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| Mo-Sa ab 17 Uhr, So Ruhetag |
| Hauptgerichte: 18-60 € |
Frischer Wind in einer Berliner Institution: Im vergangenen Jahr haben die Betreiber des Jolesch in Kreuzberg auch die Rotisserie Weingrün in Mitte übernommen, die in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert direkt an der Spree residiert – übrigens dem einzigen Gebäude der Straße, das den Krieg überstanden hat. Das neue Team hat das großzügige Ecklokal mit seinen hohen Decken spürbar und gewinnbringend aufgefrischt, die Karte neu justiert, dabei aber das bewährte Rotisserie-Konzept mit dem Flammenwand-Grill beibehalten, was sich als ebenso naheliegende wie stimmige Entscheidung erweist.
Bestellt wird à la carte, wobei die Vorspeisen etwas detaillierter ausgearbeitet sind und als leichte Ouvertüre durchaus Versprechen geben: etwa die außenherum schön krossen und innen cremigen Hühnerkroketten mit Senf-Zitronen-Aioli auf einem mit Sesamsaat aufgepeppten Gurken-Karotten-Salat oder die gefüllten Eier mit mariniertem Flusskrebs auf einem Nest von Kartoffelstroh mit Salicornes, beides auf unangestrengt-pfiffiger Art ein schöner Starter.
Bei den Hauptspeisen rückt dann, folgerichtig für ein solches Haus, das jeweilige Fleisch in den Mittelpunkt. Von besagter Flammenwand kommen wahlweise ein halbes oder ganzes Paderborner Landhuhn, alternativ auch Schwarzfederhuhn oder Perlhuhn, sowie ein mit Whiskey flambierter Flammlachs vom Nagelbrett. Auf dem normalen Grill werden außerdem Filet und Entrecôte vom Simmentaler Almochsen, Duroc-Schweinebauch oder Rippchen von den Flammen geküsst und mit gewinnbringenden Röstaromen finalisiert, während die traditionellen Beilagen ganz nach Gusto separat geordert werden können.
Wer sich nicht entscheiden mag, fährt mit dem „Dreierlei vom Grill“, das sich auch gut teilen lässt, ausgesprochen gut, denn hier bekommt man quasi ein kleines „Best of“ von Grill und Flammenwand: eine saftige, zugleich schön knusprige Keule vom Landhuhn, eine Scheibe Entrecôte, einen Würfel Schweinebauch mit perfekt krosser Kruste sowie eine beherzt gewürzte Wildbratwurst – ebenso bodenständig wie stimmig und schmackhaft begleitet von Grillkartoffeln und wildem Brokkoli.
Für ein gelungenes süßes Finale werden die Crêpes Suzette mit Orangen-Karamell-Sauce und Bourbon-Vanilleeis direkt am Tisch vor den Augen der Gäste flambiert, was nicht nur klassisch gedacht ist, sondern auch als kleines, maßvoll inszeniertes Schauspiel zuverlässig seinen Reiz entfaltet.
Anders als im Jolesch gibt es hier noch nicht den einen unverrückbaren Klassiker auf der Karte, also kein „Signature Dish“ vom Format des Tafelspitzes wie in Kreuzberg. Auch die Weinkarte fällt dort deutlich größer aus. Doch das kann sich entwickeln, zumal die Rotisserie Weingrün schon jetzt ein Ort für viele Gelegenheiten und unterschiedliche Geschmäcker ist – am wenigsten selbstredend für ausgeprägte Gemüseliebhaber.
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