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| Mi u. Sa ab 18 Uhr, Do u. Fr u. So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 28-46 €, Menüs: 69-94 € |
Auf dem Homburger Schlossberg gibt es nicht nur die Burgruine Hohenburg mitsamt Europas größter Buntsandsteinhöhle zu bestaunen – man kann hier oben bei toller Aussicht ins Saarland auch sehr gut essen. Das Restaurant des Schlossberg Hotels respektive seine Protagonisten haben nämlich längst nicht nur die solide Verpflegung von Hausgästen im Sinn. Vielmehr ist das weitläufige Panoramarestaurant eine attraktive Mischung aus Ausflugs-, Hotel- und Feinschmeckergastronomie, die federführend zu bekochen vor wenigen Jahren dem einstigen Klaus-Erfort-Schüler Mirko Bunk übertragen wurde.
Der Chef hat einerseits das Verständnis und Know-How für die gehobene Küche, kocht hier aber auch nicht am breiten Zielpublikum vorbei, sondern findet auf seiner Karte einen attraktiven Mittelweg zwischen traditionellen Gerichten wie Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurkensalat oder Châteaubriand für zwei Personen und unkonventionelleren Kreationen wie sautierte Jakobsmuscheln mit Topinambur, Fregola Sarda, Rote Bete und Sherryessig oder Kabeljaufilet mit Perlgraupen, Bohnencassoulet, Aubergine und dem orientalischen Akzent von Raz el Hanout. Alles absolut mehrheitsfähig, aber nicht beliebig austauschbar.
Und dass das Team nicht nur ambitioniert, sondern auch versiert kocht, das konnte man bei unserem jüngsten Besuch schon gleich an dem kleinen Küchengruß in Form von mit Rote Bete gebeiztem oder in entsprechendem Saft eingelegtem Lachs mit Eigelb und gepickeltem Rettich auf Avocadocreme deutlich erkennen: gute Produkte, alles gekonnt abgeschmeckt, wohltemperiert und in stimmigen Proportionen zusammengestellt. So einfach, so wenig selbstverständlich.
Das alles traf auch auf die Menüvorspeise Ceviche vom Wolfsbarsch mit Ochsenherztomate und Charentais-Melone zu. Hier waren die vermutlich nicht bloß kalt säuregegarten, sondern auch entsprechend höher temperierten dünnen Scheiben vom Loup de mer zusammen mit Scheiben des Tomatenfruchtfleischs und marinierten Melonenkugeln flächig auf dem Teller ausgelegt und wurden von verschiedenen Kressen sowie einer milden Tigermilk, die zudem mit Korianderöl marmoriert war, aromatisch umspielt. Eine animierende, schön leichte und frische Vorspeise mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass der Fisch komplett durchgegart war.
Bei den folgenden Salsiccia-Dim-Sum, die zusammen mit dreierlei von der Schwarzwurzel und sautierten Trompetenpfifferlingen in einer Schweinebauchjus badeten, wurde der Powerregler dann deutlich weiter aufgedreht. Die mit dem herzhaften Brät der groben italienischen Bratwurst gefüllten Teigtaschen waren optimal dünn und elastisch, die Schwarzwurzel als knackige Stücke, knusprige Streifen und seidige Creme facettenreich dargeboten, und die reduzierte Sauce dicht und intensiv. Fast schon grenzwertig intensiv. Aber aufgrund der von leichter Hand umgesetzten anderen Komponenten wirkte der Gang als Ganzes dennoch nicht schwerfällig.
Und davon war auch der Hauptgang des Menüs weit entfernt, in dessen Mittelpunkt überraschend ausdrucksstarkes Kalbsfilet stand, das klassisch rosa gebraten in zwei saftigen Tranchen auf dem Teller lag und von einem reizvollen Saucenduett begleitet wurde, welches aus der würzigen Tiefe reduzierter Kalbsjus und dem seidig-milden Schmelz einer Sauce Maltaise entstand. Da brauchte es dann schon gar nicht recht viel mehr als eine kleine, fluffig-zarte Schnitte von Kartoffelbaumkuchen, eine aromatische junge Möhre, ein paar sautierte Stücke Kräuterseitling und ein glatt-cremiges Püree von der Petersilienwurzel, um von einem rundum stimmigen Hauptgericht zu sprechen.
Weil zuletzt auch das Dessert, bestehend aus Sorbet von Litschi, zarter Schichtschnitte von Schokoladenbisquit, Topfenmousse und Orangengelee, sowie weiteren Kleinkomponenten von Orange, Litschi und Schokolade nebst dem anishaften Hauch von Estragon sehr feinfühlig umgesetzt war, erhöhen wir die Bewertung in diesem Jahr verdientermaßen auf 6 Pfannen.
Erfreulicherweise hat auch der Service des Restaurants einen Quantensprung gemacht, denn dem Team steht mittlerweile kein Geringerer als Jérôme Pourchère vor, der seine Gastgeberqualitäten bereits als Maître in den Saarbrücker Spitzenrestaurants Esplanade und GästeHaus Klaus Erfort unter Beweis gestellt hat. Der will nun dem Vernehmen nach auch die mit deutschen, französischen und italienischen Gewächsen meist namhafter größerer Erzeuger gut ausstaffierte Weinkarte noch um ein paar Geheimtipps von spannenden Newcomern, insbesondere aus dem Burgund, erweitern.
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