt, die mit Sicherheit auch Krustentieranteile hatte. Die geschmacklich ausdruckslose große Hippe über dem Gericht hätte man unserer Ansicht nach getrost weglassen können – der pastöse „Reiberdatschi“ à part, der hier quasi der Link nach Felix Austria war, wirkte als thematisch gar nicht so weit hergeholte Kartoffel-Zugabe zur mediterranen Fischsuppe weitaus passender, als man es vielleicht im ersten Moment vermuten würde.
Und auch wenn die leider etwas zu feste Schokoladentarte, die mit einem sehr guten Eis von Banane und-Rum sowie Erdnusscremetupfen garniert als Dessert geschickt wurde, bis auf die etwas uncharmant schnittfeste Konsistenz der Ganache ein schmackhafter süßer Abschluss war, würden wir hier im Zweifel immer den Kaiserschmarrn vorziehen. Zu allen Gerichten findet sich in der nach Regionen und Rebsorten sortierten Weinkarte, die ausschließlich auf Österreich fokussiert ist und ein fair kalkuliertes Sammelsurium spannender Gewächse namhafter Erzeuger des Landes listet, der passende anspruchsvolle Begleiter fürs Glas.
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