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Fotos: Schloss Niederweis

Schloss Niederweis

Hauptstr. 9
54668 Niederweis
06568-9696450

aktualisiert: 06 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 33-54 €,
Menüs: 57-67 €

In einem für ein „Schlossrestaurant“ angenehm unprätentiösen Ambiente speist man in der hübschen Schlossanlage aus dem Jahr 1751, die erst vor rund zwanzig Jahren in liebevoller Detailarbeit repräsentativ renoviert und als geschmackvoller Ort für Gastronomie und Festivitäten wiedereröffnet wurde. Der hohe, bis zum Dachgiebel hin offene Raum mit viel stimmungsvollem Holzgebälk, dessen rustikaler Grundcharakter von modernen Accessoires wie beleuchteten Weinklimaschränken aufgelockert wird, ist seither nicht nur eine beliebte Feier- und Hochzeitslocation mit eigenem Standesamt, sondern auch ein lohnender Spot für Feinschmecker.

Dafür sorgen in bemerkenswerter Konstanz die Gastgeber Sandra und Sebastian Poss, die ihr jeweiliges Können an zahlreichen namhaften Adressen von Baiersbronn über Perl-Nennig bis Dreis perfektioniert haben und hier ein gastronomisch und kulinarisch durchaus anspruchsvolles, aber nicht zu exklusives Konzept verfolgen. Sebastian Poss kocht zwar auch mit einschlägigen Gourmetprodukten wie beispielsweise Gänseleber, die zuletzt als Terrine mit Feige und Kakaoaromen zu hausgebackener Brioche als eine Vorspeisenvariante angeboten wurde, oder US-Prime-Beef aus Omaha mit karamellisierten Perlzwiebeln, Speckbohnen und Kartoffelpüree – aber eben alles in sehr klassischer, gegenständlicher und damit leicht zugänglicher Art gekocht.

Zur Zugänglichkeit des Konzepts gehört auch, dass die Gerichte allesamt à la carte offeriert werden, man sich aber daraus selbst ein drei- oder viergängiges Degustationsmenü zusammenstellen kann. Also freie Auswahl für die Gäste anstatt lange, durchchoreografierte, für alle einheitliche Speisefolgen ohne Auswahlmöglichkeiten. Und zugunsten eines ausgesprochen günstigen Preis-Genussverhältnisses wird auch auf elaboriertes Kunsthandwerk verzichtet. Dass man als Gast aber nicht auf Feinsinn und Finesse verzichten muss, verdeutlichte zuletzt gleich schon mal ein knuspriger, mit Saiblingstatar und Gemüsesalat gefüllter Croustade-Zylinder, der erfolgreich den Gaumen kitzeln und Lust auf mehr machen konnte.

Zum Beispiel auf milden, schmelzigen Räucherlachs, der in Tranchen auf einem Sockel rahmigem Gurkentatar drapiert war, das mit frisch geriebenem Meerrettich und einer zitrusfruchtig angehauchten Buttermilchvinaigrette viel ätherische Frische mitbrachte. Ein sehr lohnender Starter und mittlerweile fast so etwas wie ein Evergreen auf der Karte ist das akkurat von Hand geschnittene und angenehm subtil gewürzte Rindertatar auf einem kross-saftigen Kartoffelrösti-Boden, zuletzt mit dem herzhaften Schmelz einer Schalotten-Creme de Bresse verfeinert.

Mit perfekt krosser Haut und darunter maximal saftigem Fleisch kam die Tranche vom Adlerfisch auf einem Ragout aus zart knackigem weißem und grünem Spargel daher, die außerdem von fluffigen Bärlauch-Gnocchi eskortiert wurden. Mit kleinen Kalbskopfwürfeln nicht nur haptisch, sondern auch aromatisch aufgewertet und mit einer feinsäuerlichen Vinaigrette sowie ebenfalls frisch und säuerlich abgeschmeckter Sauce Hollandaise schlank zugespitzt. Sebastian Poss hat ein gutes Händchen für balancierte Geschmacksbilder.

Das konnte man auch an dem zusammen mit Knoblauch und Kräutern klassisch gebratenen und mit kleinen krossen Croûtons bestückten Lammrücken deutlich erkennen, der auf geräucherter und geschmorter roter Paprika angerichtet und von einem herrlich authentisch schmeckenden Lammzungenragout mit Lammjus eingefasst war. Da brauchte es dann gar nicht viel mehr als ein paar kleine Knäuel mildem Blattspinat, um als klassisches, mediterran angehauchtes Gericht zu überzeugen. Die à part dazu gereichten halbierten und auf der Schnittfläche angerösteten La-Ratte-Kartoffeln waren eigentlich nur schmackhafte Sättigungsbeilage.

Man kann sein Mahl mit einer im besten Sinne opulenten Schokoladenvariation in Gestalt von Praline, Eis, Mousse und halbflüssigem Küchlein abschließen, eine Rohmilchkäseauswahl vom französischen Affineur MonS degustieren, oder etwas frischer und leichtfüßiger mit einem Dessert rund um Zitrone und Fenchel. Wobei die Zitrone hier eine falsche Zitrone aus weißer Schokoladenmousse war und das zitrusfruchtige Sorbet daneben von Zitronengras. Die Zitrone selbst spendete dem Nachtisch noch als Gel ihre herbe, säuerliche Frische und der dünn gehobelte und marinierte Fenchel brachte sich ebenfalls gewinnbringend als knackig-saftiges Element ein. Gut fügte sich hier auch die Atsina-Kresse mit ihrem anishaften Aroma ins Geschehen ein.

Für adäquate Begleiter im Glas hat die international sortierte Weinkarte viele lohnende Positionen zu fairen Kursen gelistet und dank Coravin-System gibt’s auch im Offenausschank Hochwertiges. Wer sich sein Mahl lieber alkoholfrei eskortieren lassen möchte, dem stehen ebenfalls niveauvolle Alternativen zur Wahl.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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