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| Mi-So von 12-13 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 33-76 €, Menüs: 55-74 € |
Es wundert uns nicht im Geringsten, dass das Restaurant innerhalb der Mauern des Schlosses in der recht entlegenen Ortschaft Niederweis nahe der luxemburgischen Grenze auch unter der Woche an den Mittagen so gut besucht ist. Denn zum einen ist der große und vor allem dramatisch hohe, bis zum Dachgiebel hin offene Gastraum mit seinem aristokratisch-rustikalen Flair etwas Besonderes, man kann hier prima Familienfeste oder sonstige Ereignisse begehen und auch gediegen im kleinen Kreis oder zu zweit genießen. Zum anderen ist Sebastian Poss ein hervorragender Koch, der hier mit seinem Team auf sehr zugängliche Art ohne kompliziertes Prozedere und elitäres Konzept zu äußerst moderaten Preisen auf beachtlich hohem Niveau kocht.
Wie exakt die Küche arbeitet und wie gut es ihr dadurch immer wieder gelingt, auch ganz klassisch-gediegene Geschmacksbilder und Produktkombinationen überraschend wirken zu lassen, zeigte zuletzt schon das Rindertatar mit schaumigem Lauchschmand auf Kartoffelrösti. Ganz einfach deshalb, weil hier vom handgeschnittenen und fein gewürzten Tatar über den animierend kross-saftigen Kartoffelboden bis zum gut herausgearbeiteten Aroma in der Creme alles auf dem Punkt war.
Mit denselben positiven Eigenschaften gesegnet, nur noch feingliedriger und vielschichtiger, beeindruckte auch die Vorspeise von und mit gebeiztem Saibling in Kombination mit Apfel, Staudensellerie, Tomate, Dill und Curry auf ganzer Linie. Weil die dicken, festfleischigen und klararomatischen Tranchen hier vom winzig gewürfelten Obst-und-Gemüse-Tatar gut dosierte grüne Frische, von den konzentrierten winzigen Dörrtomaten natürliches Umami, von der Currymayonnaise animierende Würze und Schmelz und von den unterschiedlichen Vinaigrettes darunter Säure und Frucht in optimaler Proportionierung angedient bekamen.
Das cremig-dichte, mit frisch geschnittenen Schnittlauchringen und kleinen krossen Croûtons getoppte Blumenkohl-Schaumsüppchen hatte eine opulente Einlage in Gestalt von gerösteten Blumenkohlröschen und schmelzigen Bresaola-Streifen intus und war mit Raz el hanout sehr behutsam aber effektiv gewürzt. So entstand zwischen röstigen Gemüsenoten, feiner Raucharomatik und der komplexen orientalischen Würznote ein auf elegante Art herzhaftes Ganzes.
Eigentlich jedes kleinste Detail der Gerichte ist feinsinnig auf den Punkt gebracht. So auch bei der auf ihrer kross gebratenen Haut mit einer Spur aus Oliven- und Chorizo-Bröseln akzentuierten länglichen Tranche von der Dorade, die mit ihrer Entourage aus Babyspinat, Tomaten und Rosmarinkartoffeln auf dem Papier eigentlich maximal konservativ und brav anmutete, sich auf dem Teller aber als perfektionierter Klassiker überraschend schmissig präsentierte. Inklusive dynamisch zugespitzter schaumiger Beurre blanc!
Dröge wirken selbst die traditionellsten Gerichte ja im Grunde immer nur, wenn sie auch so zubereitet sind. Wenn allerdings, so wie im Fall der Eifler Rehkeule mit Aprikose, Knollensellerie, Kräuterseitlingen und Spätzle, schon das rosa gebratene Fleisch eine perfekte zart-saftige Beschaffenheit besitzt und bis hin zur reduzierten Sauce auch sonst alles wie aus dem Ei gepellt ist, kann so ein Teller gar nicht alt aussehen, sondern nur wunderbar zeitlos sein.
Und dasselbe gilt auch für Desserts wie die als kleines Törtchen mit einer Art Mürbteigboden arrangierte Apfeltarte auf markantem Calvadosrahm, appliziert mit etwas Splitter von blonder Schokolade und winzigen Baiser-Makronen, gekrönt mit einem allein schon süchtig machendem Apfel-Rahmeis. Ein köstlicher Abschluss, der sein hohes Niveau wie auch alles andere hier nicht über artifizielles Gebastel oder Kreativleistung, sondern über Handwerk und Geschmack generiert.
Für eine adäquate Begleitung in den Gläsern hat die international sortierte Weinkarte viele lohnende Positionen zu fairen Kursen gelistet und dank Coravin-System gibt’s auch im Offenausschank Hochwertiges. Wer sich sein Mahl aber lieber alkoholfrei eskortieren lassen möchte, dem stehen ebenfalls niveauvolle Alternativen zur Wahl. Das Preis-Leistungsverhältnis von Speis' und Trank ist in Schloss Niederweis übrigens absolut vorbildlich und ein weiterer guter Grund dafür, warum das Restaurant stets so gut besucht ist.
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