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Fotos: Friedrich Restaurant

Friedrich Restaurant

Lotter Str. 99
40978 Osnabrück
0541-96380899

aktualisiert: 04 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 149-189 €

Nach dem etwas überraschenden Aus auf dem bisherigen Höhepunkt des Erfolges ihres kleinen, aber sehr feinen Restaurants in der Fußgängerzone von Bad Bentheim, blieb es längere Zeit ruhig um Gina Duesmann und Lars Keiling. Irgendwann im Herbst 2019 sickerte zwar durch, dass die beiden im nächsten Sommer nach Osnabrück kommen würden, um dort fortan zusammen mit Sven Oetzel die von Nina und Felix Greiner ins Leben gerufene Friedrich-Genusswelt mit Vinothek, Tageslokal, Veranstaltungslocation, Bistro und Gourmetrestaurant zu bespielen – doch durch die Coronakrise und die beiden Lockdowns beschränkte sich deren Tun zunächst lange Zeit auf das Take-Away-Geschäft. Die Zeit der Zwangspause hat man aber auch für das Restaurant Friedrich effektiv genutzt: das Lokal wurde nochmal renoviert, so dass es nun seit der endgültigen Wiedereröffnung im Herbst 2021 die Gäste in sehr schickem neuem Outfit empfängt.

Ganz ähnlich wie einst in Bad Bentheim, nur um einiges größer, geht es hier links vom Eingang in den etwas schlichter und legerer bekochten Bistrobereich mit Hochtischen und rechts ins Gourmetrestaurant, das sich ums Eck über zwei Räume auf zwei Ebenen erstreckt. Markant akzentuiert und kontrastreich, dennoch sehr elegant ist das Ambiente – und passt damit perfekt zur Küche von Lars Keiling, die sich seit jeher durch dieselben Eigenschaften auszeichnet und auf den bildschön angerichteten Tellern nach wie vor sehr aromendicht und ausdrucksstark präsentiert. Ganz so, wie wir es all die Jahre in Keilings Restaurant auch schon immer erlebt hatten. Zwar erreichen die Kreationen im Einzelnen bislang noch nicht ganz das dort zuletzt erlangte Niveau, wirken bisweilen etwas plakativer, nicht ganz so detailliert und millimetergenau scharfgestellt – aber das nur als Randnotiz, denn das Gebotene begeisterte uns beim ersten Besuch durchwegs.

Schon das Amuse-Bouche zum Thema Foie gras und Rauchaal kitzelte den Gaumen mit überdurchschnittlicher Finesse: der angenehm festfleischige und nur mild geräucherte Aal war als kleines lackiertes Filetstück, die Leber als Eyecatcher in Gestalt einer täuschend echt imitierten Erdnuss auf dem Teller zu finden – beide aber auch harmonisch vereint als eine Art Tatar. Leicht und frisch begleitet von grünem Apfel und mariniertem Fenchel, von dezent nussig-schokoladigem Malto auch noch mit einer gewissen Tiefe unterfüttert, war das ein dezent fruchtiger, aber eben auch nicht zu süßer Auftakt mit ausgewogener Balance.

Auf jedem Teller findet sich eigentlich immer ein origineller Twist, sei es durch eine ungewöhnliche Aromenkombination oder generell viel Dynamik, etwa hervorgerufen durch das flirrende Spiel von Säure und Süße. So wie bei der exzeptionellen gebratenen Jakobsmuschel im Verein mit diversen Spielarten unterschiedlicher Bete-Sorten, frittierten Kohlsprossenblättern und in Soja eingelegtem Saiblingskaviar, denen eine mit Yuzu erfrische Hollandaise und ein ätherischer Hauch Meerrettich das gewisse Etwas, den unerwarteten Aha-Effekt verliehen.

Zur butterzart glasig gegarten Meerforelle auf einem Spiegel aus umamisatter cremiger Selleriesauce, die erdige Süße mit säuerlicher Frucht und eben jener, den fünften Geschmackssinn stimulierenden Würze in Einklang brachte, war es eine mit der floralen Purple-Curry-Mischung aromatisierte Cranberry-Fruchtsauce, die dem Ganzen den unkonventionellen Kick mitgab. Und dass selbst etwas so Konventionelles wie die zwei leicht abgeflämmten und mit Selleriecreme betupften Selleriewürfel, die den violett bepuderten und mit Cranberry applizierten Fisch flankierten, bei Lars Keiling irgendwie besonders schmecken, gehört ebenfalls zu den Vorzügen dessen Kochkunst.

Ein tolles Stück Skrei, das blättrig, fest und glänzend auf einem Sockel aus fermentiertem Weißkohl dockte und von einem mit viel straffer Säure und harmonisierender Süße ausgestatteten Kräutersud umflutet war, trug auf seinem Rücken eine von schmelzigem Lardo transparent abgedeckte Creme aus geräucherter Süßkartoffel, was auch hier wieder jede Menge Dynamik und einen Spannungsbogen erzeugte.

Deutlich breiter, tiefer und wuchtiger ging es dann bei den unter ihrem hauchdünnen Teigkleid prall mit süffigem Schmorkompott vom Ochsenschwanz gefüllten Dim Sum zu, was nicht zuletzt an der ziemlich dicht konzentrierten Jus lag und darüber hinaus noch von einer herzhaften roten Zwiebelcreme verstärkt wurde. Getoppt von geschmorter Zwiebel und flankiert von Erdartischocke mit geflämmter Zwiebel sowie etwas Zwiebelcreme war das insgesamt ein sehr erdiges und dumpfes Gericht, was aber nach dem Reigen an säuerlich zugespitzten Geschmacksbildern auch gar nicht so verkehrt war.

Und mit dem ersten Aufzug des in zwei Gänge gesplitteten Hauptgerichts um Perlhuhn dann im Anschluss ohnehin schon wieder ausgeglichen wurde. Denn die festfleischige Brust des Vogels nebst Champignontatar war auf einer abermals angenehm prononciert säuerlich zugespitzten und mit Kräuteröl aufgelockerten Cremesauce von Champignons platziert. Die von satt aromatischer schwarzer Trüffel geprägte Sauce zur Perlhuhnkeule im zweiten Akt war dann schon wieder eher von barocker und verdichteter Art, ließ dem Vogel und seiner Begleitung in Form von Kürbis (als seidige Creme und knackige Schleife) sowie mit Parmigiano und Spinat verfeinerten Fregola Sarda aber trotzdem genug Freiraum. Und so passte sich hier auch der von Sommelière Gina Duesmann dazu empfohlene 2016er Bordeaux Prieure Sainte Anne aus der Magnum in seiner vollmundigen, weichen, samtigen Art ohne viel Tannin bestens an.

Kreativ wurde es dann noch mal zum Dessert, bei dem Marone in unterschiedlichen cremigen und moussigen Zubereitungen gemeinsam mit mariniertem grünem Apfel, Bitterorange und einem keck mit Safran abgeschmeckten Mandarinensorbet ein originelles, vollmundig-frisches Geschmackbild zeichnete. Ein in jeder Hinsicht farbenfroher Schlussakkord und somit auch wieder ganz typisch für den Stil der Küche, deren mittelfristiger Weiterentwicklung am neuen Standort wir schon mit großer Spannung entgegensehen.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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