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Fotos: Hofgut Hohenkarpfen

Hofgut Hohenkarpfen

im Hotel Hofgut Hohenkarpfen
Hohenkarpfen 1
78595 Hausen ob Verena
07424-9450

aktualisiert: 07 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
So-Fr von 11.30-13.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Sa ab 17.30 Uhr, kein Ruhetag
Hauptgerichte: 24-55 €,
Menüs: 58-143 €

Es gibt mehrere gute Gründe, das Hofgut Hohenkarpfen aufzusuchen, und nicht alle haben unmittelbar mit der Küche zu tun. Da ist zunächst die Lage, einige Kilometer von der Autobahn entfernt, still in die Landschaft gerückt und mit weitem Blick über die Umgebung, die den Ort ebenso für Wanderungen auf die Schwäbische Alb wie für Seminare oder ein entspanntes Wochenende empfiehlt. In der Umgebung des Hofguts finden sich zudem zahlreiche Kunstwerke inmitten der Landschaft, deren Erkundung eine angenehme Art ist, sich Appetit für den späteren Restaurantbesuch zu holen.

Spätestens dann tritt Stefan Schäfer in den Vordergrund, der hier seit einigen Jahren als Küchenchef wirkt und seine Aufgabe nicht als Verwaltung gepflegter Routine versteht. Er hält die Balance zwischen bürgerlich grundierten Gerichten mit erfreulich saisonaler Zuspitzung, etwa Bandnudeln mit Bärlauch, Kirschtomaten und Pinienkernen, moderneren, sehr zugänglichen Angeboten wie einem Smash-Burger mit Brioche-Bun und hausgemachten Pickles sowie ambitionierteren Tellern wie dem Wolfsbarsch mit Estragon, der mit Venusmuscheln und einer Safranvelouté serviert wird.

Dass diese Küche auch dann verlässlich arbeitet, wenn viele Tische gleichzeitig besetzt sind, lässt die Leistung umso respektabler erscheinen. Zum stimmigen Gesamtbild trägt auch der Service bei, am Abend unseres jüngsten Besuchs besonders in Person des stellvertretenden Restaurantleiters Kreshnik Balaj, der mehrere junge und sehr motivierte Mitarbeiter vorbildlich ruhig und aufmerksam anleitete. Es wurde wiederholt nach dem Befinden der Gäste gefragt, sogar der Wechsel an einen Tisch mit besserer Aussicht wurde angeboten, was in Zeiten spürbarer personeller Engpässe in der Gastronomie nicht nur freundlich, sondern bemerkenswert souverän wirkte. Dazu passt eine Weinkarte, die ein umfassendes, aber nicht überzogen ambitioniertes Angebot regionaler und weiterer Gewächse bereithält und erfreulich sympathisch kalkuliert ist.

Die Ouvertüre unseres Essens bildete eine Karotten-Panna-Cotta, die angenehm locker gestockt war und durch eine kontrastierende Schicht mit Ingwer und Zitrone eine würzig-frische Kontur erhielt. Zwei Sorten sehr gutes Brot wurden mit Sriracha-Butter gereicht, ein weiteres, als Focaccia besonders gelungenes Brot begleitete dann die Burrata, eine im besten Sinne süffige Vorspeise, die den Caprese-Gedanken überzeugend weiterdachte. Basilikumschaum, handwerklich sauber gearbeitet, ein dünn geschnittenes Tomatencarpaccio, Pinienkerne und Essigperlen sorgten für säuerliche und würzige Gegenakzente, ohne das Milde und Cremige des Hauptprodukts zu überdecken. Wenn man hier überhaupt etwas anmerken wollte, dann allenfalls die Menge, denn die Portionen fallen durchweg stattlich aus.

Das zeigte sich auch beim Risotto mit weißem und grünem Spargel, bei dem das Gemüse auf den Punkt gegart war und der Reis noch den nötigen Biss bewahrte, während Granatapfelgel, Kräuter aus dem eigenen Garten, darunter Thymian, Holunderblüten und Schafgarbe, sowie ein tadelloser Nussbutterschaum aus dem bekannten saisonalen Klassiker ein deutlich eigenes Gericht machten. Dass die Küche angesichts dieser Portionsgrößen noch ein klassisches Sorbet einschiebt, ist in diesem Zusammenhang besonders sinnvoll. In unserem Fall war es ein Blutorangensorbet, das mit Kräuteröl und Fleur de Sel klug akzentuiert wurde und den Übergang zum Fleischgang angenehm klärte.

Das Onglet vom Nebraska-Rind kam anschließend mit Chimichurri, wildem Brokkoli und Karotten auf den Teller, ergänzt um Kartoffel auf zwei Arten, einmal als getrüffelter Kartoffelschaum und zum anderen als Fondantkartoffel. Auch hier war die Portion eher opulent als elegant, doch die einzelnen Bestandteile präsentierten sich überaus sorgfältig zubereitet: das Fleisch wunderbar saftig und eigenaromatisch, die Kartoffeln schmelzig und der Schaum von jener luftigen Fülle, die den Gang nicht leichter, aber runder machte.

Egal ob man das Mahl danach mit einem halbflüssigen Schokoladenkuchen nebst weißer Schokoladenmousse und Pistazieneis oder einer mit Feigensenf, Nüssen und Trauben kredenzten internationalen Rohmilchkäseauswahl abschließt – das ausgezeichnete Preis-Leistungs-Verhältnis und die sympathische Verabschiedung runden den Aufenthalt so ab, dass von dem Besuch in jedem Fall nicht nur ein gutes Essen, sondern ein ausgesprochen stimmiges Gesamterlebnis in Erinnerung bleibt.

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