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Fotos: Restaurant 360°

Restaurant 360°

Bahnhofsplatz 1a
65549 Limburg an der Lahn
06431-2113360

aktualisiert: 02 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa von 12-13 Uhr u. ab 18.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 110-174 €

Mit seinem Alleinstellungsmerkmal als Gourmetadresse in Limburg und im weiten Umkreis, der sehr verkehrsgünstigen Lage an der A3 und natürlich den gastfreundlichen Öffnungszeiten, die Fine dining auch am Mittag möglich machen, ist das Restaurant im dritten Stock eines sachlichen Büro- und Geschäftshauses an einer Einkaufsmall seit seiner Eröffnung vor einigen Jahren ein Publikumsmagnet. Die Beliebtheit des 360° erklärt sich aber auch durch die ausgesprochen zugängliche und facettenreiche Küche von Alexander Hohlwein, mit der vermutlich jeder Gast etwas anfangen kann.

Der Chef und sein vielköpfiges Team, denen man durch eine große Scheibe vom Restaurant aus bei der Arbeit zusehen kann, kochen weltumspannend international und sehr bunt – was aber zu keiner Zeit beliebig oder anbiedernd wirkt. Im Gegenteil: Das Konzept einer kulinarischen Weltreise mit dem „Around the world“ betitelten und bis zu achtgängigen Menü wirkt stets klar durchdacht und stringent, ist ausdrucksstark komponiert und anspruchsvoll umgesetzt.

Originell, feinsinnig und wohlschmeckend waren schon die ersten drei Kleinigkeiten, von denen insbesondere der Gänseleber-Crostino mit Mango und Cashewnüssen durch einen raffiniert ausladenden Würzakzent und die kross verpackte Liaison von Rindertatar und Auster mit Sudachi und Nori durch ihre vollmundige Fleischigkeit und das sensibel austarierte Spiel der natürlichen Aromen ganz besonders in Erinnerung blieb. Heißes und fettiges Fingerfood deluxe war dann mit dem gebackenen indischen Kartoffelsnack Alu Tikki mit salzigem Joghurt und Saiblingskaviar und einer saftig-krossen Praline aus Hühnerfleisch angesagt – letztere mit einer Currymischung aus 65 Gewürzen vielschichtig akzentuiert.

Als weiterer, allerdings kalter, eher erfrischend säuerlicher Appetizer zeigte auch ein mit gebeizter Makrele, Ziegenfrischkäse, Rote Bete, Zwiebel, Senf und Kräutern befülltes krosses Tartelette-Schälchen, wie akribisch hier an den zwar sehr elaborierten, im Ergebnis aber niemals verkopft wirkenden, sondern stets maximal eingängig und harmonisch schmeckenden Kreationen getüftelt wird.  

Koji, Korianderöl und Chili stellten die Basis der Vinaigrette, die den Balfegó-Thunfisch mit verschiedenen Zubereitungen von Blumenkohl und einer kleinen Eisnocke aus dem kräuterwürzigen indischen Joghurtdip Raita süffig untermalte. Auch das wieder sehr komplex und facettenreich, auch mit mutig viel Schärfe und Säure ausgestattet, aber keineswegs plakativ und dicht, sondern vielmehr beeindruckend klar freigestellt, transparent und ausdifferenziert.

Das war auch die ziemlich „kohlige“, tendenziell eher breite Begleitung zum Wolfsbarsch, der in saftig-fleischiger Perfektion und mit einer orientalisch warmwürzigen Chat-Marsala-Kruste gratiniert auf dem Teller thronte. Allerdings wurde dieses Geschmacksbild durch die Tupfer eines intensiven Dattelpürees geschickt mit Süße und Frucht aufgelockert. Den Rest besorgte die am Tisch angegossene Kohlsauce, die neben Röstaromen auch etwas Säure in sich trug und dem Gericht eine abrundende Geschmeidigkeit mit auf den Weg gab.

Aromatisch voll ausgereizt und in alle Richtungen gut ausbalanciert war auch die Kreation um ein festfleischiges Medaillon von der Tristan-Languste, das auf einem Sockel aus Würfeln von gepickelter Tomate thronte und dort aus einem Saucenspielgel aus schaumiger Krustentierbisque und konzentrierter Krustentierjus ragte. Der geschmackliche Clou waren hier Würfel von der im Salzteig gegarten Ananas, die dem Ganzen mit beeindruckend vollem, tiefem Geschmack fruchtige Sidekicks gab und so für jede Menge Dynamik auf dem Teller sorgte.

So etwas fehlte nach unserem Geschmack ein klein wenig bei der folgenden Eigeninterpretation des indischen Gerichts Korma, traditionellerweise ein nussig-sahniger Fleischeintopf auf Basis von Kokosmilch, der hier mit Huhn vom Gutshof Polting zubereitet war – und natürlich weitaus aufwendiger, detaillierter und fotogener aufs Porzellan gebracht wurde als das Original. Die Brust des wunderbar festen, aromatischen Geflügels mit krosser Haut war hier zusammen mit einem in Knusperteig ausgebackenen saftigen Keulenstück liiert, das wiederum mit Pilzcreme bestrichen und mit verschiedenen grob zerstoßenen, pikant gewürzten Nüssen beflockt wurde. Begleitet von Champignoncreme und mit Pilzpulver bestäubten Champignonscheiben, aber ohne nennenswerte Auflockerung: kein Kontrast, keine Frische… Geschmeckt hat das trotzdem ausgesprochen gut, hinsichtlich einer noch höheren Bewertung fehlte dem Gericht unserer Ansicht nach aber etwas die Lebendigkeit und Dynamik.

Besser funktionierte das beim Reh im Hauptgang, dem neben Selleriepüree, einem winzigen Kartoffelknödelchen mit Nussbutterbröseln, einer akzentuierend intensiven Salzmandelcreme und auf angenehmer Art dichter, kompakter Rehjus auch die Frucht und Säure zweier Zwetschen-Komponenten zur Seite standen. Und auch beim kompakt als Törtchen angerichteten Dessert um die Aromen von pikant gewürzten Cashewnüssen, Banane, Passionsfrucht und dem indischen Rohrzucker Jaggery war auf dem Teller jede Menge los, gab es bunte Kontraste und Vielfalt nicht nur optischer Art.

Zum attraktiven Gesamtpaket des 360° zählen für uns jedes Mal unbedingt auch die mit erkennbar viel Passion und Expertise ausgewählten und vorgestellten Weinempfehlungen von Gastgeberin Rebekka Weickert, die es mit den mutig gewürzten Gerichten ihres Lebensgefährten zwar nicht immer einfach hat, in ihrem Fundus aber dennoch immer überzeugende Begleiter ausfindig macht. Darüber hinaus gibt es aber auch eine engagierte und spannende alkoholfreie Getränkebegleitung aus eigener Produktion, die ebenfalls sehr lohnend ist.

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